Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehrfunktionale Beschichtungen auf Flachglas - eine Alternative zum Sicherheitsglas

12.09.2011
Wissenschaftler aus Jena haben ein Produkt entwickelt, welches die Eigenschaften eines Sicherheitsglases besitzt, aber gleichzeitig mit einem außergewöhnlichen Design der Gestaltung von Glasflächen Akzente setzt.

Durch eine ausgezeichnete Haftung der Materialien untereinander wird bei einem plötzlichen Bruch des Glases die Splitterwirkung reduziert und der Zerfall des Produkts verhindert. Besonders für die Möbelindustrie und im Innenausbau ist dieses Verbundglas geeignet. So können Innenwände von Fahrstühlen oder gesamten Räumen, insbesondere Bad und Küche, Trennwände sowie Verkleidungen von Theken oder Messeaufbauten ausgestattet werden.

Sicherheitsgläser haben durch ihre Stabilität und mechanische Festigkeit ein breites und vielfältiges Anwendungsgebiet. Sie werden im Außen- und Innen - Architekturbereich z.B. in Fassaden, Fenster, Lärmschutzwände, Brüstungen und Geländer, Glasinnentüren, Glasduschen und Trennwände eingesetzt. Auch in der Autoindustrie ist der Einsatz von Sicherheitsglas unabdingbar.

Die Herstellung von Sicherheitsgläsern unterliegt bestimmten Fertigungsverfahren, wobei Verbundsicherheitsglas (VSG) durch den Verbund von Floatglasscheiben mit einer hochreißfesten PVB-Folie erzeugt und Einscheibensicherheitsglas (ESG) durch einen thermischen Vorspannprozess hergestellt wird. Es gibt aber auch sehr viele Anwendungsgebiete, in denen der Einsatz von einfachem Floatglas durch die hohe Bruchgefahr nicht gestattet ist, jedoch die Verwertung von aufwendig hergestelltem Sicherheitsglas nicht unbedingt erforderlich ist. Für diese sogenannten Nischen wurde ein Pulverlack-Glasfaser-Glasverbund entwickelt.

Für die Realisierung wurden Beschichtungsstoffe aus Pulverlack und Verstärkungsmaterialien verwendet, welche die mechanischen Eigenschaften eines Verbundwerkstoffes positiv beeinflussen. So werden Glasfaserelemente, wie z.B. Glas-Filamentgewebe, -Rovinggewebe oder Glasmatten mit Polyester-pulverlacken kombiniert und mit dem Floatglas zu einem Verbund zusammengebracht. Bei der Verwendung von transparenten Polyesterpulverlacken ist neben einer Erweiterung der Funktionalität hinsichtlich Bruchsicherheit und Splitterbindung auch der Aspekt einer dekorativen Oberfläche durch die unterschiedlichen Strukturen der Gewebe berücksichtigt.

Die Erhöhung der Stabilität eines solchen Verbundes wurde in entsprechenden Tests nachgewiesen. Polyesterlacke werden vorzugsweise im Außenbereich verwendet, Glas ist ebenfalls ein witterungsstabiler Werkstoff. Der Einfluss von klimatischen Bedingungen auf den Pulverlack-Glasfaser-Glasverbund (PLGV) wurde daher mit Hilfe ausgewählter Alterungstests und anschließender mechanischer Prüfung untersucht.

Nach einer speziellen Präparation wurden die zu untersuchenden Prüfkörper einem Korrosionsschnelltest (72h bei 50°C), einem Klimawechseltest (7 Zyklen á 24h von –20 bis +100°C) und einem Salzsprühnebeltest (1000h bei 35°C) unterzogen. Im Anschluss daran wurden an den Proben im Vierpunkt-Biegeversuch sowie im Doppelring-Biegeversuch die Biegefestigkeit ermittelt und mit denen von reinem Floatglas und dem unbelasteten Verbund verglichen.

Für die Beurteilung der Haftfestigkeit des Pulverlackes auf dem Glas und im Pulverlack-Glasfaser-Verbund wurde auf die Stempelabrissmethode zurückgegriffen. Um die Splitterbindung nach einem Glasbruch zu bewerten, sind größere Glasscheiben mit der Pendelschlagprüfung bewertet worden.

Die Ergebnisse belegen eine deutliche Steigerung der mechanischen Festigkeit von Floatglas mit dieser Beschichtungskombination. Insbesondere die Bruchsicherheit und damit verbunden die Splitterbindung ist durch die gute Haftung des Pulverlackes gegenüber normalem Floatglas deutlich erhöht worden. Die anderen mechanischen Kennwerte haben sich trotz der künstlichen Alterung im Vergleich mit dem unbelasteten Verbund nicht signifikant verändert.

Weitere Informationen:
Marion Homuth, INNOVENT e.V., E-Mail: mh1@innovent-jena.de

Andrea Gerlach | idw
Weitere Informationen:
http://www.innovent-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Smart und bequem: Neue Textilien für High-Tech-Kleidung, made in Bayreuth
14.02.2018 | Universität Bayreuth

nachricht Super-Werkstoffe für die Automobil-, Luft- und Raumfahrtbranche
12.02.2018 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics