Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirkstofffreier Anti-Zecken-Schutz – von der Natur inspiriert, ganz ohne Nervengifte

03.11.2016

Textile Flächengebilde sollen Menschen besser vor Zeckenstichen schützen

Hohensteiner Wissenschaftler entwickeln gemeinsam mit dem Projektpartner Edelweiss Maschenstoffe Herter GmbH & Co. KG aus Albstadt neuartige Anti-Zecken-Textilien, die ohne Nervengifte auskommen.


Abb. 1: REM-Aufnahme eines Blatthaars, Trichoms (T), der Gartenbohne. Das spitze Häkchen durchbohrt die Klaue (K) einer erwachsenen Zecke. Die Klauen sitzen auf den Vorderbeinen der Zecken.

©Hohenstein Gruppe

Die Zecken sollen dabei ausschließlich mit Hilfe von Oberflächenkonstruktionen und -veredlung von der Haut ferngehalten werden. Für die Herstellung nutzen die Wissenschaftler spezielle, aus der Natur bekannte Anti-Zecken-Strukturen als Vorbild.

Das Anti-Zecken-Textil soll den Träger schützen, indem die Zecken nach dem ersten Anhaften in ihrem weiteren Marsch Richtung Haut stark eingeschränkt werden. Dabei verhaken sich die kleinen Spinnentiere oder versinken in oberflächlichen Fäden, sodass eine wirksame textile Barriere entsteht. An den hakenförmigen Blatthaaren isolierter Blätter der Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) konnten die Wissenschaftler die Zecken-bremsende Wirkung bereits erfolgreich nachweisen.

In einem weiteren Schritt kopierten die Forscher die Struktur der winzigen Blatthäkchen, um neuartige, funktionelle textile Oberflächen zu schaffen: Wie in der Natur durchbohrten dabei die Blatthaar-ähnlichen Strukturen die feinen Klauen erwachsener Zecken, wie die Untersuchungen belegen (siehe Abb. 1). Im nächsten Schritt soll nun in Laborversuchen die Barriere-Leistung des Anti-Zecken-Textils exakt bestimmt werden.

Mit Krankheitserregern infizierte Zecken stellen insbesondere für Waldarbeiter, Freizeitsportler und Soldaten eine Gefahr dar. Selbst in Stadtparks und auf Liegewiesen in Freibädern ist man vor Zecken in Deutschland nicht sicher. Durch einen Zeckenstich können neben der durch Viren ausgelösten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) insbesondere Borreliose-Infektionen auftreten, welche durch bestimmte Bakterien ausgelöst werden.

Mit 100.000 Neuerkrankungen in Deutschland pro Jahr ist die Borreliose die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit. Gerade weil Zecken mittlerweile auch in milden Wintern aktiv bleiben, besteht in Deutschland ein ganzjähriges Risiko von Zecken gestochen zu werden. Der gezielten Vorbeugung gegen Zeckenbefall kommt daher eine besonders hohe Bedeutung zu.

Das Zecken-bremsende Funktionstextil ist im Vergleich zu Produkten, welche mit dem Insektizid Permethrin ausgerüstet sind, wirkstofffrei und somit humantoxikologisch unbedenklich. Auch die Markteinführung solch bionisch wirksamer Textilprodukte ist wesentlich einfacher, da sie frei von chemischen Risikosubstanzen sind und somit nicht der Biozid-Verordnung (BPR Nr. 528/2012) unterliegen.

Im Rahmen dieses ZIM-FuE Kooperationsprojekts soll das wirkstofffreie Anti-Zecken-Textil zum Schutz für den Arbeits- und Outdoorbereich voraussichtlich Ende 2017 auf den Markt kommen.

Nähere Informationen zu diesem Forschungsprojekt erhalten Sie bei:

Christin Glöckner
Tel.: +49 7143 271-445
E-Mail: C.Gloeckner@hohenstein.de

Edelweiss Maschenstoffe Herter GmbH & Co.KG
Das Familienunternehmen mit Sitz auf der Schwäbischen Alb produziert seit 1955 auf modernsten Hochleistungsstrickmaschinen eine große Bandbreite unterschiedlichster Gestricke. Neben den Basisstoff-Qualitäten, die auch vom Lager abrufbar sind, decken die erfahrenen Textilexperten auch den Fashion-Bereich ab. Das Unternehmen setzt zudem verstärkt auf die auftragsbezogene Fertigung von Stoffen für den Bereich technische Textilien.

Weitere Informationen:

http://www.hohenstein.de/de/inline/pressrelease_138176.xhtml?excludeId=138176

Marianna Diener | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Kleine Strukturen – große Wirkung
21.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen
20.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie