Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Motorlager auf Basis von Löwenzahn

18.09.2015

Auf der internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt stellt ContiTech viel versprechende Forschungsergebnisse für Schwingungs- und Lagerungselemente auf Basis von »Taraxagum« vor, eines Naturkautschuks aus Löwenzahn. Gemeinsam mit Continental erforschen Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME und des Instituts für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen der Uni Münster bereits seit 2013, wie sich Löwenzahn nachhaltig als alternative Kautschukquelle für die gummiverarbeitende Industrie nutzen lässt. Im Rahmen dieses Projekts hatte die Continental Reifen GmbH bereits erfolgreich entsprechende Autoreifen-Prototypen getestet.

Entwickler von ContiTech Vibration Control testen derzeit, ob sich der Naturkautschuk aus Löwenzahn auch einsetzen ließe, um Motorschwingungen zu reduzieren. Auf der IAA präsentiert ContiTech jetzt erste, viel versprechende Forschungsergebnisse für den Einsatz in Schwingungs- und Lagerungselemente von Fahrzeugen.


ContiTech Motorlager aus Taraxagum

(c) ContiTech AG

Hier soll der Naturkautschuk helfen, die Elemente auf die unterschiedlichen Anwendungen in Getriebe- und Motorlagern anzupassen und die Teile gleichzeitig langlebig zu machen. Mit Hilfe von Motorlagern wird in Autos das Antriebsaggregat mit der Karosserie verbunden. Sie nehmen statische Lasten auf, isolieren den Körperschall, begrenzen die Bewegung des Motors und verhindern, dass er bei einem Unfall abreißt. Zusätzlich dämpfen sie Schwingungen und Stöße, die von der Fahrbahn ausgehen.

»Die Anforderungen an Aggregatelager sind ganz andere als an Reifen. Wir müssen beispielsweise mit starken dynamischen Beanspruchungen bei hohen Temperaturen zurechtkommen. Darum haben wir bei unseren Entwicklungen einen anderen Fokus als die Reifenkollegen«, sagt Dr. Anna Misiun, die bei ContiTech Vibration Control die Aktivitäten zum Projekt leitet. Unabhängig davon, wofür der Löwenzahn-Kautschuk verwendet wird, bietet seine Nutzung große Vorteile für die Umwelt.

Bessere CO2-Bilanz des Rohstoffs,
größere Unabhängigkeit von schwankenden Marktpreisen

Professor Dirk Prüfer und Dr. Christian Schulze Gronover vom Fraunhofer IME und dem Institut für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen der Uni Münster: »Der anspruchslose Löwenzahn wächst in gemäßigtem Klima und selbst auf Böden, die für die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln nicht geeignet sind. Transporte aus tropischen Ländern entfallen damit. Das verbessert die CO2-Bilanz des Rohstoffs beträchtlich.« Auch die größere Unabhängigkeit von traditionellen Rohstoffen mit teilweise stark schwankenden Marktpreisen bietet Vorteile für die Industrie.

Die Entwicklung eines umwelt- und ressourcenschonenden Verfahrens zur Produktion von Naturkautschuk im industriellen Maßstab ist das Ziel der gemeinsamen Arbeit der Wissenschaftler von Continental und Fraunhofer IME. Diesem Ziel ist man bereits ein ganzes Stück näher gekommen mit der Entwicklung einer Pilotanlage zur Extraktion von Naturkautschuk aus den Wurzeln des russischen Löwenzahns – und mit der Herstellung entsprechender Reifen-Prototypen, die im Test genauso gut abschnitten wie Reifen auf Basis des Kautschukbaums.

Dafür wurden die beteiligten Wissenschaftler unter anderem mit einem Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2015 ausgezeichnet. Jetzt soll die Produktion so skaliert werden, dass sie schließlich im industriellen Tonnenmaßstab funktioniert. Die »Pusteblume« entwickelt sich damit in der Gummiproduktion zu einer ökologisch und ökonomisch äußerst attraktiven Alternative zum tropischen Kautschukbaum.

Bis zu einer industriellen Fertigung von Produkten auf Basis von Löwenzahn-Kautschuk wird es jedoch noch einige Jahre dauern. »Jetzt müssen erst einmal die Hausaufgaben gemacht werden: Die Pflanze muss weiter optimiert werden. Für einen möglichst hohen Kautschukertrag, Aussaat, Anbau und Kautschuk-Extraktion in großem Maßstab«, so die beiden Wissenschaftler.

Weitere Informationen:

http://www.ime.fraunhofer.de

Sabine Dzuck | Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Bessere Anwendungsmöglichkeiten für Laserlicht
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Biegsame Touchscreens: Neues Herstellungsverfahren für transparente Elektronik verbessert
28.03.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten