Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Titan von ThyssenKrupp VDM sorgt für Sicherheit im neuen Großraumflugzeug A 380

02.06.2010
Das Bauteil selbst ist für ein solches Riesenflugzeug vergleichsweise klein. Umso größer ist seine Bedeutung für die Sicherheit im neuen Airbus A 380.

Im Fahrgestell des doppelstöckigen Jumbo-Jets verbirgt sich einkerndicht geschmiedetes Bauteil, das durch zahlreiche Hohlbohrungen zu einem Röhrensystem verarbeitet wurde. Ohne dieses Titanbauteil würden die Bremsen des neuen Großraumfliegers nicht funktionieren. Es ist für die Bremshydraulik des größten und modernsten Passagierflugzeugs der Welt erforderlich und muss dabei hohen Belastungen und einem Druck von 300 bar standhalten. Auf Grund der besonderen Anforderungen ist der hydraulische Block der Bremsanlage aus der Titanlegierung Ti6Al4V gefertigt, die im Essener Werk der ThyssenKrupp VDM produziert wurde. Aber auch die Fabrikation vieler Konstruktionsteile für den A 380 wäre ohne den Hersteller von Hochleistungswerkstoffen nicht möglich gewesen.

So wurden aus Nickellegierungen der ThyssenKrupp VDM (Werdohl) Formen gemacht, in denen Elemente aus dem Verbundwerkstoff CFK gegossen wurden. Der neue Airbus A 380 kommt jetzt erstmals von Deutschland aus zum Einsatz. Am 11. Juni wird mit dem Linienflugbetrieb auf den stark frequentierten Routen nach Asien und Nordamerika begonnen. Fünf Tage zuvor startet bereits die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit einem solchen Flieger Richtung Weltmeisterschaft in Südafrika. Theoretisch kann das größte Passagierflugzeug der Welt bis zu 850 Gäste an Bord aufnehmen. Der 24 Meter hohe und 73 Meter lange Super-Jumbo ist rund 560 Tonnen schwer. Und das Gewicht läge noch weitaus höher, wenn nicht Titan verwendet würde. Dieser Werkstoff weist eine besonders hohe Festigkeit bei niedrigem Gewicht, gute mechanische und thermische Belastbarkeit sowie Korrosions- und Erosionsbeständigkeit auf. Titan kann hart sein wie Stahl, wiegt aber nur die Hälfte. Dadurch verringert sich nicht zuletzt der Kerosinverbrauch deutlich. Deshalb finden sich im Triebwerk, Fahrgestell, in den Flügelkonstruktionen und der Flugzeugzelle größere Mengen Titan. „Je größer die Flugzeuge werden, desto mehr Titan werden sie aufweisen müssen“, weiß Helmut Jost, Projektmanager Marketing und Regional Management bei ThyssenKrupp VDM. „Für die Herstellung eines Airbus A 380 werden etwa 140 Tonnen Titan bestellt, für den Dreamliner 787 von Boeing rund 120 Tonnen.“

Der verbaute Titananteil der modernen Großraumflugzeuge macht zwischen 10 und 15 Prozent ihres Gesamtgewichtes aus. Spezielle Nickellegierungen kommen nicht nur als Bestandteil des Flugzeugs zum Einsatz, sondern dienen auch als Herstellungs-Werkzeug für einzelne Elemente. Diese Bauteile bestehen aus Kohlefaserverbundwerkstoffen (CFK), einem weiteren wichtigen Material zum Bau von Flugzeugen der neuesten Generationen. Der leichte Kunststoff, in dem Kohlefasern eingebettet sind, wird in entsprechenden Formen ausgehärtet, die aus Hochleistungswerkstoffen der ThyssenKrupp VDM gefertigt worden sind. Dabei kommt es nicht nur auf die Verschleißfestigkeit an, sondern insbesondere auf die geringe thermische Ausdehnung zwischen Raumtemperatur und 200°C, der Aushärtetemperatur des Kunststoffes. „Bestimmte Nickellegierungen wie der hier verwendete Pernifer 36 zeigen in diesem Temperaturbereich nur ein Zehntel der Wärmeausdehnung von Stählen. Dadurch treten mit solchen Formen bei der Aushärtung und Abkühlung der CFK-Bauteile keine thermischen Spannungen auf und Schädigungen der Bauteile werden vermieden“, erläutert Dr. Heinrich Scherngell, Leiter Vertrieb Aerospace bei ThyssenKrupp VDM. Damit wird erreicht, dass die hohen Sicherheitserfordernisse der Luftfahrtindustrie erfüllt werden.

Die modernen Giganten der Lüfte übertreffen alle Vorgängermodelle an Leistung, Größe und Aussehen. Die besonderen mechanischen und thermischen Belastungen, denen die Maschinen in der Höhe ausgesetzt sind, erfordern Materialien, die in der Lage sind, genau diesen Bedingungen zu trotzen und die sich gleichzeitig durch Leichtigkeit, hohe Festigkeit und Komfort für die Passagiere auszeichnen. „Titan- und Nickellegierungen sind aus dem heutigen Flugzeugbau nicht mehr wegzudenken“, betont Dr. Scherngell. „Ihre Verwendung macht es möglich, dass die Maschinen immer leichter, immer größer und immer energiesparender werden.“ Die ThyssenKrupp VDM (Werdohl) ist einer der weltweit führenden Anbieter von Hochleistungswerkstoffen, Sonderlegierungen und Titan-Halbzeugen und ist insbesondere in den Segmenten Anlagenbau, Energiegewinnung, Öl und Gas, der Elektro- und Elektronikindustrie sowie Automotive-, Luft- und Raumfahrtindustrie tätig. Das Unternehmen verfügt über Produktionsstätten in Werdohl, Altena, Unna, Siegen und Essen sowie ein Vertriebsbüro in Frankfurt/Main. Hinzu kommen zwei Werke in den USA sowie eine weltweite Vertriebsorganisation. Im Geschäftsjahr 2008/09 erreichte das Unternehmen mit rund 1.700 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 740 Millionen Euro.

Ansprechpartner:
Volker Lindemann
ThyssenKrupp VDM
Telefon: +49 2392 55-2588
Telefax: +49 2392 55-2586
E-Mail: volker.lindemann(at)thyssenkrupp.com

Volker Lindemann | ThyssenKrupp VDM
Weitere Informationen:
http://www.thyssenkrupp-vdm.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Studie InLight: Einblicke in chemische Prozesse mit Licht
22.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Eigenschaften von Magnetmaterialien gezielt ändern
16.11.2016 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie