Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochwertige Produkte aus Elastomerpulvern

18.08.2011
Gummireste als Produktionsabfälle sind häufig nur für Sekundärprodukte wieder verwertbar. Zerkleinert zu Pulver oder Granulat, stecken sie in modernen Spielplatzböden oder Fallschutzmatten. Es fehlten bisher Techniken, um daraus hochwertige Materialien zu entwickeln.

Fraunhofer UMSICHT ist es nun gelungen, mit dem Zusatz von Elastomerpulver (»zerkleinerte Gummireste«) neue qualitative Werkstoffe zu entwickeln, die gewünschte Materialeigenschaften und Funktionen wie Härte, Elastizität oder Haptik besitzen. Die neu entwickelten Kunststoff-Compounds heißen EPMT® (Elastomerpulvermodifizierte Thermoplaste).


Elastomerpulvermodifizierte Thermoplaste (EPMT) als Soft- Prototyp: Elastomerpulver – »zerkleinerte Gummireste« – kann nun in hochwertigen Materialien zum Einsatz kommen und nicht nur in Sekundärprodukten. Foto: Fraunhofer UMSICHT

Ziel der Forschungsarbeiten war es, pulver- und granulatförmige Elastomere systematisch zu analysieren, um werkstoffliches Recycling von Gummiresten zu optimieren. Nun ist bei Fraunhofer UMSICHT die erste Tonne der Elastomerpulvermodifizierten Thermoplaste (EPMT®) produziert und ausgeliefert; die Materialien sind bereits bei den Kunden in der Anwendungsprüfung. Eine breite Spanne von Einsätzen ist möglich: Fraunhofer UMSICHT analysiert hierzu mit den Kunden die Substitutionsmöglichkeiten z. B. die Anwendung als Rasenmäherreifen.

Die neuen Kunststoff-Compounds erhalten durch das Elastomerpulver die gewünschte Eigenschaft und werden in der Compoundieranlage zusammen mit Thermoplasten und Additiven zu Granulaten verarbeitet. Diese sind wiederum schmelzbar. Das Mahlverfahren, mit dem aus Gummiresten Elastomerpulver wird, ist u. a. entscheidend für die gewünschten mechanischen Eigenschaften der Compounds. Bei den EPMT® lassen sich wichtige Funktionen wie Stoßabsorption z. B. für Motorenlagerung oder Reibungsübertragung z. B. für Reifenwerkstoffe einstellen.

Neue Marktperspektiven durch werkstoffliches Recycling

Fraunhofer UMSICHT verfügt über Kenntnisse der kompletten Wertschöpfungskette vom Sammeln, Zerkleinern und Aufbereiten der Elastomerreste, über die Entwicklung von geeigneten Rezepturen bis hin zur Herstellung marktfähiger Produkte im Technikumsmaßstab und der nachfolgenden Analytik. »Wir bieten ein umfangreiches Know-how über die gesamte Kette des werkstofflichen Recycling hinweg, da wir nicht nur einzelne Aspekt des Recycling von Elastomeren betrachten. Außerdem verfügen wir über die Technikumsanlagen bis hin zum industriellen Maßstab, die dafür nötig sind«, erklärt Holger Wack, Geschäftsfeld Werkstoffe und Interaktion und Projektleiter. Das ermöglicht es, Elastomerreste jeglicher Qualität auf ihre Verwertbarkeit zu prüfen und Werkstoffeigenschaften flexibel nach den Anforderungen von Kunden einzustellen.

Das werkstoffliche Recycling von Elastomeren steigert die Wertschöpfung und eröffnet neue Marktperspektiven. Produktionsabfälle beispielweise von Gummiverarbeitern müssen nicht entsorgt, sondern können wiederverwertet werden. Somit bleiben Elastomerreste viel länger im Produktionskreislauf. »Rund 60 bis 80 Prozent an Elastomerpulvern können in die thermoplastische Matrix eingearbeitet werden «, erläutert Damian Hintemann, Projektmitarbeiter bei UMSICHT. EPMT sind kostengünstiger als frischer Kautschuk, in Spritzgieß- oder Extrusionsmaschinen einfach verarbeitbar und wiederum recyclierbar.

Zukunft Kunststoffverwertung

Beim Thema Kunststoffverwertung geht es neben technischen Innovationen auch um gesetzliche Neuentwicklungen, Konzepte der globalen Rohstoffversorgung und die Effizienz von Kreislaufwirtschaften. Beim zweitägigen Kolloquium »Zukunft Kunststoffverwertung« von Fraunhofer UMSICHT und BKV Plattform für Kunststoff und Verwertung vom 6. bis 7. September in Krefeld diskutieren Experten aus Politik und Wissenschaft, Verwertungsbranche und Kunststoffindustrie über aktuelle Fragen rund um Ressourcenwirtschaft und Kunststoffrecycling. Einen besonderen Schwerpunkt bildet das duale System (Wertstofftonne), das vor 20 Jahren als deutsche Verpackungsordnung in Deutschland eingeführt wurde.

Um Anmeldung bis zum 30. August 2011 wird gebeten.

Iris Kumpmann | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.umsicht.fraunhofer.de/de/messen-veranstaltungen/2011/zukunft-kunststoffverwertung.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Kampf dem Plastik mit Verpackungen aus Seetang
15.12.2017 | Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

nachricht Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung
14.12.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik