Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Freiberger Forscher wollen aus Materialfehlern lernen

10.09.2009
Die ersten Investitionsgelder für den Freiberger Sieger in der Sächsischen Exzellenzinitiative stehen seit Ende August zur Verfügung.

Die Wissenschaftler des Forschungsclusters "Funktionales Strukturdesign neuer Hochleistungswerkstoffe durch atomares Design und Defekt-Engineering" (ADDE) der TU Bergakademie Freiberg können in den nächsten beiden Jahren rund 4,5 Millionen Euro für ihre Arbeiten abrufen.

Von den Mitteln, die das Land Sachsen und die EU bereitstellen, wird unter anderem ein Transmissionselektronenmikroskop für 2,5 Millionen Euro angeschafft. Mit ihm lassen sich einzelne Atome und ihre Bindungen untereinander analysieren.

Mit den neuen Forschungsgeräten nehmen die Freiberger Forscher Defekte von Materialien auf atomarer Ebene in den Blick. Denn gerade diese Fehler können einem Werkstoff seine gewünschte Eigenschaft verleihen. "Bei Materialdefekten denken viele zuerst an sichtbare Risse. Wir schauen aber auf die einzelnen Atome und wie sie miteinander verbunden sind", erklärt Prof. David Rafaja von der TU Bergakademie Freiberg, Sprecher des Exzellenzclusters.

Dabei lassen sich häufig Fehler in der Kristallstruktur oder Verunreinigungen mit fremden Atomen entdecken. Auch wenn diese Abweichungen bei der Herstellung nicht beabsichtigt waren, können sie doch positive Veränderungen der Materialeigenschaft bewirken. So wird beispielsweise Titannitrid, in das sich Aluminium-Atome verirrt haben, besonders hart. Ein Vorteil, den man für superharte Bohrer nutzen kann.

"Wir möchten genau erforschen, wie diese Defekte entstehen und welche Eigenschaften sie hervorrufen", blickt Prof. Rafaja voraus. "Wenn wir das verstehen, können wir sie gezielt nutzen und Materialien mit gewünschten Eigenschaften designen." Dabei haben die Wissenschafter schon konkrete Anwendungen vor Augen. Von Materialien für Solarzellen über verbesserte Computerspeicher bis hin zu Werkstoffen, die extreme Temperaturen aushalten können, gehen die Pläne. Insgesamt 16 Teilprojekte sind in dem Cluster verbunden und widmen sich einzelnen Anwendungsfeldern.

Mit dem Forschungscluster ADDE ging die TU Bergakademie Freiberg 2008 in der Sächsischen Landesexzellenzinitiative als einer der Sieger hervor. Im Monat März startete das Projekt ADDE mit seiner Arbeit und wird bis 2014 mit 20 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds (EFRE) und des Freistaates Sachsen gefördert. Die Gelder werden hauptsächlich für Investitionen in die Infrastruktur und den wissenschaftlichen Nachwuchs verwendet.

Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit von 14 Instituten und vier Fakultäten sowie lokalen und weltweiten Kooperationspartnern eine hervorragende Möglichkeit, vorhandene Kompetenzen zu bündeln und interdisziplinäre Kooperationen zu stärken. Zu den lokalen Partnern gehören insbesondere das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf, das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden, die Deutsche Solar AG und die Freiberger Compound Materials sowie als internationale Partner die Sheffield Hallam University, die University of Florida, die Karls-Universität Prag und Ceratizit Austria.

Christian Möls | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-freiberg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Metamaterial: Kettenhemd inspiriert Physiker
19.01.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Additiv gefertigte Verklammerungsstrukturen verbessern Schichthaftung und Anbindung
19.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie