Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Superfeine Gewebe aus Cellulose für neue Materialeigenschaften

02.10.2013
Unternehmen können jetzt feinstes Endlosgarn der Welt evaluieren

Denkendorfer Textilforschern gelang es erstmals, feinste Fasern auf der Basis des umweltfreundlichen und nachwachsenden Rohstoffes Cellulose als Endlosgarn herzustellen.


Dr. Frank Hermanutz (ITCF) zieht ein frisch gesponnenes Bündel aus 2000 feinsten Fasern lang.
Bild: Baden-Württemberg Stiftung/Thomas Klink


Cellulosesupermikrofaser im Vergleich zur feinsten kommerziellen Celluloseviskosefasern
Bild: ITCF

Mit dieser von der Baden-Württemberg Stiftung finanzierten Erfindung aus dem Institut für Textilchemie und Chemiefasern (ITCF) eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten für Faserprodukte. Die Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH leitet den Patentierungs- und Vermarktungsprozess der Erfindung. Als Evaluationspartner und potentielle Lizenznehmer werden Hersteller von Hygieneprodukten, Geweben und Filtern gesucht.

Das in Denkendorf neu entwickelte Direktspinnverfahren bringt Cellulosefasern in einer Feinheit von 0,1 dtex hervor. Es sind die ersten Supermikrofasern, die nicht nur in Form kleiner Bruchstücke sondern als lange, "endlose" Fasern produziert und auf Spulen aufgewickelt oder auch als Stapelware bereitgestellt werden können. Als Endlosgarn vorliegend, lassen sich diese superfeinen Fasern dann über Web- und Stricktechnologien direkt und vielfältig weiterverarbeiteten.

Da die Fasern sehr dünn sind, ist ihre relative Faseroberfläche um bis 10 mal größer als die herkömmlicher Cellulosefasern mit einer Feinheit von 1,7 dtex. Dies erklärt die verbesserte Filterfähigkeit, Saugkraft und Wärmeisolation von aus Supermikrofasern hergestellten Materialien. Web- und Strickwaren aus diesen Cellulosefasern weisen zudem eine sehr feine Struktur mit winzigen Fadenzwischenräumen auf, die bisher noch nicht herstellbar war. Diese neue Gewebequalität könnte für Spezialanwendungen interessant sein und zu neuen innovativen Produkten führen. Aber auch im Bereich der Filter sowie Pflege- und Medizinprodukte (Hygieneartikel, Wundauflagen und Tamponaden) sind Produktverbesserungen zu erwarten.

TLB sucht Industriepartner für die Evaluation

Im aktuell laufenden Projekt am Denkendorfer Textilinstitut werden im kleintechnischen Maßstab verschiedene Cellulosefasertypen hergestellt, die zeitnah als Testmaterial zur Verfügung stehen. Ein Service für Unternehmen, den die Baden-Württemberg-Stiftung mit ihrer Investition in das Projekt ermöglicht.

„Unsere Hoffnung und Vision ist, dass nicht nur bestehende Produkte verbessert werden können, sondern auch ganz neue Produkte entstehen. Wir suchen Unternehmen aus den Bereichen Textil-, Filter- und Medizintechnik, die Testmaterial beziehen und im Hinblick auf eigene Anwendungen evaluieren wollen“, so Dr. Iris Kräuter, die als Innovationsmanagerin das Patentmanagement und die Verwertung der Erfindung bei TLB leitet. Interessierte Unternehmen können sich direkt an Dr. Iris Kräuter wenden (Tel. 0721/79004-0 und ikraeuter@tlb.de ).

Das ICTF steht mit seinem Know-How und seiner Expertise evaluierenden Unternehmen als Forschungs- und Entwicklungspartner für konkrete Anwendungen unterstützend zur Seite. Dazu der Denkendorfer Textilforscher und Erfinder der Cellulosefaser Dr. Frank Hermanutz: „Das Denkendorf Institut hat als eines der größten Textilforschungszentren alle Möglichkeiten zur Herstellung und Charakterisierung der Cellulose-Fasern. Wir können nicht nur feinste Fasern herstellen, sondern auch deren Eigenschaften gezielt auf die Anforderungen der Produzenten hin optimieren. Über die Prozessführung können die physikalischen Eigenschaften der Fasern gezielt variiert werden. Offen ist die Frage, inwieweit die einzelnen Fasertypen großtechnisch hergestellt werden können, da sich neben dem Eigenschaftsprofil auch zunehmend wirtschaftliche Überlegungen stellen.“ Die Materialien müssen nicht nur alle technischen Anforderungen erfüllen; ihre Herstellung und Verarbeitung muss auch wirtschaftlich sein.

Sicherheit durch Patentierung

Damit die Investitionen aller Beteiligten auf einem sicheren Fundament stehen, hat Dr. Kräuter eine weitreichende Patentierungsstrategie ausgearbeitet. Zum Patent angemeldet sind sowohl das Verfahren zur Herstellung der Supermikrofasern als auch das Verfahrensprodukt. Firmen, die sich für die gewerbliche Nutzung des Herstellungsverfahren interessieren, steht Dr. Kräuter ebenfalls als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

TLB agiert als Experte für Patentierung und Verwertung von Erfindungen im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung, die die Rechte an der Erfindung hält. Die Stiftung hat in die Forschung und Entwicklung der Cellulosefaser investiert und unterstützt nun auch die Evaluierung und Verwertung. Rudi Beer, der als Abteilungsleiter Forschung der Baden-Württemberg Stiftung das Cellulose-Projekt betreut: “Wir investieren in zukunftsträchtige Erfindungen und wollen gemeinsam Werte schaffen. In TLB haben wir einen erfahrenen und langjährigen Partner an der Seite, der uns darin kompetent unterstützt.”

Ansprechpartner für alle Fragen zur Patentierung und Vermarktung der Erfindung ist TLB-Innovationsmanagerin Dr. Iris Kräuter, Tel. 072179004-0, E-Mail ikraeuter@tlb.de.

Exposé zur Erfindung zum Download http://www.tlb.de/uploads/tx_mmtecdocs/Kurzinfo_Metallglas_fem.pdf

Dr. Regina Kratt | idw
Weitere Informationen:
http://www.tlb.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Studie InLight: Einblicke in chemische Prozesse mit Licht
22.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Eigenschaften von Magnetmaterialien gezielt ändern
16.11.2016 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen

05.12.2016 | Förderungen Preise

Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik

05.12.2016 | Energie und Elektrotechnik