Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues von Tisch & Stuhl - Textilbeton erobert nach Brücken und Fassaden den Freizeitbereich

09.09.2010
Ein neuer Hightech-Werkstoff soll demnächst in der Stadtmöblierung und in Gärten Einzug halten: Textilbeton. Das vergleichsweise leichte Verbundmaterial, das bei ersten Brücken und Fassaden in Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und NRW eingesetzt wird, ist im Fall von Tisch, Stuhl & Bank nur wenige Millimeter dick.

Das Prinzip, bei dem Gelege aus Glas- oder Carbonfasern als alternative Betonbewehrung genutzt werden geht vor allem auf vielfältige Vorarbeiten in Chemnitz und zwei universitären Sonderforschungsbereichen in Dresden und Aachen zurück. Ein von Produktdesignern und Architekten gegründetes Start up aus Dresden will ab Herbst 2010 erstmals formschöne Sitzmöbel aus Textilbeton in Kleinserie anbieten. Damit soll der revolutionäre Baustoff im wahrsten Wortsinne salonfähig werden.


(Quelle: Textilbetonzentrum): Schlank & leicht: Betontextil-Bank von Martin Kleppe


(Quelle: NAPOLEON Möbelmanufaktur): Bequemer Hingucker: Napoleon-Clubsessel

Das Textil im hochfesten und wetterfesten Feinkornbeton ersetzt nach Mitteilung des in Dresden ansässigen Deutschen Zentrum Textilbeton korrosionsanfällige Stahlbewehrung und ermöglicht schwungvolle Formgebung und Gestaltung. Projektleiter Silvio Weiland, der als Geschäftsführer des TUDALIT®-Markenverbandes die Technologie und neue Produkte aus Textilbeton weltweit etabliert, kann sich den neuen Baustoff für Instandhaltung und Neubau nicht nur bei Gebäuden, an Tragwerken oder Brücken vorstellen. Durch freie Formbarkeit ließen sich sowohl Bauteile für Industrie- und Neubau herstellen als auch Objekte mit funktionalem und zugleich ästhetischem Anspruch gestalten.

Bauindustrie zurückhaltend
Allerdings stehen kostspielige Zertifizierungen wie auch die bauaufsichtliche Prüfung für den industriellen Breiteneinsatz teilweise noch aus, beispielsweise die Zulassung von Textilbeton für Verstärkungsverfahren. Beim Transfer der Forschungsergebnisse in den Markt einschließlich der Übernahme von Zertifizierungskosten verhalte sich die Bauindustrie eher zurückhaltend. Umso wertvoller ist das Engagement der Unternehmen im TUDALIT Markenverband, sagt Weiland. Das Forschungskuratorium Textil e. V., das die Textilforschung in den angeschlossenen 16 deutschen Instituten koordiniert, spricht von einem „schwerwiegenden“ Transferproblem. Ein originär in Deutschland und mit öffentlichen Fördermitteln entwickelter Hochfest-und Leichtbauwerkstoff, der sich für den Einsatz weit über das Bauwesen hinaus empfiehlt, komme bisher nur punktuell in Demonstrationsanwendungen zur Anwendung, bilanziert Geschäftsführer Dr. Klaus Jansen. „Obwohl die TU Dresden und die RWTH Aachen ausgezeichnete Vorarbeiten in Produkt und Technologie geleistet haben, können wir nach rund 20 Jahren Textilbeton und verlockender Materialeigenschaften immer noch nicht vom eigentlichen Durchbruch des Materials sprechen.“
Textil revolutioniert Beton
Das Textilbetonzentrum verweist in diesem Zusammenhang auf repräsentative Einzelfall-Lösungen, so auf die Textilbeton-Brücken in Oschatz und Kempten. Inzwischen nimmt die Forschung Kurs auf multifunktionale Bauelemente, beispielsweise Fassadenplatten mit Zwischendämmung oder auch Solartechnik. Ein erstes Fassadensystem mit textiler Bewehrung an einem Institutsgebäude in Aachen feiert inzwischen sein Einjähriges. Bei den über 500 Quadratmeter textiler Fassadenplatten konnten im Vergleich zur traditionellen Bauweise 80 Prozent Beton eingespart werden. Greifbar wird auch die Möglichkeit, mit dem neuen Material neuartige Flächenheizungen, beispielsweise für U-Bahnen, herzustellen. Das Motto „Textil revolutioniert Beton“ lässt sich am besten beim Interieur nachweisen. Erstmalig seien die Herstellung dünnwandiger Betonelemente und Hohlkörper mit Wandstärken von nur zwei mm möglich. Am Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik der TU Dresden wurde gar ein transluzenter, also lichtdurchlässiger, Textilbeton entwickelt.
Möbel für Inhouse und Outdoor
Möbeldesigner wie Martin Kleppe aus Düsseldorf (Halbkugeltisch mit jeweils knapp 8 kg leichten Schalensitzen bzw. Sitzbank mit einer Bauteildicke von 10 mm)) und die aktuelle in Aussicht gestellte Betonsessel-Produktreihe der NAPOLEON Möbelmanufaktur aus Dresden wollen mit unikaten Sitzelementen aus Textilbeton den Alltag erobern. Einen besonderen Reiz gewinnt der Hightech-Werkstoff im Betonkleid in Verbindung mit traditionellen Materialien wie Holz, Glas, Naturstein oder Metall und solchen Methoden der Oberflächenveredelung wie Schleifen, Polieren, Imprägnieren und Wachsen. Damit werden z. B. Möbel nicht nur für den Privatbereich attraktiv und für Inhouse bzw. Outdoor alltagstauglich. Vor diesem Hintergrund kündigte Manufakturmitbegründer Lars Schmieder eine zweite Produktlinie an: Outdoor-Möbel für die Stadt- und Parkmöblierung.
Kontakt:
Dr. Klaus Jansen, Tel: 030-726 22 040, www.textilforschung.de
Silvio Weiland, Tel: 0351-463 36 344, www.textilbetonzentrum.de

Nicole Lehwald | Inno Media
Weitere Informationen:
http://www.tudalit.de
http://www.napoleon-moebel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen
20.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Der gestapelte Farbsensor
17.11.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie