Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

So sieht die optimale Sportbekleidung für den Sommer aus

15.02.2016

Ein kürzlich abgeschlossenes Forschungsprojekt an den Hohenstein Instituten macht Sporttextilien mit optimalem Sonnenschutz und Tragekomfort möglich und gibt den Herstellern Konstruktionshinweise an die Hand.

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Gesamtenergiedurchlassgrad Bekleidung“ (IGF-Nr. 17655 N) haben die Hohenstein Institute erforscht, wie sich die Textilkonstruktion und die Länge von Bekleidung bei intensiver Sonneneinstrahlung auf den Wärmehaushalt des Menschen auswirken.


Die konfektionierte Sportbekleidung mit langen und kurzen Ärmeln bzw. Beinen wurde an der thermischen Gliederpuppe „Charlie“ einer definierten Wärmestrahlung ausgesetzt.

© Hohenstein Institute

Dabei haben die Wissenschaftler Konstruktionshinweise zur Herstellung von Sportbekleidung mit optimalem Schutz vor schädlicher UV-Strahlung, wärmender Sonnenstrahlung und einem zugleich hohen Tragekomfort abgeleitet.

Diese Ergebnisse bieten Sportartikelherstellern und -handel die Möglichkeit, mit derart optimierten Artikeln ein neues Produktsegment zu erschließen. Dem Endverbraucher geben solche Textilien die Chance, sich besser vor Hautkrankheiten wie dem „weißen Hautkrebs“ zu schützen.

Bisherige Problematik von Sporttextilien im Sommer

Ausdauersportler und Arbeiter, die ihrer jeweiligen Tätigkeit hauptsächlich im Freien nachgehen, sind im Sommer über mehrere Stunden direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt und müssen sich folglich vor schädlicher UV-Strahlung schützen.

Langärmelige Bekleidung und Sonnenschutzcremes schützen zwar vor der UV-Strahlung, aber sie vermindern bei verstärkten körperlichen bzw. sportlichen Aktivitäten die Wärmeabgabe über die Haut – und damit letztendlich die Leistungsfähigkeit des Trägers. Umgekehrt erleichtert kurzärmelige Bekleidung zwar die Schweißverdunstung und sorgt für eine Kühlung des Körpers, aber sie bietet weder Schutz vor krebserregender UV-Strahlung noch vor der Wärmestrahlung im infraroten Bereich.

Ausgangspunkt und Aufbau

Ziel der Forscher war es, systematisch den Zusammenhang zwischen Thermoregulation und Sonnenschutz zu untersuchen. Der innovative Kern des Forschungsvorhabens liegt darin, dass die Wissenschaftler erstmals den Einfluss der Textilkonstruktion (Fasermaterial, Farbe, Ausrüstung) auf die bekleidungsphysiologischen Eigenschaften, den UV-Schutz und die IR-Schutzeigenschaften erforschten.

Im ersten Schritt wählten die Forscher sechs verschiedene textile Grundmaterialien mit den Hauptfaseranteilen Polyester (PES), Polyamid (PA) und Lyocell/Polypropylen (CLY/PP) aus, die im nächsten Schritt mit den Farben rot und schwarz sowie drei UV-Schutzmitteln ausgerüstet wurden. Die Textilmuster wurden hinsichtlich des UV-Schutzes gemäß UV Standard 801 und des Schutzes vor wärmender Sonnenstrahlung in Anlehnung an die DIN EN 410 (Gesamtenergiedurchlassgrad) sowie bezüglich des Wärme- und Feuchtemanagements mit Hilfe des Hohenstein Hautmodells und hautsensorischen Messapparaturen untersucht.

Im nächsten Schritt wurde aus Mustern, die für eine gute Thermoregulation besonders geeignet sind, Shirts und Hosen mit unterschiedlichen Arm- und Beinlängen konfektioniert. Anschließend wurde diese Kleidung an einer thermischen Gliederpuppe einer definierten Wärmestrahlung ausgesetzt und so die Erwärmung durch die Sonne - in Abhängigkeit von der Länge der Kleidungsstücke – simuliert. Abschließend fanden nach Auswertung der Labortests zusätzlich Trageversuche mit Probanden statt, um die optimierten Prüfmuster zu validieren.

Ergebnisse: So sieht die ideale Sportbekleidung für den Sommer aus

Es zeigte sich, dass die ideale Fasermischung aus CLY/PP/PA bestehen sollte, da Stoffe aus CLY/PP einen hohen Tragekomfort aufweisen und in Kombination mit PA-Fasern zudem einen hohen UV-Schutz bieten. Eine Färbung der Textilien in rot oder schwarz erhöhte den UV-Schutz gegenüber den weißen Mustern deutlich und erwies sich als wirksamer als das Aufbringen der gewählten UV-Schutzmitteln auf das Textil.

Zugleich gelangt weniger Wärmestrahlung durch die roten bzw. schwarzen Textilien, jedoch auf Kosten einer höheren Wärmeaufnahme durch das Textil. Sportler sollten im Sommer bei direkter Sonneneinstrahlung auf weit geschnittene Bekleidung zurückgreifen, da diese die absorbierte Wärmestrahlung nicht direkt an die Haut weitergibt. Langärmelige Bekleidung bietet aufgrund des höheren Körperbedeckungsgrades einen besseren UV-Schutz als kurze. Da die Arme jedoch stärker der Sonne ausgesetzt sind als die Beine, sollte man idealerweise langärmelige Sport-Oberteile mit kurzen Hosen kombinieren.

Nähere Informationen zu diesem Forschungsprojekt sowie den ausführlichen Forschungsbericht erhalten Sie beim Projektleiter, Dipl.-Sportingenieur Martin Harnisch (m.harnisch@hohenstein.de).

Weitere Informationen:

http://www.hohenstein.de/de/inline/pressrelease_123136.xhtml?excludeId=123136

Marianna Diener | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon
21.02.2018 | Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V.

nachricht Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?
20.02.2018 | Hohenstein Institute

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics