Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Maßgeschneiderte Materialien für jeden Zweck

06.09.2011
„Jena Center for Soft Matter“ der Universität Jena nimmt seine Arbeit auf

Radikal und dennoch schonend, so müssen wirksame Medikamente gegen Krebs sein: Radikal genug, um die Tumorzellen vollständig zu eliminieren und gleichzeitig schonend, um eine irreversible Schädigung von gesundem Gewebe zu vermeiden.

Was ein wenig nach der „Quadratur des Kreises“ klingt, das entwickelt derzeit ein achtköpfiges Forscherteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mit seinem Projekt „Intelligent siRNA for therapeutic applications“ möchte das Team um Dr. Tobias Pöhlmann den Weg für eine neuartige und effiziente Therapie von Brustkrebs bereiten.

Das im Rahmen der „GoBio“-Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in den kommenden drei Jahren mit 3,3 Millionen Euro geförderte Forschungsvorhaben ist ein Projekt, das im neuen interfakultären „Zentrum für funktionale Polymere – Jena Center for Soft Matter (JCSM)“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena gestartet ist.

Zugrunde liegen der neuen Therapie RNA-Moleküle, mit denen sich zielgenau einzelne Gene ausschalten lassen. „Wir blockieren lebensnotwendige Gene in den Tumorzellen und diese sterben ab“, erläutert Pöhlmann das Prinzip. Als „Aus“-Schalter nutzen die Forscher sogenannte siRNA-Moleküle (engl.: short interfering RNA). „Das Intelligente an diesen Molekülen ist nun, dass sie ihre Wirkung nur in den ausgewählten Zielzellen im Tumor entfalten können.“ Das umliegende Gewebe sowie andere Organe des Körpers werden nicht geschädigt – so die Idee. Der Trick dabei: Die siRNA-Moleküle werden mit einem Eiweiß gekoppelt. „Dieses Eiweiß kann man sich wie ein Paar Handschellen vorstellen, das die Wirkung zunächst verhindert“, veranschaulicht Pöhlmann. Der „Schlüssel“ zum Lösen der „Handschellen“ liegt nur im Tumorgewebe vor und nur dort wird die siRNA aktiviert.

In den kommenden drei Jahren wollen die Jenaer Forscher ihren Therapieansatz so weit entwickeln, dass sich danach direkt klinische Studien anschließen könnten. Dass ihnen das gelingt, dafür finden Pöhlmann und seine Mitstreiter im JCSM beste Voraussetzungen. „Das Zentrum vereint Partner mit einer ausgewiesenen Expertise im Bereich der Strukturaufklärung sowie der Aufreinigung von Polymeren“, so Dr. Pöhlmann, der nach erfolgreicher Forschung eine Firmengründung plant. Auch von der engen Kooperation mit Wissenschaftlern aus der Pharmazie verspreche er sich innovative Impulse für sein Projekt.

Das „Zentrum für funktionale Polymere – Jena Center for Soft Matter“ bringt Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena aus den Gebieten Chemie, Materialwissenschaften, Pharmazie, Medizin, Physik und Biologie zusammen und vernetzt sie mit externen Partnern. Sie erforschen und entwickeln Materialien mit besonderen Eigenschaften, prüfen ihre Anwendbarkeit und bringen diese Erkenntnisse auf kürzestem Wege in die Lehre ein. Das materialwissenschaftliche Zentrum stellt die dafür benötigten Technologien und Geräte gebündelt zur Verfügung. „Maßgeschneiderte Materialien auf Basis funktionaler Polymere bilden die Grundlage für Innovationen innerhalb der verschiedenen Zweige der Lebenswissenschaften, Physik, Chemie und Nanotechnologie“, erläutert Prof. Dr. Ulrich S. Schubert, Sprecher im dreiköpfigen JCSM-Direktorium. Das neue Zentrum widmet sich vor allem der Erforschung solcher Polymere sowie photonischer Materialien und gehört zum Forschungsschwerpunkt „Innovative Materialien und Technologien“ der Jenaer Universität – daher fußt es auf zahlreichen, exzellenten Vorarbeiten. Das JCSM ist Bestandteil ihres Forschungsprofils, „das durch die Einwerbung der beiden Großprojekte signifikant gestärkt wird“, so Chemiker Schubert.

Denn neben der GoBio-Förderung ist es den Jenaer Wissenschaftlern auch gelungen, eine Million Euro von der Carl-Zeiss-Stiftung im Rahmen der Strukturförderung einzuwerben. In den nächsten vier Jahren können damit interdisziplinäre Forschungsprojekte mit bis zu sieben Doktoranden sowie eine Nachwuchsgruppe finanziert werden, um die Forschung innerhalb des Zentrums gerade auf den Überschneidungsgebieten der einzelnen Fachrichtungen voranzutreiben.

Außerdem wird das JCSM – neben weiteren Partnern – auch durch das Land und die EU gefördert, denn es wird seinen Mittelpunkt im neuen „Zentrum für Angewandte Forschung“ der Universität Jena haben, wo Forschungsflächen für besondere Projekte von Naturwissenschaftlern entstehen. Der Neubau mit 2.150 qm Nutzfläche wächst derzeit am Max-Wien-Platz und kostet über 17 Mio. Euro sowie rd. 1,6 Mio. Euro an Ersteinrichtung. Der Bau wird zu 75 % über EFRE-Mittel der EU sowie Eigenmittel der Universität finanziert und soll Anfang 2013 fertiggestellt sein.

„So lange wollten wir nicht warten“, so Prof. Schubert „und beginnen mit den ersten Projekten des JCSM zunächst in den beteiligten Instituten“. Allerdings sei der Neubau dringend notwendig, da weitere Projekteinwerbungen anstünden und schon die bereits eingeworbenen Geräte und das neue Personal nicht untergebracht werden können. „Und die begonnenen Projekte ermöglichen es uns“, so Schubert, „weitere Wissenschaftler zur Mitarbeit im Zentrum aufzufordern“. Schließlich seien bereits mehr als 100 Mitarbeiter der Universität ins Jena Center for Soft Matter integriert.

Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich S. Schubert
Zentrum für funktionale Polymere – Jena Center for Soft Matter (JCSM)
Lehrstuhl für Organische und Makromolekulare Chemie (IOMC)
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Humboldtstraße 10
07743 Jena
Tel.: 03641 / 948201
E-Mail: materials[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Gewebe JCSM Pharmazie Polymere Soft Matter Soft Skills Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Studie InLight: Einblicke in chemische Prozesse mit Licht
22.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Eigenschaften von Magnetmaterialien gezielt ändern
16.11.2016 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie