Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wurzelbehandlung aus einem Guss

03.11.2009
Bei Wurzelbehandlungen muss der Zahnarzt zu verschiedenen Materialien greifen. Diese verbinden sich jedoch nicht immer optimal – teilweise sind teure Nachbehandlungen nötig. Eine neue Materialklasse erfüllt die unterschiedlichen Anforderungen.

Der Zahn pocht ohne Unterlass – der Gang zum Zahnarzt ist unumgänglich. Ist das Kauwerkzeug zu stark durch Karies geschädigt, hilft oft nur noch eine Wurzelbehandlung. Dabei entfernt der Zahnarzt zunächst den Nerv und schließt den entstehenden Hohlraum mit einem Füllmaterial.

Dieses muss so dicht sein, dass keine Bakterien durchkommen: Der Wurzelkanal könnte sich sonst erneut entzünden. Andererseits muss sich das Material gegebenenfalls wieder entfernen lassen. Ist die Zahnkrone stark zerstört, verankert der Zahnarzt mit einem Befestigungszement einen Wurzelstift in dem zuvor gefüllten Wurzelkanal. Dieser Stift dient als Verankerung für das Kompositmaterial, aus dem der fehlende Teil des Zahns – der Stumpf – wieder aufgebaut wird, und auf die der Zahnarzt wiederum die Krone setzt.

Bei der Wurzelbehandlung treffen also verschiedene Materialien aufeinander, die jeweils verschiedene Anforderungen erfüllen müssen. Das Problem dabei: Die Materialien sind nicht immer miteinander kompatibel oder verbinden sich nicht optimal mit der Zahnhartsubstanz. Das kann dazu führen, dass der Stift bricht, Stumpf und Krone nicht ausreichend am Stift haften und die teure Krone erneuert werden muss. Solche Fehler treten nicht selten auf: Die Rate liegt im einstelligen Prozentbereich.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC in Würzburg haben mit ihren Kollegen der VOCO GmbH nun einen Werkstoff entwickelt, der sich für alle Komponenten einer Wurzelkanalbehandlung eignet. »Basis dieses Stoffs sind ORMOCERE®«, sagt Dr. Herbert Wolter, Gruppenleiter am ISC. »Diese ORMOCERE® haben wir mit verschiedenen Nano- und Mikropartikeln kombiniert, um die höchst unterschiedlichen Eigenschaften zu erreichen – Experten sprechen von Nanohybridmaterialien.« So sollten die Stoffe, mit denen der Wurzelkanal gefüllt wird, beim Aushärten möglichst nicht schrumpfen, mit der Zahnhartsubstanz dicht abschließen und im Röntgenbild sichtbar sein. Das Material, aus dem der Zahn wieder aufgebaut wird, sollte dagegen die gleichen Eigenschaften aufweisen wie der Zahn selbst.

»Hybridmaterialien eignen sich gut für diese Anforderungen. Ein Beispiel: Sie schrumpfen bei der Aushärtung nur um etwa 1,3 Prozent. Herkömmliche Stoffe schrumpfen meist um 2 bis 4 Prozent. Auch lassen sich die ORMOCERE so einstellen, dass sie gut an den unterschiedlichen Zahnbereichen haften«, sagt Wolter. Derzeit stellen die Mitarbeiter der VOCO GmbH aus den Materialien Dentalpräparate her – die Produktentwicklung ist also bereits in vollem Gange. In wenigen Jahren könnte die neue Entwicklung auf den Markt kommen.

Dr. Herbert Wolter | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/11/wurzelbehandlung.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Beton - gebaut für die Ewigkeit? Ressourceneinsparung mit Reyclingbeton
19.04.2017 | Hochschule Konstanz

nachricht Gelatine statt Unterarm
19.04.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten