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Schatzkammer Barbarastollen: Seit 35 Jahren sichern Edelstahl-Behälter die deutsche Kultur-Geschichte

19.10.2010
Die Schatzkammer Deutschlands befindet sich in einem Stollen in der Nähe von Freiburg. In dem unterirdischen Archiv werden Dokumente aus mehr als tausend Jahren Geschichte sicher aufbewahrt.

Seit 35 Jahren dient der sogenannte Barbarastollen als „Zentraler Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland“. Am 23. Oktober 1975 wurden die ersten fotografierten Dokumente von hoher national- und kulturhistorischer Bedeutung eingelagert. Mittlerweile sind es etwa 881 Millionen Einzelaufnahmen. Um die Dokumente für die Zukunft zu sichern, werden die Filme in Edelstahl-Behältern abgelegt und dann in den Barbarastollen gebracht.


Seit 35 Jahren dient der sogenannte Barbarastollen in der Nähe von Freiburg als „Zentraler Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland“. Foto: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Bonn

Die Schatzkammer Deutschlands befindet sich in einem Stollen in der Nähe von Freiburg. In dem unterirdischen Archiv werden Dokumente aus mehr als tausend Jahren Geschichte sicher aufbewahrt. Seit 35 Jahren dient der sogenannte Barbarastollen als „Zentraler Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland“.

Am 23. Oktober 1975 wurden die ersten fotografierten Dokumente von hoher national- und kulturhistorischer Bedeutung eingelagert. Mittlerweile sind es etwa 881 Millionen Einzelaufnahmen. Die Bandbreite reicht dabei von der Krönungsurkunde Ottos des Großen aus dem Jahr 936 über Handschriften von Goethe und Schiller bis zum Vertragstext des Westfälischen Friedens von 1648.

Aus dem eingestürzten Historischen Archiv der Stadt Köln kamen zuletzt mehr als 10 Millionen Aufnahmen hinzu. Um die Dokumente für die Zukunft zu sichern, werden die Filme in Edelstahl-Behältern abgelegt und dann in den Barbarastollen gebracht. Dabei liefert die ThyssenKrupp Nirosta das Material für die Spezial-Container, die von der Firma Ucon in Haiger hergestellt werden.

Der Barbarastollen im Schwarzwald, ein Tunnel des stillgelegten Schauinsland-Bergwerks bei Oberried, steht als einziges Objekt in Deutschland unter Sonderschutz nach der Haager Konvention. In 400 Metern Tiefe befindet sich die Lagerstätte mit dem fotografierten Langzeitgedächtnis, einer der hierzulande bestgeschützten Orte. Dort werden in über 1.450 Behältern die Stationen deutscher Geschichte für die Nachwelt deponiert, gebannt auf Mikrofilm.

„Vielleicht betrachten die Menschen in ferner Zukunft unsere Dokumente genauso staunend wie wir die Höhlenzeichnungen der Steinzeitmenschen“, heißt es dazu bei dem für den Barbarastollen zuständigen Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Damit die historischen Dokumente auch wirklich lange erhalten bleiben, werden sie in 78 Zentimeter hohen und 122 Kilogramm schweren Edelstahl-Behältern aufbewahrt. Diese werden in zwei 50 Meter langen und drei Meter hohen Lagerstollen auf doppelstöckigen Regalen abgestellt.

In den luftdicht verschlossenen Behältern wird durch vorherige Klimatisierung ein staub- und schadstofffreies Mikroklima von 35 Prozent relativer Luftfeuchte und 10 Grad Celsius erzeugt. Unter diesen Bedingungen ist das Filmmaterial für mindestens 500 Jahre ohne Informationsverlust lagerfähig, länger als mit jedem anderen aktuell bekannten Speichermedium. Auch später einmal reichen Licht und eine Lupe, um das Langzeitgedächtnis der Deutschen zu entschlüsseln.

Jahr für Jahr produziert die UCON AG Containersysteme KG einige Dutzend neuer Spezialbehälter für den Barbarastollen. Das Material stammt vom Dillenburger Werk der ThyssenKrupp Nirosta und zeichnet sich durch seine besondere Tiefziehfähigkeit aus. Eine weitere Besonderheit ist die Verschlusstechnik mit einem Kupferring, der eine völlige Abdichtung gewährleistet. Nicht zuletzt auf Grund dieser hohen Anforderungen an die Langlebigkeit der Container, sind UCON und ThyssenKrupp Nirosta seit Jahren die Lieferanten der Behälter für das unterirdische Archiv. In jedem der Fässer, mit einer Kenn-Nummer versehen, befinden sich rund 24.000 Einzelaufnahmen, seit kurzem auch als farbige Bilder.

Insgesamt sind es mittlerweile mehr als 29.000 Kilometer Mikrofilme, die Jahrhunderte später eine Zeitreise in die deutsche Kultur-Geschichte ermöglichen. Die Gesamtzahl der erstellten Aufnahmen im Zeitraum bis März 2010 beträgt 881 Millionen. Von der Notwendigkeit der Aufgabe, bedeutende Dokumente umfangreich zu sammeln und dauerhaft aufzubewahren, ist auch das BBK überzeugt: „Die in der Gegenwart Verantwortlichen haben die Pflicht, das kulturelle Erbe so zu sichern, dass es auch in ferner Zukunft nachfolgenden Generationen als Quelle des Wissens zur Verfügung steht.“

Erik Walner | idw
Weitere Informationen:
http://www.thyssenkrupp.de

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