Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Hightechfasern in die Welle - Stader Studenten entwickeln Kiteboard aus CFK

20.08.2009
Gestählte Surferbodies, Sonne, Wind und Wellen sind nicht unbedingt die ersten Vokabeln, die einem einfallen, wenn von Ingenieurwissenschaften die Rede ist.

Doch genau diese Thematik steht für eine Studentengruppe der PFH (Private Fachhochschule Göttingen) gerade im Mittelpunkt. In einem Praxisprojekt entwickeln angehende CFK-Ingenieure am Hochschulstandort der PFH in Stade, gemeinsam mit ihrem Professor Marc Siebert ein Kiteboard aus dem Hightech-Werkstoff Carbon, wissenschaftlich korrekt eigentlich CFK (kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff).


Trendsport Kiteboarding: In den Wellen müssen die Bretter großen Belastungen standhalten. Foto: Fotolia.de

Das Thema haben die Studenten selbst gewählt. "Viele Kompetenzen im Bereich CFK drehen sich um Fluggeräteentwicklung und -bau", berichtet Bachelorstudentin Christina Quelle. "Das Einsatzspektrum für CFK ist aber sehr viel breiter. Deshalb haben wir uns nach einem anderen Anwendungsbeispiel umgesehen."

CFK gilt als Werkstoff der Zukunft. In der Luft- und Raumfahrt, im Fahrzeug- und Maschinenbau bekommen Experten glänzende Augen, wenn sie über Einsatz- und Einsparmöglichkeiten sprechen. Bei gleicher Festigkeit sind CFK-Bauteile beispielsweise rund 30 Prozent leichter als das bislang häufig verwendete Aluminium. Auch im Bereich der Sportgeräte kommt der Markt allmählich in Schwung. Bei Fahrradrahmen ist Carbon mittlerweile State-of-the-art. Windsurfer lieben die Masten aus dem schwarzen Werkstoff, Golfer schwören auf Carbon-Schlägerschäfte, um höhere Stabilitäten für größere Weiten zu erreichen.

Nun also ein Kiteboard. Noch in diesem Sommer soll der Prototyp zu Wasser gelassen werden kann. Im September wird der Pilot Artur Poniatowski (25), Mitglied der Projektgruppe und seit mehr als fünf Jahren Kiteboarder, bei einem Event auf Rügen das Brett testen.

Dann wird seit dem Projektstart rund ein Jahr vergangen sein: "Vor dem Einsatz des Brettes liegt ein langer Weg. Zunächst müssen Haltbarkeit, Materialmenge, Faserausrichtung und zahlreiche weitere Parameter berechnet werden, damit das Board am Ende auch hält, was es verspricht", berichtet Masterstudent Jan Stefani über die Startphase des Projekts. In zahllosen Versuchsreihen tüftelte die Gruppe die richtige Materialstärke aus, berechnete Faserausrichtungen der CFK-Matten, führte Belastungstests durch und erprobte verschiedene Fertigungsmethoden. Schließlich wird das Kiteboard in einem Autoklaven, einer Art überdimensionalem Ofen, gebacken.

Die meisten Studenten der Projektgruppe sind im 6. Semester des Bachelorstudiengangs "Verbundwerkstoffe/Composites" eingeschrieben. Damit sind sie Pioniere: Einen Studiengang, der sich so intensiv mit dem Werkstoff CFK beschäftigt, gab es vorher in ganz Europa noch nicht. Unterstützt werden Sie von berufserfahrenen Masterstudenten.

Ihr Prof. Marc Siebert ist schon länger in der Szene bekannt: Neben seiner Hochschulprofessur ist er Gründer von zwei Unternehmen, die sich mit Entwicklung und Produktion von Reha- und Sportgeräten beschäftigen. Die von ihm entwickelten Rennradrahmen aus Carbon zum Beispiel zählen mit 700 bis 800 Gramm zu den leichtesten, die es zu kaufen gibt. Das komplette Rad wiegt am Ende dann nur knapp fünf Kilo. 4000 bis 5000 Euro sind für die Maßanfertigungen fällig.

Profitiert haben die Stader Studenten bei ihrer Entwicklung dann auch gleich von mehreren Partnerunternehmen ihrer Hochschule. Teile des Materials für das Board sponserte das Unternehmen Evonik, für die technische Verarbeitung konnten die Studierenden auf Produktionstechnik von Airbus zurückgreifen. Das Stader Airbuswerk liegt direkt neben dem Hochschulgebäude in Stade, ein großer Teil der Studierenden absolviert hier die Praxisphasen, die in das Studium integriert sind.

Peter Diehl | idw
Weitere Informationen:
http://www.pfh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Clevere Folien voller Quantenpunkte
27.03.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Europäisches Exzellenzzentrum für Glasforschung
17.03.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE