Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zerreißprobe für Brustimplantate

22.07.2014

FAU-Wissenschaftler auf der Suche nach dem besten Silikon für Brustimplantate

Millionen Frauen weltweit lassen sich ihre Brüste mit Implantaten aus Silikon vergrößern oder hoffen auf eine Rekonstruktion nach Brustkrebs.


Für die Zugtests teilen die FAU-Wissenschaftler die Implantathülle in 12 Segmente. Bild: Siegfried Werner


Raue Implantate halten nicht ganz so viel aus wie Implantate mit glatteren Oberflächen, das haben die Zugtests gezeigt. Bild: Siegfried Werner

Nicht ungefährlich – das hat der Skandal um die französische Firma Poly Implants Prothèse (PIP) gezeigt. Sie hatte Implantate nicht mit für Medizinprodukte zugelassenen Silikonen hergestellt, sondern mit viel billigerem Industriesilikon. Die fatale Folge: Viele Implantate rissen.

Der Skandal vor zwei Jahren war der Ausgangspunkt der Forschungen über Silikon in Brustimplantaten an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Seit Kurzem empfiehlt die EU-Kommission ein von Erlanger Wissenschaftlern um Prof. Dr. Dirk W. Schubert vom Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) entwickeltes Verfahren, um die Qualität verschiedener Implantate zu vergleichen.

„Schon vor dem PIP-Skandal wurden Brustimplantate untersucht – allerdings deutlich schlechter als Gummidichtungen beim Auto“, stellt Prof. Dr. Schubert fest, der in einem Expertenteam die EU-Kommission zu Brustimplantaten berät. Das Versagen der PIP-Implantate hatte eine europaweite öffentliche Diskussion um bessere Qualitäts- und Überwachungsvorschriften ausgelöst, aber auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit Silikon-Implantaten.

Die Forscher der FAU begannen vor zwei Jahren mit Zugproben. Mit diesen testeten sie, wie reißfest die Hüllen der PIP-Implantate und die anderer Hersteller sind. Um Aussagen über das komplette Implantat treffen zu können, entnahmen sie mindestens 100 Proben pro Implantat. Ihre Forschungen zeigten, dass es sinnvoll ist, die Proben für die Zugtests auf ganz spezielle Weise zu entnehmen. Dazu wird die Implantathülle aufgeschnitten wie eine Orange, von oben nach unten, in zwölf Segmente.

Aus diesen werden die Zugproben dann ausgestanzt. Besonders entscheidend ist dabei die Richtung. Implantathüllen weisen meist einen Riss entlang der flachen Seite des Brustimplantats auf. Für bessere Ergebnisse stanzten sie deshalb die Zugproben quer zur potenziellen Rissrichtung aus. Das Ergebnis: Silikon-Implantate sind nicht an jeder Stelle gleich reißfest und Implantat ist nicht gleich Implantat. Die getesteten Implantate mit rauen Oberflächen rissen deutlich häufiger als die weniger rauen.

Beim Einzeichnen der Werte auf einer von Schubert neu entwickelten Karte zeigt sich: Die ermittelten Werte liegen in drei verschiedenen Regionen, sogenannten Produktclustern. Diese neuartige Kartierung zur Widerstandsfähigkeit der Implantathülle ermöglicht es, eine Grenze zu ziehen zwischen Silikon-Brustimplantaten mit hohem und solchen mit niedrigem Risiko für einen Riss.

„Kein Implantat hält ewig. Umso wichtiger ist es, das Wissen auch hinsichtlich der Faktoren, die auf das Versagen eines Implantats einwirken, zu vergrößern“, erklärt Prof. Dr. Schubert. Weitere Studien, die aktuell am Lehrstuhl laufen, bauen darauf auf: Derzeit untersuchen die FAU-Forscher das Hüllenmaterial, indem sie unterschiedliche Oberflächenstrukturen selbst herstellen und auf Reißfestigkeit prüfen. Auf diese Weise hoffen die Materialwissenschaftler das Silikon zu finden, das sich am besten für die Herstellung von Brustimplantaten eignet.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dirk W. Schubert
Tel.: 09131/85-27752
dirk.schubert@ww.uni-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fau.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide
20.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Metamaterial: Kettenhemd inspiriert Physiker
19.01.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise