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Viele Kunststoffe lassen sich durch Reibung elektrostatisch aufladen. In diesem Zustand können sie bei der Entladung zu gefährlichen Zündquellen werden - beispielsweise dort, wo im Produktionsbetrieb explosionsfähige Gase vorhanden sind.
Daher untersuchen die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und viele andere Prüfstellen die elektrostatische Aufladung von Kunststoffprodukten - in der Vergangenheit geschah dies durch Reibversuche mit Katzenfell. Seit Januar 2009 ist der Handel mit Katzenfellen in der EU jedoch verboten. Auf der intensiven Suche nach einer Alternative sind die Wissenschaftler der PTB nun fündig geworden.
Seit der Antike ist bekannt, dass das Reiben von Bernstein mit einem Katzenfell zu einer hohen elektrostatischen Aufladung des Bernsteins führt. Dies trifft auch für Gegenstände aus Kunststoff zu. Dieser Effekt hat dazu geführt, dass viele Prüfstellen Katzenfell für Reibversuche benutzen, um die elektrostatische Aufladung von Kunststoffprodukten, die eine potenzielle Zündquelle in explosionsgefährdeten Bereichen darstellen, unter kritischsten Bedingungen zu beurteilen. Da das Katzenfell bei diesen Reibversuchen haart, muss es regelmäßig ausgetauscht werden. Dies ist jedoch nun nicht mehr möglich. Wegen des Abziehens des Fells von lebendigen Hunden und Katzen in einigen außereuropäischen Ländern beschloss die EU ein Verbot des Handels mit diesen Produkten. Seit dem 1. Januar 2009 sind daher in den EU-Mitgliedsstaaten und in der Schweiz der Import, der Export sowie der Binnenhandel mit Katzen- und Hundefellen verboten. Dies bedeutet nicht nur das Ende des Verkaufs von Decken, Wintermützen und Pelzmänteln aus Katzenfell, die schon der Polarforscher Fridtjof Nansen bei seinen Expeditionen trug, sondern auch das Aus für die elektrostatischen Reibversuche im Rahmen sicherheitstechnischer Bewertungen von Kunststoffen.
Die PTB hat deshalb systematisch ein Alternativmaterial gesucht. Von Anfang an war hierbei klar, dass ein solches Alternativmaterial nur ein anderes Tierhaar sein kann, welches eindeutig definiert und weltweit erworben werden kann. Ein Blick auf die so genannte triboelektrische Reihe ergibt, dass Schaffell sogar noch etwas bessere elektrostatische Eigenschaften als Katzenfell aufweist. Die PTB hat deshalb in Zusammenarbeit mit der Braunschweiger Firma Gustav Neumann verschiedene Proben aus Schaffell hinsichtlich ihrer Eignung für elektrostatische Reibversuche untersucht.
Als Ergebnis zeigte sich, dass der Neufilz 125 meliert, fünf Millimeter dick, spezifisches Gewicht 0,20 g/cm3 die elektrostatischen Eigenschaften des Katzenfells übertrifft und als Ersatzmaterial sehr gut geeignet ist.
PTB-Ansprechpartner
Dr. Ulrich von Pidoll, Arbeitsgruppe 3.73 Physikalische Zündvorgänge,
Tel.: (0531) 592-3431, E-Mail: ulrich.v.pidoll@ptb.de
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Imke Frischmuth | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.ptb.de/
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