Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Qualitätsgesicherte Produktentwicklung in der Bekleidungsindustrie - Fehler frühzeitig erkennen und vermeiden

19.12.2013
Fehler in der Produktentwicklung kommen Bekleidungshersteller teuer zu stehen.

Aus dem Qualitätsmanagement ist bekannt, dass rund 75% aller Produktfehler in der Entwicklungsphase entstehen. Allerdings werden 80% dieser Mängel erst in späteren Arbeitsprozessen entdeckt und behoben.


Bild: oben
Die systematische Erfassung von Fehlern sowie deren Ursachen und Folgen bereits während der Produktentwicklung stand im Zentrum eines aktuellen Forschungsprojektes (IGF-Nr. 17154 N).
Bild: ©Shutterstock

Bild: Mitte
Maßnahmen zur präventiven Fehlervermeidung bieten
Bekleidungsherstellern große Einsparungs-potenziale. Bild: ©Shutterstock

Bild: unten
Auszug aus der Befragungsaktion zum aktuellen Status Quo der Bekleidungsindustrie ©Hohenstein Institute

Dabei erhöhen sich laut der so genannten Zehner-Regel die Kosten zur Fehlerbehebung von der Entwicklungs- über die Produktions- zur Nutzungsphase jeweils um den Faktor 10. Wenn der Fehler erst beim Kunden entdeckt wird, addiert sich zu den Fehlerkosten ein Imageverlust für das Produkt, der die reinen Fehlerkosten weit übersteigen kann.

Es ist klar: Je früher die Qualitätssicherung ansetzt, desto positiver die Effekte. Doch während sich in anderen Branchen – insbesondere der Automobilindustrie – bereits ausgereifte Verfahren zur präventiven Qualitätssicherung in der Produktentwicklung etabliert haben, finden diese in der Bekleidungsindustrie nahezu keine Anwendung.

Das Problem: Im kreativen Designprozess der Bekleidungsindustrie steht für die Entwicklung einer Vielzahl an Modellen innerhalb einer Kollektion nur sehr wenig Zeit zur Verfügung. Zudem variieren und verändern sich die textilen Materialien stetig. Inkompatibilitäten zwischen Material, Schnitt, Verarbeitung und Funktion sind an der Tagesordnung. Doch häufig werden solche Risiken nur für kurze Zeit wahrgenommen und geraten dann wieder in Vergessenheit, da keine zentrale Dokumentation und Prozessverfolgung stattfindet.

Die Entwicklungsprozesse laufen bei vielen Unternehmen eher unstrukturiert ab. Vieles erfolgt auf Zuruf. So ist auch ein geregelter Informationsrücklauf an das Design, z. B. in Bezug auf die Ergebnisse der Retourenanalysen der letzten Saison, nicht immer selbstverständlich.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes (IGF-Nr. 17154 N) haben Wissenschaftler der Hohenstein Institute in Bönnigheim daher die Fragestellung untersucht „Welche QM-Werkzeuge sind für die kurzzyklische und kreative Produktentwicklung in der Bekleidungsindustrie geeignet?“ Projektleiterin Simone Morlock hatte mit ihrem Team immer die besonderen Anforderungen der Bekleidungsindustrie im Blick: „Unser Ziel war, eine Lösung zu finden, die sich stark an den Abläufen und Ansprüchen an die Kreativität sowie den organisatorischen und zeitlichen Möglichkeiten der Bekleidungsindustrie orientiert.“

Im Projekt wurden entscheidende Entwicklungspotentiale für die Bekleidungsbranche herausgearbeitet. Unter anderem wurden Checklisten entwickelt, mit deren Hilfe entworfene Modelle präventiv und systematisch geprüft werden können, und zwar bevor der weitere Herstellungsprozess, wie z.B. die Prototypenproduktion, angestoßen wird. So lassen sich Fehler effektiv vermeiden.

Besonders hervorzuheben ist die durch das Projekt initiierte Workshop-Reihe mit der Zielsetzung, die qualitätsgesicherte Produktentwicklung über die in der Branche bekannten PDM- / PLM- und ERP-Systeme umzusetzen. An den Workshops nahmen sowohl namhafte Bekleidungsunternehmen aus den Sparten Funktion, Wäsche, Berufsbekleidung und hochmodischer Konfektion als auch branchenbekannte Anbieter von ERP-, PDM- bzw. PLM-Systemen teil. Durch die enge Zusammenarbeit konnten sowohl die Anforderungen der Bekleidungshersteller als auch die Möglichkeiten und Lösungsansätze der Softwareanbieter dargestellt werden. Gemeinsame Standards wie Meilensteine, Prüfmechanismen und notwendige Systemfunktionen wurden definiert, um so zukünftig auch dem aufwändigen Customizing von EDV-Systemen entgegenzuwirken.

Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens können in der Praxis modular eingesetzt und miteinander kombiniert werden. Simone Morlock erwartet dabei spürbare finanzielle Vorteile: „Mit einer qualitätsgesicherten Produktentwicklung lassen sich Fehlerkosten signifikant reduzieren“. Doch dafür ist es wichtig, alle am Entwicklungsprozess beteiligten Mitarbeiter für Fehlerfolgen zu sensibilisieren. Es muss ein Bewusstsein für offensichtliche und vor allem versteckte Fehlerkosten geschaffen sowie deren Ursachen dauerhaft abgestellt werden. Für alle Unternehmen sind auch bei partieller Umsetzung von qualitätssichernden Maßnahmen positive Effekte zu erwarten, wie z.B. die Erhöhung der Produkt- und Prozessqualität sowie die dauerhafte Reduzierung von Entwicklungsschleifen und Fehlerkosten. In jedem Fall können Störfaktoren im Herstellungsprozess durch die Anwendung von Qualitätsmethoden zukünftig besser beherrscht werden.

Kontakt:
Simone Morlock
s.morlock@hohenstein.de

Rose-Marie Riedl | Hohenstein Institute
Weitere Informationen:
http://www.hohenstein.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Metamaterial: Kettenhemd inspiriert Physiker
19.01.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Additiv gefertigte Verklammerungsstrukturen verbessern Schichthaftung und Anbindung
19.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie