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Wenn Kanäle zum Himmel stinken

26.05.2009
TU-Wissenschaftler entwickeln Versuchsanlage für die Berliner Wasserbetriebe

Viele Berliner kennen das Problem: Wenn es lange heiß ist und kein Regen fällt, beginnen viele Gullis unangenehm zu riechen. Aufgrund des sinkenden Wasserverbrauchs erhöht sich die Aufenthaltszeit des Abwassers in den Kanälen.

"Wenn in den Druckrohrleitungen des Berliner Kanalnetzes das Abwasser über längere Strecken transportiert wird, bildet sich unter anaeroben Bedingungen häufig Schwefelwasserstoff, und an der Einmündung der Druckrohrleitung in einen Freigefälleabschnitt kann es dadurch zu Geruchsbelästigungen kommen", erläutert Dipl.-Ing. Stefan Rettig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft der TU Berlin. Dieses nach faulen Eiern riechende giftige Gas wird an den Wänden der Rohre zu Schwefelsäure umgewandelt und führt dort zu Korrosion, vornehmlich an Betonbauteilen.

Unter dem Titel "ODOCO-2" finanzieren die Berliner Wasserbetriebe seit November 2008 ein Forschungsprojekt, an dem neben der TU Berlin auch die Materialprüfungsanstalt MPA Berlin-Brandenburg GmbH beteiligt ist. "Wir wollen herausfinden, was genau unangenehme Gerüche entstehen lässt und was man am sinnvollsten dagegen unternehmen kann", beschreibt Stefan Rettig sein Projektziel. Das Vorläuferprojekt "ODOCO-1" hatte bereits ermittelt, dass geeignete Messtechnik möglichst unter genau definierten Bedingungen in einer Versuchsanlage untersucht werden sollte. "Wir haben bereits eine Versuchsanlage konzipiert, deren Bau nun ausgeschrieben wird", erläutert der Ingenieur. Das System wird aus zwei je 25 Meter langen Röhren bestehen, die einen Freigefällekanal nachbilden. In vorgeschalteten Fermentoren sollen die Bedingungen in den kritischen Druckrohrleitungen nachgestellt werden. An einem Betonschacht und zusätzlichen Materialproben werden die Experten der MPA Korrosionsuntersuchungen anstellen, dort wird auch die Abluft entnommen und behandelt.

"Wir werden flüssige und gasförmige Phasen mit Onlinetechnik messen, Proben entnehmen und im Labor untersuchen", erläutert Stefan Rettig. Bei dem Projekt ginge es außerdem darum zu überprüfen, welche Dosierungen verschiedener Produkte tatsächlich nötig sind, die zur Geruchsbindung an kritischen Stellen eingesetzt werden können. "Da gibt es zum Beispiel Aluminium- und Kalzium-Nitrate verschiedener Hersteller oder geruchsbindende Gelmatten, die in die Kanäle gehängt werden", sagt er. Für die Wasserbetriebe können die Ergebnisse der Arbeit, die vorerst bis zum März 2010 finanziert wird, Erkenntnisse für ein Konzept künftiger Kanalisationsentwürfe liefern. Vielleicht lässt sich durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen, sowohl planerisch, baulich als auch betrieblich, künftig auch der unangenehme sommerliche Geruch vermeiden.

Andrea Puppe

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:

Dipl.-Ing. Stefan Rettig, Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft,
Institut für Bauingenieurwesen der TU Berlin,
Gustav-Meyer-Allee 25 (TIB 13B), 13355 Berlin,
Tel.: 030/314-72305, E-Mail: stefan.rettig@tu-berlin.de
und
Prof. Dr.-Ing. Matthias Barjenbruch, Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft, Institut für Bauingenieur-wesen der TU Berlin,
Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin,
Tel.: 030/314-72246, Fax. 030/314-72248,
E-Mail: matthias.barjenbruch@tu-berlin.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608
http://www.siwawi.tu-berlin.de

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