Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

12 Mio EU-Förderung: Besteht ein Zusammenhang zwischen frühkindlicher Entwicklung und Erkrankungen?

03.06.2011
Tübinger Wissenschaftler an Erforschung von Entwicklungsdeterminanten des Alterns und der Langlebigkeit beteiligt

Die neue europäische Forschungsgemeinschaft Integrated Research on Developmental Determinants of Aging and Longevity (IDEAL) untersucht, wie bestimmte Umstände während der Entwicklung des menschlichen Lebens und in der frühen Kindheit den Gesundheitszustand eines Menschen in späteren Jahren beeinflussen.

14 akademische Zentren – darunter die „Tübingen Ageing and Tumour Immunology group“ (TATI) des Universitätsklinikums Tübingen – und zwei Firmen beteiligen sich an diesem von der Europäischen Union mit knapp 12 Millionen Euro finanzierten Forschungsprojekt.

Die Forschungsmittel wurden vom Medizinischen Zentrum der Universität Leiden (LUMC) in den Niederlanden beantragt. Koordiniert wird das Projekt von den Professoren Eline Slagboom (LUMC) und Bas Zwaan (Universitäts- und Forschungszentrum Wageningen). Projektpartner ist die „Tübingen Ageing and Tumour Immunology group“ (TATI) des Universitätsklinikums Tübingen, die sich mit der Alterung des Immunsystems und Fragen der Tumorimmunologie beschäftigt. TATI (siehe http://www.tati-group.de/) konzentriert sich unter der Leitung von Prof. Graham Pawelec vorrangig auf den Einfluss früher Erfahrungen auf die Immunkompetenz im späteren Leben.

Der Hungerwinter 1944/45
Menschen, deren Mütter während des holländischen Hungerwinters (1944/1945) mit ihnen schwanger wurden, leiden 60 Jahre später häufig an Übergewicht und erhöhtem Blutdruck. Der Arbeitsgruppe um Eline Slagboom gelang der Nachweis, dass Unterernährung im Mutterleib Auswirkungen auf die Regulierung und Programmierung der Gene hat. Bas Zwaan untersucht dieses Phänomen an Tiermodellen. Solche sogenannten epigenetischen Marker in der DNA können das Funktionieren der Gene beeinflussen und sich auf den Gesundheitszustand, die Lebenserwartung und das Altern eines Lebewesens auswirken, da praktisch jedes Organ des Körpers in seiner Funktion von ihnen betroffen ist. Dazu gehört auch das Immunsystem, das innerhalb des gemeinsamen Projekts von den Tübinger Partnern untersucht werden soll. Die beteiligten Wissenschaftler wollen erforschen, welche in höherem Alter feststellbaren Befunde beispielsweise auf eine ungesunde Ernährung, Übergewicht oder Mangel an Bewegung in jungen Jahren, auf Infektionen der Mutter im Verlauf der Schwangerschaft oder auf eine künstliche Befruchtung (in vitro Fertilisation, IVF) zurückzuführen sind. Darüber hinaus können in Studien am Tiermodell, z. B. an Fruchtfliegen und Fadenwürmern, die entsprechenden Mechanismen aufgedeckt und auch experimentell manipuliert werden.
Individuelle Unterschiede
Ziel der Forscher ist nicht nur das Aufzeigen möglicher Effekte, sondern auch deren Erklärung. Welche Gene und Mechanismen verbinden frühe Entwicklungen, Wachstum und Gesundheit in späteren Jahren miteinander? Und welche Rolle spielt die sich schnell weiterentwickelnde Umwelt der Menschheit in Relation zu der Umgebung, in der wir Menschen uns entwickelt haben (evolutionäres „Mismatch“)? Darüber hinaus hoffen die Wissenschaftler, Werkzeuge und Methoden zu entdecken, mit denen sich die Auswirkungen früher Umstände, sowohl in utero als auch nach der Geburt, verfolgen lassen, bevor Gesundheitsprobleme auftauchen. Und schließlich soll untersucht werden, wie die Interaktionen zwischen epigenetischen und genetischen Faktoren zu den deutlichen Unterschieden zwischen den Individuen hinsichtlich Gesundheit, Alterung und Lebenserwartung beitragen.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Abt. Innere Medizin II,
Sektion für Transplantationsimmunologie und Immunhämatologie
Prof. Dr. Graham Pawelec
Waldhörnlestr. 22, 72072 Tübingen
Tel. 07071/29-8 28 05
graham.pawelec@uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verbesserte Heilungschancen durch individualisierte Therapie bei Hodgkin Lymphom
23.10.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie