Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nur noch Katzen haben ein Katzenfell

19.11.2009
PTB empfiehlt für elektrostatische Reibversuche ab sofort Filz aus Schafwolle

Viele Kunststoffe lassen sich durch Reibung elektrostatisch aufladen. In diesem Zustand können sie bei der Entladung zu gefährlichen Zündquellen werden - beispielsweise dort, wo im Produktionsbetrieb explosionsfähige Gase vorhanden sind.

Daher untersuchen die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und viele andere Prüfstellen die elektrostatische Aufladung von Kunststoffprodukten - in der Vergangenheit geschah dies durch Reibversuche mit Katzenfell. Seit Januar 2009 ist der Handel mit Katzenfellen in der EU jedoch verboten. Auf der intensiven Suche nach einer Alternative sind die Wissenschaftler der PTB nun fündig geworden.

Seit der Antike ist bekannt, dass das Reiben von Bernstein mit einem Katzenfell zu einer hohen elektrostatischen Aufladung des Bernsteins führt. Dies trifft auch für Gegenstände aus Kunststoff zu. Dieser Effekt hat dazu geführt, dass viele Prüfstellen Katzenfell für Reibversuche benutzen, um die elektrostatische Aufladung von Kunststoffprodukten, die eine potenzielle Zündquelle in explosionsgefährdeten Bereichen darstellen, unter kritischsten Bedingungen zu beurteilen. Da das Katzenfell bei diesen Reibversuchen haart, muss es regelmäßig ausgetauscht werden. Dies ist jedoch nun nicht mehr möglich. Wegen des Abziehens des Fells von lebendigen Hunden und Katzen in einigen außereuropäischen Ländern beschloss die EU ein Verbot des Handels mit diesen Produkten. Seit dem 1. Januar 2009 sind daher in den EU-Mitgliedsstaaten und in der Schweiz der Import, der Export sowie der Binnenhandel mit Katzen- und Hundefellen verboten. Dies bedeutet nicht nur das Ende des Verkaufs von Decken, Wintermützen und Pelzmänteln aus Katzenfell, die schon der Polarforscher Fridtjof Nansen bei seinen Expeditionen trug, sondern auch das Aus für die elektrostatischen Reibversuche im Rahmen sicherheitstechnischer Bewertungen von Kunststoffen.

Die PTB hat deshalb systematisch ein Alternativmaterial gesucht. Von Anfang an war hierbei klar, dass ein solches Alternativmaterial nur ein anderes Tierhaar sein kann, welches eindeutig definiert und weltweit erworben werden kann. Ein Blick auf die so genannte triboelektrische Reihe ergibt, dass Schaffell sogar noch etwas bessere elektrostatische Eigenschaften als Katzenfell aufweist. Die PTB hat deshalb in Zusammenarbeit mit der Braunschweiger Firma Gustav Neumann verschiedene Proben aus Schaffell hinsichtlich ihrer Eignung für elektrostatische Reibversuche untersucht.

Als Ergebnis zeigte sich, dass der Neufilz 125 meliert, fünf Millimeter dick, spezifisches Gewicht 0,20 g/cm3 die elektrostatischen Eigenschaften des Katzenfells übertrifft und als Ersatzmaterial sehr gut geeignet ist.

PTB-Ansprechpartner
Dr. Ulrich von Pidoll, Arbeitsgruppe 3.73 Physikalische Zündvorgänge,
Tel.: (0531) 592-3431, E-Mail: ulrich.v.pidoll@ptb.de
Weitere aktuelle PTB-Nachrichten:
o Terahertz-Kalibrierung der PTB überzeugt auch US-Laserhersteller (5. Nov.)
o Edelgas in Molekülkäfig detektiert Immunprozesse (4. Nov.)
o Rund um die Welt - Waagen made in Germany (26. Okt.)
o Mit dem Lagertank messen - schneller, sauberer, effizienter (28. Sep.)
o PTB stellt erstes Bose-Einstein-Kondensat mit Calciumatomen her (22. Sep.)
o Graphen und Galliumarsenid: Zwei perfekte Partner finden sich (9. Sep.)

Imke Frischmuth | idw
Weitere Informationen:
http://www.ptb.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Advanced Materials: Glas wie Kunststoff bearbeiten
18.05.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Stärkstes Biomaterial der Welt schlägt Stahl und Spinnenseide
17.05.2018 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics