Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Junges Gründungsteam der Uni Kiel entwickelt neue Referenzmaterialien für die Feststoffanalytik

13.03.2018

Ein junges Team aus den Geo- und Materialwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat ein Verfahren für besonders homogene und reine Referenzmaterialien zur chemischen Analyse von Feststoffen entwickelt. Mithilfe eines EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Höhe von 120.000 Euro wollen die Studierenden und Alumni ihre Idee jetzt in einer eigenen Firma umsetzen.

Wie stark Pflanzen durch kontaminierte Böden belastet werden, was der Meeresgrund über vergangene Klimaperioden verrät oder wieviel Ertrag eine Erzmine in Zukunft liefern könnte – oft kann eine Analyse der chemischen Zusammensetzung von Mineralen und Gesteinen wichtige Informationen liefern. Für genaue Ergebnisse braucht es nicht nur hochwertige Messgeräte, sondern auch erstklassige Referenzmaterialien, um die Instrumente exakt einstellen zu können.


Gesteins- und Materialproben wie hier Eisenerz mahlt das Team der Universität Kiel ultrafein. Zu Pellets gepresst können sie als Referenzmaterialien genutzt werden, um Messgeräte genau einzustellen.

Foto: Simon Nordstad / CAU


Simon Nordstad (l.), Christina Wittke und Leewe Schönberg wollen mit ihrem Herstellungsverfahren für Referenzmaterialien eine eigene Firma gründen.

Foto: Julia Siekmann / CAU

Ein junges Team aus den Geo- und Materialwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat ein Verfahren für besonders homogene und reine Referenzmaterialien zur chemischen Analyse von Feststoffen entwickelt. Mithilfe eines EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Höhe von 120.000 Euro wollen die Studierenden und Alumni ihre Idee jetzt in einer eigenen Firma umsetzen.

„Mit Analysegeräten ist es ähnlich wie mit Waagen im Supermarkt: Damit sie genau 100 Gramm anzeigen, müssen sie mit einem festgelegten Referenzgewicht geeicht werden“, sagt Simon Nordstad, der im vergangenen Jahr sein Masterstudium der Geowissenschaften an der CAU abgeschlossen hat.

„Die Geräte werden technisch zwar immer besser, aber die Entwicklung der Referenzmaterialien kommt nicht hinterher“, so der 28-Jährige. Hier setzt die Idee des Gründungsteams an: Mit einer neuen Methode wollen sie bessere Referenzmaterialien für Industrie und Wissenschaften herstellen, damit die Analyse von Bestandteilen fester Stoffe noch genauer wird. Interessant ist das zum Beispiel für Bereiche wie Bergbau, Klimaforschung, Archäologie oder Medizin.

Gründungsteam will neue Standards in der Feststoffanalytik setzen

Um die Zusammensetzung von Stoffen wie zum Beispiel Mineralen oder Gesteinen zu bestimmen, werden Proben davon mit dem sehr feinen Strahl eines Lasers analysiert. Zur Einstellung dieser Analysegeräte dienen Referenzmaterialien, die aus dem Ausgangsstoff selbst fein gemahlen und in Tablettenform gepresst werden. Bislang waren diese sogenannten Pellets jedoch zu grobkörnig, um exakte Analyseergebnisse liefern zu können.

„Die Partikel in herkömmlichen Pellets sind etwa 40 Mikrometer groß. Der Messstrahl selbst ist jedoch nur wenige Mikrometer breit, er kann also eigentlich nur ein einziges Körnchen erfassen“, erklärt Bachelorstudent Leewe Schönberg, der Materialwissenschaft an der CAU studiert. Für eine repräsentative Aussage muss jedoch die Zusammensetzung der ganzen Probe abgebildet werden.

Mit ihrem speziellen Mahlverfahren kann das Kieler Gründungsteam aus allen Ausgangsstoffen winzige Körner auf Nanoebene herstellen. Ganz ohne Bindemittel – also besonders rein – lassen sie sich zu ultrahomogenen Tabletten pressen. „Eine vergleichbare Homogenität und Reinheit konnte bisher in Pellets nicht erreicht werden. Dank dieser Qualität lassen sie sich als individuelle Referenzmaterialien herstellen, um Messgeräte wie zum Beispiel Massenspektrometer zu kalibrieren“, erklärt Dr. Dieter Garbe-Schönberg vom Institut für Geowissenschaften, der das Projekt als Wissenschaftlicher Berater begleitet.

Nicht weniger als einen neuen Maßstab in der Feststoffanalytik will das junge Kieler Gründungsteam damit setzen. Passend dazu der Name ihres Projekts: „µ-Standards“, ausgeschrieben „my-standards“. Mit dem griechischen Buchstaben „µ“ – bei Größenangaben eine Abkürzung für „Mikro“ – wollen sie auf die feinkörnige und maßgeschneiderte Herstellung ihrer Pellets verweisen.

Bereits großes Interesse aus Wissenschaft und Industrie

Mit seiner Methode könnte das Team aufwendige und teure Analyseverfahren aus der Nasschemie ablösen. Denn diese arbeiten mit konzentrierten Säuren, erfordern also eine besonders vorsichtige Handhabung und entsprechend ausgestattete Arbeitsplätze. „Was den Umgang mit Gefahrstoffen angeht, sind unsere Pellets eine wesentlich sicherere Alternative“, sagt Doktorand Samuel Müller, der das Team ebenfalls wissenschaftlich berät.

Die Idee zu dem neuen Verfahren entstand, als das Säurelabor des Instituts wegen Renovierung für längere Zeit nicht genutzt werden konnte. Laborleiter Garbe-Schönberg suchte eine alternative, genaue Analysemethode, die ohne Nasschemie auskommt. Das Gründungsteam verbesserte sie über mehrere Semester, im vergangenen Jahr folgte die Anmeldung zum Patent. „In Wissenschaft und Industrie besteht bereits großes Interesse, vor allem international. Das hat uns dazu ermuntert, unsere Pellets für den Verkauf herzustellen“, sagt die 28-jährige Christina Wittke, die das Team als Marketingbetriebswirtin vervollständigt.

Bildmaterial zum Download ist vorhanden:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2018/2018-058-1.jpg
Bildunterschrift: Geowissenschaftler Simon Nordstad (links), Marketingbetriebswirtin Christina Wittke und Materialwissenschaftler Leewe Schönberg wollen mit ihrem Herstellungsverfahren für Referenzmaterialien eine eigene Firma gründen.
Foto: Julia Siekmann / CAU

http://www.uni-kiel.de/download/pm/2018/2018-058-2.jpg
Bildunterschrift: Das Gründungsteam der Uni Kiel will neue Standards setzen, wenn es darum geht, die chemische Zusammensetzung von Gesteinen und Materialien zu analysieren.
Foto: Julia Siekmann / CAU

httpp://www.uni-kiel.de/download/pm/2018/2018-058-3.jpg
Bildunterschrift: Gesteins- und Materialproben wie hier Eisenerz mahlt das Team der Universität Kiel ultrafein. Zu Pellets gepresst können sie als Referenzmaterialien genutzt werden, um Messgeräte genau einzustellen.
Foto: Simon Nordstad / CAU

Unterstützung durch bundesweites Förderprogramm
Dank des EXIST-Stipendiums konnte das Team das nötige Know-how sowie die Infrastruktur für ihr Gründungsvorhaben aufbauen. Das bundesweite Förderprogramm unterstützt die Realisierung von Gründungsideen aus der Wissenschaft. „Die EXIST-Förderung ermöglicht den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse aus exzellenter Forschung in marktfähige Lösungen, die auch der Gesellschaft nutzen“, sagt Dr. Anke Rasmus. Als Leiterin des Zentrums für Entrepreneurship (ZfE) der CAU berät sie das Team bei der Beantragung der Fördermittel und in allen gründungsrelevanten Fragen. „Als ZfE wollen wir mit unseren Angeboten dazu beitragen, Wissen aus der Universität noch stärker in die Anwendung zu bringen.“

Kontakt:
Christina Wittke
EXIST-Projekt “µ-standards”
Institut für Geowissenschaften
Tel.: 0431/880 37 89
Mobil: 0176/63720234
Mail: wittke@my-standards.com
Web: http://www.my-standards.com

Weitere Informationen:

http://www.exist.de/DE/Programm/Exist-Gruenderstipendium/inhalt.html EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
http://www.my-standards.com Gründungsprojekt My Standards
http://www.zfe.uni-kiel.de Zentrum für Entrepreneurship
http://www.ifg.uni-kiel.de Institut für Geowissenschaften
http://www.uni-kiel.de/pressemeldungen/index.php?pmid=2018-058-standards

Dr. Boris Pawlowski | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Ein Wimpernschlag vom Isolator zum Metall
17.04.2018 | Forschungsverbund Berlin e.V.

nachricht Neues Material macht Kältemaschinen energieeffizienter
10.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics