Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europaweit einmalige Maschine an der Uni Rostock

03.03.2014

Industrie wartet auf weitere Lösungen

Sie ist neu, nagelneu, ein Unikat und steht am Lehrstuhl für Fluidtechnik und Mikrofluidtechnik von Professor Dr.-Ing. Hermann Seitz der Universität Rostock: eine Plasmapolieranlage (PPA). Was sie kann?


Matthias Cornelsen bedient die Plasmapolieranlage

(Foto: ITMZ/Edeltraud Altrichter)

Fünfzig Zentimeter lange Rohre mit einem Innendurchmesser von vierzig bis weniger als vier Millimeter von innen polieren. Ganz sauber polieren. Bei diesem neuartigen Verfahren werden metallische Werkstücke in ein elektrolytisches Bad gegeben. Während des Prozesses entsteht ein ionisiertes Gas, das die Werkstückoberfläche benetzt. Am Ende entsteht ein Plasma, das Verunreinigungen penibel entfernt und eine hohe Metallgüte erreicht.

Dass das jetzt möglich ist, macht den wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität Rostock, Matthias Cornelsen vom Rostocker Lehrstuhl für Fluidtechnik und Mikrofluidtechnik ziemlich stolz. Über zwei Jahre hat er mit der Rathenower Firma plasotec GmbH, das sind ausgewiesene Spezialisten für Oberflächenveredlung von metallischen Werkstücken, an der Entwicklung dieser Maschine zusammengearbeitet und einen Polierkopf entwickelt und hergestellt, der an der Plasmapolieranlage erfolgreich getestet wurde.

„Diese Maschine gibt es europaweit nur einmal. Es ist ein Prototyp“, sagt der studierte Physiker. Im Nachgang resümiert er: „Es war ein gewaltiger Akt, solch einer Maschine Leben einzuhauchen, mit der Rohre unterschiedlicher Durchmesser von innen poliert werden können“. Darüber überwiegt nun die Freude an der Rostocker Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik und beim Partner plasotec GmbH.

Prof. Dr.-Ing. Seitz sagt mit Blick auf ein fächerübergreifendes Forschungsprojekt von Maschinenbauern, Physikern und Medizinern der Universität Rostock, an dem weitere Partner beteiligt sind: Das Plasmapolieren setzt nicht nur neue Maßstäbe bei der Qualität von metallischen Oberflächen, sondern ist darüber hinaus im Vergleich zu konventionellen Elektropolierverfahren auch noch äußerst umweltschonend, da auf aggressive Säuren verzichtet werden kann.

Medizintechnik mit höchster Präzision, daran arbeitet auch die plasotec GmbH, die sich als erstes Unternehmen mit industrieller Anwendung des Plasmapolierens befasst. Betriebsleiter und Prokurist Tobias Weise sieht die Zusammenarbeit mit der Universität Rostock so: „Die PPA ist das Ergebnis der Zusammenführung von Lehre und Forschung mit technisch basiertem Fachwissen.

Es ist sehr schön zu sehen, wenn ein Forschungsprojekt wächst und die Projektpartner mit ihren Kernkompetenzen einen wichtigen Anteil zum Gelingen beisteuern können. Die Kooperation mit der Universität Rostock gestaltete sich von Anfang an sehr konstruktiv“. Beide Partner haben viel von einander lernen können und stellten ihr Fachwissen dem Projekt zur Verfügung. Nur so war es möglich, die gemeinsamen Ziele zu erreichen und die neue Anlage in Betrieb zu nehmen. „Darauf sind auch wir sehr stolz“, so Weise.

Matthias Cornelsen hat sich indes erneut in seine Forschung vertieft. „Wir wollen nun herausfinden, inwiefern die Oberflächengüte von Rohrinnenflächen qualitativ noch weiter verbessert und beeinflusst werden kann“. Die Pharma- und Lebensmittelindustrie, aber auch die Solarbranche, Krankenhäuser und andere Einrichtungen warten auf anwendungsbereite Lösungen, die plasmapolierte Rohre ermöglichen. (Text: Wolfgang Thiel)

Kontakt:
Universität Rostock
Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik
Lehrstuhl für Floidtechnik und Mikrofloidtechnik
Matthias Cornelsen
T: 0381 498 9114
Mail: matthias.cornelsen@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Perowskit-Solarzellen: Es muss gar nicht perfekt sein
15.01.2018 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Fraunhofer IMWS testet umweltfreundliche Mikroplastik-Alternativen in Kosmetikartikeln
11.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie