Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tag des Denkmals - Wie Pestizide unseren Denkmälern schaden können

07.09.2012
Dieses Jahr steht der Tag des Denkmals unter dem Motto Holz, um den kulturellen und historischen Wert dieses zentralen und ältesten Rohstoffes zu verdeutlichen. Doch gerade holzbasierte Denkmäler sind oft kontaminiert - ein Verfahren mit überkritischem Kohlendioxid soll solche Schäden beseitigen.

Holz ist einer der ältesten und zentralsten Rohstoffe der Erde, der nachwächst und im Bauwesen eine wichtige Rolle einnimmt. Denn wenige Materialien sind gleichzeitig fest und lassen sich trotzdem einfach verarbeiten.

Entstanden sind daraus nicht nur Gebrauchsgegenstände, sondern kunstvolle Skulpturen, Hausbalken oder prächtige Schiffe – meist in mühevoller Handarbeit. Heute werden solche Unikate als Denkmäler gehandelt, mit kulturellem und historischem Wert. Deshalb steht der Tag des offenen Denkmals (09. September) dieses Jahr unter dem Motto Holz.

Kontaminierung von Holz

Doch nicht selten sind solche Holzdenkmäler kontaminiert, ihre Oberflächen mit organischen Substanzen vergiftet. Viele der heute kontaminierten Denkmäler finden ihre Ursache in den 1960er Jahren: In der ehemaligen DDR gab es ein Holzschutzmittel, das mit dem günstigen Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) versetzt wurde. Dieses unter dem Namen Hylotox 59 bekannte Mittel schützt nicht nur das Holz, sondern kann es auch zerstören - und damit viele der heute zum kulturellen Erbe gehörenden holzbasierten Museumsgegenstände oder Denkmäler. Darüber hinaus stellt das Pestizid DDT auch gesundheitliche Risiken dar. Daher wurde Hylotox in den meisten europäischen Ländern vor etwa 20 Jahren verboten.
Ingenieur mit Liebe zu Denkmälern

Erich Jelen studierte Chemie und Umwelttechnik und ergänzte eine Ausbildung zum Möbeltischler und Baubiologen. Heute arbeitet der Diplom Ingenieur beim Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und beschäftigt sich dort mit der Entgiftung von Denkmälern: »Die Kontamination mit DDT ist für das bloße Auge mehr als offensichtlich. Auf dem mit DDT behandelten Holz bildet sich eine Schicht aus weißen Kristallen«. Skulpturen, Dachbalken, aber auch Instrumente wurden teils mehrfach mit dem eigentlich zum Schutz gedachten Hylotox behandelt. Dadurch sind sie teils so hoch belastet, dass in ihrem Umfeld Schutzkleidung sowie Atemmaske Pflicht sind. »Leider landen so viele Objekte in den hintersten Ecken irgendwelcher Lager. Oder Kirchen werden im schlimmsten Fall bis zur Sanierung geschlossen «, erzählt Jelen.
Sanierung durch überkritisches Kohlendioxid

Zusammen mit einem interdisziplinären Team aus Chemikern, Restauratoren und Denkmalpflegern hat Jelen ein Verfahren weiterentwickelt, mit dem sich alte Holzskulpturen zerstörungsfrei entgiften lassen: die Dekontaminierung mit überkritischem Kohlendioxid (scCO2). Das CO2 liegt hier in einem Zustand vor, der quasi zwei Aggregatzustände gleichzeitig umfasst - genauso dicht wie eine Flüssigkeit, aber dieselbe Viskosität wie ein Gas besitzt. Dadurch kann überkritisches Kohlendioxid besonders gut in poröse Stoffe eindringen und dort die Schadstoffe herauslösen. Auf diese Weise gelang es Jelen und seinen Kollegen, fünf Figuren aus dem 16. Jahrhundert komplett zu entgiften. »Das besondere dabei war, dass tatsächlich alle Farben der Figuren erhalten geblieben sind«. Bis zu 97 Prozent der chlororganischen Pestizide konnten durch die Dekontaminierung mit überkritischen CO2 von den Figuren entfernt werden.
Komplettpaket Denkmalpflege

Neben diesem Verfahren arbeitet Erich Jelen momentan in Kooperation mit Museen und weiteren Fraunhofer-Instituten an zusätzlichen Dekontaminationsverfahren wie dem Vakuumwachverfahren, dem CO2-Schneestrahlverfahren oder der Oberflächenreinigung mit dem Laser. Außerdem bietet er analytische Beratungen zum Thema Denkmal-Sanierung an. Denn Erich Jelen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kunst- und Kulturgut zu bewahren und dieses für künftige Generationen zu erhalten.

Iris Kumpmann | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://wwww.tag-des-offenen-denkmals.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon
21.02.2018 | Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V.

nachricht Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?
20.02.2018 | Hohenstein Institute

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste Verteidigungslinie gegen Grippe weiter entschlüsselt

21.02.2018 | Medizin Gesundheit

Der „heilige Gral“ der Peptidchemie: Neue Strategie macht Peptid-Wirkstoffe oral verfügbar

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Designvielfalt für OLED-Beleuchtung leicht gemacht

21.02.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics