Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Wege der Kunststoffuntersuchung und -veredelung

11.10.2016

Aktuell entwickelt das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC ein umweltfreundliches und vereinfachtes Veredelungsverfahren für Kunststoffbauteile ohne den Einsatz von Palladium und Chrom(VI). Für komplexe Kunststoffbauteile bietet das Institut außerdem eine neue Gerätegeneration seiner thermooptischen Messanlagen (KLIMATOM) für eine berührungs- und zerstörungsfreie Untersuchung und Optimierung insbesondere von Kunststoffmaterialverbunden und Kompositen.

Umweltfreundliches Galvanisieren mit neuer Oberflächenveredelung


Veredelter Griff aus Kunststoff.

© K. Selsam-Geißler, Fraunhofer ISC

Um Fenster- und Türgriffe oder Dusch- und Badarmaturen aus Kunststoff optisch aufzuwerten und widerstandsfähiger zu machen, wird die Kunststoffoberfläche der Bauteile meist im aufwendigen Verfahren unter Verwendung von Chrom(VI) und Palladium veredelt. Ab Herbst 2017 dürfen jedoch Chrom(VI)-haltige Chemikalien nicht mehr verwendet werden.

Das Fraunhofer ISC entwickelt nun ein neues, vereinfachtes Galvanisierungsverfahren für Kunststoffe. Mit einer Beschichtung aus einem neuen leitfähigen anorganisch-organischen Hybridpolymer wird direkt in einem Beschichtungsschritt auf dem Kunststoffbauteil eine galvanisierbare Oberfläche erzeugt. Damit kann die mehrstufige Vernickelung unter Verwendung von Chrom(VI)-Säure und teurem Palladium eingespart werden. Umweltgefährdende Behandlungsmethoden werden vermieden. Gleichzeitig haftet die Beschichtung dank der hohen Variabilität des Hybridwerkstoffs sehr gut auf der Kunststoffoberfläche und hat seine Praxistauglichkeit für einige Anwendungen bereits bewiesen.

Mit dem neuen Verfahren wird der Weg zu einer umweltfreundlichen und ressourcenschonenden Galvanisierung von Kunststoffbauteilen geebnet. Das Fraunhofer ISC optimiert derzeit die Beschichtung für Anwendungen bei starken Temperaturwechselbelastungen oder hohen mechanischen Beanspruchungen.

Berührungs- und zerstörungsfreie Prüfung von Kunststoffverbunden

Aussagekräftige Untersuchungen an komplexen Kunststoffteilen, wie sie beispielsweise im Spritzguss- oder im 3D-Druckverfahren hergestellt werden, sind erfahrungsgemäß schwierig. Insbesondere dann, wenn kleinste Veränderungen am Material unter Einwirkung von Feuchte oder Temperatur aufgespürt werden sollen, fehlen wirksame Charakterisierungsmethoden: Was passiert bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit oder bei starker Temperaturwechselbeanspruchung mit den Kunststoffteilen? Bleiben sie intakt, verformen sie sich oder zerbrechen sie sogar? Wie verhalten sich Materialverbunde aus unterschiedlichen Polymeren?

Zur schnellen und effektiven Beantwortung dieser Fragen kann das Fraunhofer ISC als Weiterentwicklung der thermooptischen Messanlagen jetzt das KLIMATOM vorstellen, mit der entsprechende Untersuchungen an Kunststoffteilen durchgeführt werden können. Mit der berührungs- und zerstörungsfreien Methode können selbst minimalste Änderungen an den Abmessungen von komplexen Bauteilen bei wechselnden Temperatur- und Feuchtewerten (-40 bis 160 °C bei 30 % bis 95 % r.F.) gemessen werden. Besonders effektiv kann das Verfahren auch zur Untersuchung von Kompositmaterialien aus Kunststoffen mit unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten eingesetzt werden. Mit hochauflösender CMOS-Technologie können unter wechselnder Temperatur- und Feuchteeinwirkung Dimensionsveränderungen bis zu einer Auflösung von 0,3 µm nachgewiesen werden – bisher einzigartig für die Untersuchung von komplexen Polymerbauteilen.

Weitere Anwendungsbeispiele sind die Bestimmung des Quell- und Krümmungsverhaltens und der Biegebruchfestigkeit sowie die Oberflächencharakterisierung zur Überprüfung der Funktionalität von Beschichtungen.

Weitere Informationen:

http://www.isc.fraunhofer.de
http://www.ceded.de
http://www.analytik-dienstleistungen.de

Marie-Luise Righi | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Forscherin entwickelt elektronische Textilstruktur für Medizinprodukte
17.02.2017 | Hochschule Niederrhein - University of Applied Sciences

nachricht Untergrund beeinflusst Halbleiter-Monolagen
16.02.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung