Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartiger textiler Schutz für Holzbearbeitungsmaschinen

09.07.2012
Wie Späne nicht ins Auge gehen

Wo gehobelt wird, fallen Späne, das gilt ganz besonders für Holzbearbeitungsmaschinen. Doch es kann noch schlimmer kommen: Bricht bei einer solchen Maschine ein Werkzeugteil oder die Schneide, können die Bruchstücke mit hoher Geschwindigkeit weggeschleudert werden und zu Verletzungen führen.

Abhilfe schafft ein neues, hochwirksames Schutzsystem für Holzbearbeitungsmaschinen aus technischen Textilien, das Vincenzo Forcillo vom Institut für Werkzeugmaschinen (IfW) der Universität Stuttgart und Hermann Finckh vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf (ITV) gemeinsam mit der Industrie entwickelt haben. Das Forscherteam erhielt dafür den mit 5.000 Euro dotierten Otto von Guericke-Preis der Allianz Industrie Forschung (AIF).

Deutschland ist weltweit der größte Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen, jedes Jahr werden hierzulande knapp 1.000 Stück gebaut. Damit das bedienende Personal nicht durch schleudernde Späne verletzt wird, waren die Maschinen bisher mit Schutzvorhängen aus PVC ausgestattet. Eine Anpassung der Sicherheitsnormen für die Holzbearbeitung im Dezember 2009 führte jedoch dazu, dass die PVC-Vorhänge die Anforderungen nicht mehr erfüllen konnten. Um ihre Maschinen weiterhin normenkonform liefern zu können, griffen die Hersteller zu Notlösungen aus Aramidgewebe, die aber schwer zu handhaben und überdies gerade für mittelständische Unternehmen zu kostspielig waren. Auch die Alternative, die Maschinen vollständig einzukapseln, wäre ein enormer Aufwand und für viele Betriebe finanziell nicht zu stemmen.

„Ein neues Material musste her, dass einerseits robust ist, um die Projektile zurückzuhalten, andererseits aber flexibel genug, um die zu bearbeitenden Werkstücke nicht zu beschädigen“, umreißt Vincenzo Forcillo vom Institut für Werkzeugmaschinen der Uni Stuttgart den Arbeitsauftrag, den das Forschungskuratorium Maschinenbau im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau formuliert hatte. Dass die Lösung im Bereich der technischen Textilien liegen könnte, war naheliegend, und so auch die Kooperation mit dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf (ITV), einer wissenschaftlichen Einrichtung in Verbindung mit der Universität Stuttgart.

Gemeinsam mit ihren Teams untersuchten Forcillo und Finckh an eigens entwickelten Prüfständen insgesamt 26 textile Lamellenmaterialien in Vorhangsystemen. Zehn Materialien erfüllten die Normvorgaben. Die Unternehmen favorisierten ein Polyamidgewebe mit spezieller Beschichtung: ein Material mit besonders hohem Rückhaltevermögen, gutem Verschleißverhalten und gleichzeitig einem günstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis. Parallel entwickelten die Wissenschaftler Simulationsmodelle, die die Schutzwirkung von Lamellen- und Vorhangsystemen berechenbar machen und auch die Weiterentwicklung neuer Schutzsysteme erleichtern.

Das neue Schutzsystem wird bereits von rund 20 Maschinenbauunternehmen eingesetzt. Sie beliefern deutschlandweit zwischen 400 und 500 holzverarbeitende Betriebe, die nun ihren Mitarbeitern sicherere Arbeitsbedingungen bieten können. Für die Textilbranche wiederum eröffnete sich ein neuer Markt, auf dem ebenfalls schon etwa 20 Unternehmen das Know-how zur Herstellung der benötigten technischen Textilien nutzen. Weitere Eigenschaften der neuen Schutzsysteme wie zum Beispiel ihre schalldämpfende Wirkung sollen nun in einem Folgeprojekt erforscht werden.

Weitere Informationen bei Dr. Thomas Stehle und Vincenzo Forcillo,
Institut für Werkzeugmaschinen, Tel. 0711/685-83866/ 82397
e-mail: thomas.stehle@ifw.uni-stuttgart.de,
vincenzo.forcillo@ifw.uni-stuttgart.de
TV-Beitrag zum Projekt:
http://www.fkm-net.de/forschung/forschunsbeispiel/index.html

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifw.uni-stuttgart.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Beschichtung lässt Muscheln abrutschen
18.08.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht PKW-Verglasung aus Plastik?
15.08.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik