Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gold aus Abfall

25.08.2016

Recycling von Gold aus Elektroschrottmischungen durch Lösungsmittelextraktion

Die Rückgewinnung von Gold und anderen Edelmetallen aus Elektronikschrott wie zum Beispiel Mobiltelefonen hat immenses Potenzial, ist aber noch merklich unterentwickelt.


Goldgewinnung aus Elektroschrottmischungen

(c) Wiley-VCH

Nun haben britische und amerikanische Wissenschaftler eine einfache und ungiftige Chemikalie identifiziert, die aus einer Metallmischung, wie sie Elektronikschrott normalerweise darstellt, Gold selektiv extrahieren kann.

Warum man dieses einfache Verfahren für ein effektives Goldrecycling ausnutzen könnte, erläutern die Wissenschaftler in der Zeitschrift Angewandte Chemie.

In Elektronikschrott, der aus weggeworfenen elektronischen Geräten wie Mobiltelefonen, Computern und Tablets besteht, liegt der Rohstoff Gold meist weit stärker angereichert vor als in natürlichen Lagerstätten. Für ein möglichst effizientes Recycling muss man das Gold so preisgünstig und umweltfreundlich wie möglich herauslösen. Allerdings ist die Chemie bei der Lösungsmittelextraktion von Gold ist noch recht wenig verstanden.

Jason Love von der Universität von Edinburgh in Großbritannien und Kollegen haben nun eine relativ einfache chemische Verbindung identifiziert, die das Gold im aufbereiteten Elektronikschrott effizient und selektiv herauslösen kann.

Es handelt sich um eine einfache Stickstoffverbindung, ein primäres Amid. Wie die Forscher zeigen, bildet dieses Amid mit den Goldspezies in der Aufarbeitungslösung stabile Komplexe. Diese Komplexe identifizierten die Forscher als eine Mischung verschiedener Aggregate aus negativ geladenem Goldchlorid und dem positiv geladenem Amid.

Ihre Erkenntnisse über das extrahierte Gold sollten für die Konzeption ähnlicher Extraktions- und Rückgewinnungsprozesse von Metallen äußerst hilfreich sein, wie die Wissenschaftler mutmaßen: "Wir erwarten, dass das hier gewonnene chemische Verständnis entscheidend dazu beiträgt, Metallrecyclingsverfahren zu entwickeln".

Um die Goldspezies aus der salzsauren Aufarbeitungslösung der Metalle herauszulösen, fügten sie eine organische Lösung hinzu, die das primäre Amid enthielt. Diese Extraktion verlief deutlich effizienter als mit kommerziellen Reagenzien, die für Gold nicht selektiv genug sind. Ebenso verlief der Rücktransfer in die wässrige Phase erfolgreich, und zusätzliche Stripp-Reagenzien waren nicht notwendig.

Verstehen lässt sich diese Zweiphasen-Extraktion als ein Prozess von selektiver Verkapselung mit anschließender Wiederfreisetzung, schreiben die Autoren: Der Mechanismus habe "Parallelen zu Verkapselungsverfahren, bei denen mehrere komplizierte Einheiten als Aggregat zusammengefügt werden und somit in Lösung vorliegen können".

Ihr chemisches Verfahren könnte also ein wichtiger Beitrag für die Entwicklung von preisgünstigen, einfachen, umweltfreundlichen und effizienten Recyclingsverfahren von Gold und anderen Edelmetallen aus Schrott sein.

Angewandte Chemie: Presseinfo 29/2016

Autor: Jason Love, University of Edinburgh (United Kingdom), http://www.chem.ed.ac.uk/staff/academic-staff/professor-jason-love

Link zum Originalbeitrag: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201606113

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany.

Weitere Informationen:

http://presse.angewandte.de

Dr. Renate Hoer | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Kunststoffstrang statt gefräster Facette: neue Methode zur Verbindung von Brillenglas und -fassung
28.04.2017 | Technische Hochschule Köln

nachricht Beton - gebaut für die Ewigkeit? Ressourceneinsparung mit Reyclingbeton
19.04.2017 | Hochschule Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie