Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abhilfe bei schwerer Nebenwirkung von Krebsmedikament

09.11.2012
Krebspatienten, die bei einer Chemotherapie das Medikament Oxaliplatin erhalten, leiden häufig unter schmerzhaften Nervenstörungen.

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Ludwigs-Maximilians-Universität München haben nun den Grund für diese gravierende Nebenwirkung herausgefunden.

Ihre Ergebnisse haben sie kürzlich in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht und die Deutsche Schmerzgesellschaft zeichnete sie zudem mit dem ersten Preis im Bereich Grundlagenforschung aus.

Oxaliplatin ist ein Medikament, das unter anderem zur Behandlung von Darmkrebs eingesetzt wird. Eine häufige Nebenwirkung ist eine akute sowie chronische Form von Nervenschädigung, die sogar dazu führen kann, dass die Therapie abgebrochen werden muss. Diese äußerst unangenehmen Muskelkrämpfe und Missempfindungen – eine Art Kribbeln – treten auf, sobald die Patienten einen kalten Gegenstand berühren, wie beispielsweise eine Cola-Dose.

Dies führt dazu, dass die Patienten kalte Getränke oder niedrige Zimmertemperaturen meiden, da die Effekte, die am ganzen Körper auftreten können, unerträglich sind. In der Studie zeigten die FAU-Wissenschaftlerin PD Dr. Angelika Lampert, Institut für Physiologie und Pathophysiologie, und ihre Münchner Kollegin Dr. Ruth Sittl mit ihren Teams, welcher Baustein der Nervenzellen dafür verantwortlich ist.

In den menschlichen Nervenzellen werden Informationen in Form von Stromimpulsen unter anderem über Natriumkanäle weitergeleitet. An einem dieser Kanäle, dem spannungsabhängigen Natriumkanal Subtyp 1.6 (kurz Nav1.6), führt das Medikament dazu, dass fälschlicherweise Impulse weitergegeben werden – so entstehen die Symptome unter denen die Patienten leiden. Verstärkt wird dies noch, wenn die Nervenfasern während der Oxaliplatin-Behandlung abgekühlt werden.

Das heißt, berühren die Patienten einen kalten Gegenstand, sinkt also die normale Hauttemperatur von 32 Grad kurzzeitig auf 22 Grad, werden noch mehr Impulse weitergegeben – die schmerzhaften Symptome werden stärker. Im Experiment untersuchten die Forscherinnen Mäuse, die keinen funktionierenden Nav1.6-Kanal besitzen – weder bei Wärme noch bei Kälte führte Oxaliplatin zu mehr Stromimpulsen. Daraus folgerten sie, dass mit einem Wirkstoff, der den Natriumkanal blockiert, die Symptome effektiv behandelt werden könnten.

Gelingt es den Forschern, einen solchen Wirkstoff zu entwickeln, müsste auch die häufig lebensrettende Chemotherapie nicht mehr auf Grund dieser schweren Nebenwirkung abgebrochen werden. Derzeit untersuchen die Wissenschaftler die molekularen Grundlagen dieser Natriumkanal-Eigenschaft, um so eine bessere Basis für mögliche neue Therapeutika zu schaffen.

Weitere Informationen für die Medien:

PD Dr. Angelika Lampert
Tel.: 09131/85-22888
lampert@physiologie1.uni-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Internationales Team erforscht Gerüst des Zellkerns
29.04.2016 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Gradmesser für die Fettverbrennung
27.04.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Winzige Mikroroboter, die Wasser reinigen können

Forscher des Max-Planck-Institutes Stuttgart haben winzige „Mikroroboter“ mit Eigenantrieb entwickelt, die Blei aus kontaminiertem Wasser entfernen oder organische Verschmutzungen abbauen können.

In Zusammenarbeit mit Kollegen in Barcelona und Singapur verwendete die Gruppe von Samuel Sánchez Graphenoxid zur Herstellung ihrer Motoren im Mikromaßstab. D

Im Focus: Tiny microbots that can clean up water

Researchers from the Max Planck Institute Stuttgart have developed self-propelled tiny ‘microbots’ that can remove lead or organic pollution from contaminated water.

Working with colleagues in Barcelona and Singapore, Samuel Sánchez’s group used graphene oxide to make their microscale motors, which are able to adsorb lead...

Im Focus: Bewegungen in der lebenden Zelle beobachten

Prinzipien der statistischen Thermodynamik: Forscher entwickeln neue Untersuchungsmethode

Ein Forscherteam aus Deutschland, den Niederlanden und den USA hat eine neue Methode entwickelt, mit der sich Bewegungsprozesse in lebenden Zellen nach ihrem...

Im Focus: Faszinierender Blick in den Zellkern

Veröffentlichungen in Nature Communications zur DNA-Replikation

Vor jeder Zellteilung muss die Erbsubstanz kopiert werden. Die Startpunkte der DNA-Verdoppelung in Zellen von Menschen und Mäusen haben Wissenschaftler um...

Im Focus: Dauerbetrieb der Tokamaks rückt näher

Aussichtsreiche Experimente in ASDEX Upgrade / Bedingungen für ITER und DEMO nahezu erfüllt

Die ihrer Natur nach in Pulsen arbeitenden Fusionsanlagen vom Typ Tokamak sind auf dem Weg zum Dauerbetrieb. Alexander Bock, Wissenschaftler im...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDE|DGBMT veranstaltet Tagung zur patientennahen mobilen Diagnostik POCT

28.04.2016 | Veranstaltungen

Norddeutsche Herztage: 300 Experten treffen sich in Kiel

28.04.2016 | Veranstaltungen

Landwirtschaft und Lebensmittel - Analytische Chemiker: Wächter über Umwelt und Gesundheit

28.04.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

SmartF-IT passt Produktionsprozesse flexibel an

29.04.2016 | Informationstechnologie

Neue Entdeckung im Kampf gegen Krebs: Tumorzellen stellen Betrieb um

29.04.2016 | Biowissenschaften Chemie

Fettreiche Ernährung lässt Gehirn hungern

29.04.2016 | Biowissenschaften Chemie