Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reiner Luxus dank Empa-Technologie: Feinste Seide – reines Gold

26.10.2011
Wahrer Luxus kennt nur eine Farbe: Gold. Eine nanometerdünne Echtgoldauflage verleiht Krawatte und Einstecktuch, entstanden mit Hilfe der Empa, diesen authentisch goldenen Glanz.

Das in einem Hightech-Plasmaverfahren beschichtete Garn ist weich, webbar und sogar waschmaschinenfest. Die Goldkrawatte kommt noch vor Weihnachten in limitierter Auflage auf den Markt – ein wahrlich besonderes Geschenk. Weitere modische Accessoires folgen 2012.


Krawatte, Fliege und Einstecktuch aus Hightech-Goldgewebe. Echtgoldauflage 24 Karat.

Gold strahlt violett – jedenfalls dann, wenn es Atom für Atom versprüht wird. Das zeigt ein Blick in die Plasmabeschichtungsanlage. Diese Maschine, etwa so gross wie ein Familienkühlschrank, steht in der Spinnerei Tersuisse in Emmen. Im Inneren der Apparatur wird ein Goldstück mit schnell fliegenden Argon-Ionen beschossen und dadurch abgetragen. Goldatome fliegen davon – und setzen sich auf einem Polyesterfaden ab, der langsam durch die Maschine gezogen wird. Dies ist der Anfang eines Produktionsprozesses, der erstmals auf der Welt zu einem dauerhaft beschichteten Goldgewebe führt. Auch wenn der Faden gerollt, geknickt, in Webmaschinen verarbeitet und hinterher gewaschen wird – das wertvolle Edelmetall bleibt haften.

Krönung von zehn Jahren Forschungsarbeit

Zehn Jahre lang forschen Textilfachleute der Empa in St. Gallen bereits an der Methode; sie zerstäubten Titan, Aluminium, Stahl, Kupfer und Silber und liessen die Metalle in atomarer Form auf Polyesterfäden prasseln. Ziel des Projekts war zunächst ein Silberfaden, der alsbald diverse Abnehmer fand: Mit Silber beschichtete Fäden wirken antibakteriell – das interessierte einen Sockenfabrikanten. Auch die Modebranche suchte nach einem dauerhaft haltbaren Silberstoff. Silber ist ausserdem elektrisch leitfähig – das machte den Empa-Faden zur passenden Grundlage für Sensorbauteile und für antistatische Filterstoffe für die Industrie.

Was mit Silber geht, könnte auch mit Gold funktionieren, fanden die Projektpartner und starteten im Januar 2010 das «Goldfadenprojekt». Inzwischen läuft die Produktion in der Beschichtungsanlage stabil. Die ersten Kilometer Goldfaden wurden im Sommer 2011 produziert. 2012 soll der Ausstoss weiter gesteigert werden. Die Weiterverarbeitung übernehmen zwei Projektpartner: Die Weberei Weisbrod-Zürrer AG in Hausen am Albis und die Stickerei Jakob Schlaepfer in St. Gallen.

Exklusivität hat ihren Preis: 7500 Franken pro Krawatte

Einer der ersten Abnehmer für die Goldfäden ist die Weisbrod-Zürrer AG. Die Weberei produziert exklusive Dekorationsstoffe, Krawatten und Accessoires und war schon bei früheren Projekten Partnerin der Empa. Auch eine Goldkrawatte wurde schon versucht, mit Hilfe herkömmlicher Technik: Ein Faden wurde mit hauchdünnem Golddraht umwickelt, ähnlich einer Gitarrensaite. Der Stoff fühlte sich jedoch rau und metallisch an und war auch nicht haltbar genug für alle Partien der Krawatte: Nur die hängende Frontpartie konnte in Gold ausgeführt werden; der mechanisch stärker beanspruchte Teil am Knoten und um den Hals mussten schwarz bleiben.

Die neue Goldkrawatte aus der Empa-Plasmabeschichtung schafft nun einen weit eleganteren Auftritt: Der Goldstoff, gewoben aus Goldfäden und schwarzer Seide, kann die ganze Krawatte bedecken – und er fühlt sich sehr weich an. Auch andere Produkte sind denkbar, etwa Einstecktücher, Fliegen, Schals, Spitzenapplikationen oder gar Handtaschen. Bislang wurde nur Stoff für drei Krawatten produziert, etwa ein Dutzend weitere sollen bis Weihnachten folgen. Die erste, weltweit limitierte Serie, geschneidert in der Zürcher Krawattenfabrik Hofmann und Co AG, wird für 7500 Franken pro Stück «an den Mann» kommen.

Wie viel Gold ist drauf?

Eine Frage, die nicht nur den stolzen Besitzer einer Goldkrawatte interessieren dürfte. Spätestens, wenn er ins Sonnenlicht tritt und sein Halsschmuck charakteristisch zu leuchten beginnt, ist ihm das Interesse seiner Umgebung sicher. Die Rechnung ist einfach: Auf einer Stoffbahn, aus der drei Krawatten hergestellt werden können, befinden sich 25 Gramm reines Gold (24 Karat). Eine Krawatte glänzt also dank rund 8 Gramm Gold.

Auch in Zukunft wird die Goldkrawatte nicht zur Massenware werden. Bei voller Auslastung könnten pro Jahr maximal 600 Stück für den Weltmarkt produziert werden. Ganz sicher werden es viel weniger sein – denn ein Teil der Produktion ist für andere Projektpartner reserviert. So wird die Stickerei und Dekorstofffabrik Jakob Schlaepfer das Goldgarn für ihre nächste Haute Couture Kollektion Winter 2012/13 verwenden.

Weitere Information:
Martin Amberg, Empa Abt. Advanced Fibers, Tel. +41 58 765 75 74 martin.amberg@empa.ch
Oliver Weisbrod, Weisbrod-Zürrer AG, Tel. +41 44 764 82 06, oliver.weisbrod@weisbrod.ch
Niklaus Zemp, Tersuisse Multifils SA, Tel. +41 41 267 88 88, niklaus.zemp@tersuisse.com

Martin Leuthold, Jakob Schlaepfer, Tel. +41 71 274 9240, m.leuthold@jakobschlaepfer.com

Sabine Voser | EMPA
Weitere Informationen:
http://www.empa.ch

Weitere Berichte zu: Accessoires Atom Empa Empa-Technologie Faden Goldfäden Goldkrawatte Krawatte Krawatten Luxus Schlaepfer Silber Stickerei

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Quantenanomalien: Das Universum in einem Kristall
21.07.2017 | Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe

nachricht Projekt »ADIR«: Laser bergen wertvolle Werkstoffe
21.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie