Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Krebs Knochen schädigt: Forscher untersuchen Ersatzmaterialien

05.06.2014

Moderne Materialien sollen Knochen stabilisieren und Heilung anregen / Deutsche Forschungsgemeinschaft verlängert Finanzierung für standortübergreifenden Sonderforschungsbereich mit 9 Millionen Euro / Medizinische Fakultät Heidelberg mit Schwerpunkt Multiplem Myelom beteiligt

Bei Patienten mit der bisher unheilbaren Krebserkrankung Multiples Myelom bzw. der Volkskrankheit Osteoporose treten auch ohne Unfall sehr häufig Knochenbrüche auf, die schlecht ausheilen.


Myelomzellen (violett) – die Knochenschädiger im Knochenmark.

Universitätsklinikum Heidelberg

Helfen sollen moderne Knochenersatzmaterialen, wie z.B. Wirkstoff-freisetzende Knochenzemente, die bei einer Operation in den Knochen eingebracht werden, diesen stabilisieren und die Heilung anregen.

Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät Heidelberg stehen für diese vielversprechenden Forschungsarbeiten gemeinsam mit Projektpartnern aus Heidelberg, Gießen und Dresden in den nächsten vier Jahren 9 Millionen Euro der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Verfügung. Die DFG finanziert die Fortsetzung des seit 2010 bestehenden Sonderforschungsbereiches / Transregio 79 (SFB/TRR 79) „Werkstoffe für die Hartgewebegeneration im systemisch erkrankten Knochen“.

Am Standort Heidelberg wird der Forschungsverbund durch Professor Dr. Hartmut Goldschmidt, Leiter der Sektion Multiples Myelom, und Dr. Dirk Hose, Leiter des Labors für Myelomforschung der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, vertreten. Sprecher des SFB/TRR 79 in der nächsten Förderperiode wird Professor Dr. Christian Heiß, zukünftiger Leiter der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Weitere beteiligte Institutionen sind das Institut für Biophysikalische Chemie Heidelberg, das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg, die Technische Universität Dresden, das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden e.V. sowie das Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e.V.

Knochendefekte behandeln und Myelomzellen vernichten

In den Heidelberger Projekten beschäftigen sich die Forscher mit Knochenschäden, die durch das Multiple Myelom hervorgerufen werden. Hierbei beeinflussen die bösartigen Myelomzellen im Knochenmark den Knochenstoffwechsel derart, dass Knochenlöcher, sogenannte Osteolysen, entstehen und Knochenbrüche zur Folge haben können.

Diese Osteolysen sind der häufigste Grund, warum beim Multiplen Myelom mit einer Therapie begonnen werden muss. Gleichzeitig sind es nach bisherigen Ergebnissen diejenigen Stellen, an denen Myelomzellen bis zu einem gewissen Grad durch die Chemotherapie nicht erreicht werde können – ein möglicher Grund, warum das Multiple Myelom gegenwärtig nicht heilbar ist.

Die Heidelberger Forscher untersuchen mit ihren Kollegen, welche molekularen Mechanismen bei der Entstehung dieser Knochensubstanzdefekte ablaufen, wie diese mit Hilfe bildgebender Verfahren sichtbar gemacht werden können und sich mittels Knochenersatzmaterialien gezielt beeinflussen lassen.

„Unsere Wirkstoff-freisetzende Ersatzstoffe sollen bei Patienten mit Multiplem Myelom zwei Ziele erreichen: Erstens die Heilung von Knochensubstanzdefekten und Brüchen verbessern und zweitens die Myelomzellen am Ort des Knochendefektes vernichten“, sagt Dr. Dirk Hose. „Dies könnte zum einen dazu führen, dass wir manche Patienten erst später mit einer Chemotherapie behandeln müssten, zum anderen, dass eine Rückkehr des Multiplen Myeloms nach Therapie verhindert oder herausgezögert werden kann. Dies könnte ein Beitrag zur Heilung des Multiplen Myeloms sein.“ Diese Strategie ist eines der wesentlichen Ergebnisse der ersten Förderperiode.

„Ein solches Projekt ist nur durch eine langfristige Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachdisziplinen möglich; Materialwissenschaftler, wissenschaftlich tätige Ärzte, Physiker, Chemiker und Mathematiker – um nur einige zu nennen“, erklärt Professor Goldschmidt. „Wir sind der Deutschen Forschungsgemeinschaft sehr dankbar dafür, dass sie uns weiterhin unterstützt.“

Gleichstellung und Förderung des „Nachwuchses“

Wichtige Elemente des Transregios neben der „reinen“ Wissenschaft sind die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Gleichstellung von Frauen. „Wir sind besonders stolz, dass die Stellvertretende Leiterin des Labors für Myelomforschung Dr. Anja Seckinger vom TRR79 den Louise Blumenthal Habilitationspreis ausgezeichnet wurde“, erklärt Dr. Hose.

Perspektive für die nächsten vier Jahre: Der Weg zur klinischen Anwendung

„Ganz wesentlich ist es nun, die Materialien so weiterzuentwickeln, dass sie klinisch, d.h. bei Patienten, anwendbar werden und wir hoffen, am Ende der zweiten Förderperiode so weit zu kommen“, betont Professor Goldschmidt. Hierfür ist allerdings noch viel Arbeit notwendig, „auf die wir uns aber, wie auf die weitere erfolgreiche Zusammenarbeit, sehr freuen“, ergänzt Dr. Hose.

Weitere Informationen:

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Sektion-fuer-Multiples-Myelom.131832.0.ht... Sektion Multiples Myelom, Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb11/forschung/schwerpunkte/sfb/trr79 Sonderforschungsbereich / Transregio 79
http://www.dfg.de/ Deutsche Forschungsgemeinschaft

Dr. Annette Tuffs | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Beton - gebaut für die Ewigkeit? Ressourceneinsparung mit Reyclingbeton
19.04.2017 | Hochschule Konstanz

nachricht Gelatine statt Unterarm
19.04.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen