Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Treibstoffverbrauch in der Schifffahrt durch strömungsgünstige Oberflächen senken – »HAI-TECH«

11.01.2012
Erfolgreiche »HAI-TECH«-Lackierergebnisse des Fraunhofer IFAM unter Werftbedingungen

Anzeige


Das Riblet-Lacksystem aus dem Fraunhofer IFAM: Der reibungswiderstandreduzierende Lack wird von dem Rollenapplikator automatisch auf ein Bauteil aufgetragen. (© Fraunhofer IFAM)



Das Trägersystem mit dem Applikator des Fraunhofer IFAM im Trockendock der Emder Werft und Dockbetriebe GmbH. (© Fraunhofer IFAM)

In Emden ist es den Experten der Lacktechnik und der Klebtechnischen Fertigung des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM, Bremen, unter Werftbedingungen gelungen, eine schiffstypische Oberfläche mit einer reibungsreduzierenden und treibstoffverbrauchsenkenden Riblet-Lackschicht automatisiert zu beschichten.

Somit beendeten sie gemeinsam mit Projektpartnern im Dezember 2011 das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderte Projekt »HAI-TECH« zukunftsweisend.

Ziel des Projekts war die Reduktion des Treibstoffverbrauchs von Schiffen – und damit auch von CO2-Emissionen und Kosten – durch eine funktionelle Beschichtung: ein strukturierter UV-härtbarer Klarlack. Die Oberfläche des im Fraunhofer IFAM entwickelten »Haifischhaut-Lacksystems« ist der strömungsgünstigen Haut schnell schwimmender Haie nachempfunden, deren Schuppen mikroskopisch kleine Rillen in Längsrichtung aufweisen. Als Lacksystem auf Schiffsrümpfe aufgebracht, reduzieren solche Rillen, sogenannte Riblets, den Wandreibungswiderstand.

Im Rahmen des Forschungsprojekts HAI-TECH wurden speziell adaptierte Lacksysteme und Beschichtungsverfahren für die maritime Anwendung nicht nur entwickelt, sondern auch an schiffsähnlichen Strukturen unter Praxisbedingungen erprobt. Die Wissenschaftler erarbeiteten hierbei parallel das maßgeschneiderte Riblet-Lacksystem sowie die geeignete, auf die praktischen Anforderungen adaptierte und optimierte Beschichtungstechnik.

Die Versuchsergebnisse zeigen, dass mit der vom Fraunhofer IFAM entwickelten automatisierten Technik eine Riblet-Beschichtung größerer Flächen unter Werftbedingungen auf schiffstypischen Oberflächen möglich ist. Selbst auf den sehr unebenen Schweißnähten konnte eine Beschichtung erfolgen.

Der Applikator des Fraunhofer IFAM wurde im Trockendock der Emder Werft und Dockbetriebe GmbH gemeinsam mit dem von Fahrion Produktionssysteme GmbH & Co. KG konzipierten und der Götze Stahl- und Anlagentechnik GmbH gebauten Trägereinheit getestet. Um Staub und Salze zu entfernen, wurde die zu beschichtende Oberfläche vor der Lackierung durch Hochdruck-Wasserstrahlen gereinigt. In den Versuchen wurde eine senkrechte Fläche von etwa 30 Quadratmetern mit der reibungswiderstandreduzierenden Riblet-Lackoberfläche versehen. Die Vorschubgeschwindigkeit bei der Applikation betrug 1,5 Meter pro Minute bei einer Beschichtungsbreite von 0,5 Metern. Es wurden insgesamt acht Bahnen appliziert. Die Abstände zwischen den Bahnen variierten von einigen Zentimetern Spaltabstand bis hin zum überlappenden Auftrag.

Im maritimen Umfeld muss die Beschichtungstechnik besonderen Konditionen angepasst sein: schiffstypische Schweißnähte, grobe Oberflächengüte des Lackuntergrunds, begrenzte Möglichkeiten der Oberflächenvorbehandlung vor der Lackierung, großflächige Bauteile sowie werftüblichen Bedingungen wie Staubaufkommen, stark wechselnde Witterungsverhältnisse und Zeitdruck. Diesen vielfältigen Herausforderungen galt es gerecht zu werden, um die bereits vom Fraunhofer IFAM entwickelte »Beschichtungstechnik zur Herstellung strömungsgünstiger mikrostrukturierter Oberflächen« (Patent DE 10346124 B4) so zu adaptieren, dass sie den Anforderungen schiffstypischer Strukturen in ihrer natürlichen Werftumgebung gerecht wird.

Der nächste Schritt für einen sicheren industriellen Einsatz zur Beschichtung von Schiffskörpern besteht nun darin, eine spezielle Sensorik in das Trägersystem zu integrieren sowie eine Spursteuerung der formgebenden Matrize des Applikators zu entwickeln.

Hintergrundinformation:
Das Besondere an der vom Fraunhofer IFAM entwickelten Beschichtungstechnik ist, dass der Lackauftrag und die Strukturierung des Lacks in einem Prozessschritt erfolgen. Dies geschieht durch den Transfer des Lacks auf das zu beschichtende Bauteil mithilfe einer bandförmigen Endlos-Silikonmatrize, die mit einer speziellen Negativstruktur der gewünschten Riblet-Geometrie versehen ist. Durch den Einsatz einer UV-Quelle während des Auftrags wird die erste Härtungsstufe des Dual-Cure-Lacks (bei ihm erfolgt die Aushärtung mittels zweier verschiedener Mechanismen) durch die Silikonmatrize ausgelöst. Die abgezogene Silikonmatrize hinterlässt auf dem Bauteil eine mit der reibungsreduzierenden Riblet-Geometrie versehene funktionelle Lackschicht.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderte Projekt hatte eine Laufzeit von dreieinhalb Jahren und ein Fördervolumen von 1,6 Millionen €. Die Aufgaben des Fraunhofer IFAM umfassten die Entwicklung eines speziellen Lacksystems und die Adaption der geeigneten Beschichtungstechnik auf maritime Verhältnisse.

An dem Verbundprojekt waren folgende Konsortialpartner beteiligt:
• Fahrion Produktionssysteme GmbH & Co. KG
• HSVA Hamburgische Schiffbau-Versuchsanstalt GmbH
• Blohm + Voss Naval GmbH (vormals Thyssen Krupp Marine Systems)
• Beluga Shipping GmbH (zu Projektbeginn)
• Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM

Anne-Grete Becker | Quelle: Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen: www.ifam.fraunhofer.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Engineered materials: Custom-made magnets
24.05.2012 | The Agency for Science, Technology and Research (A*STAR)

nachricht Singapore-made anti-reflective plastics to be commercialised
24.05.2012 | The Agency for Science, Technology and Research (A*STAR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp