Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Empa und Kantonsspital St. Gallen verstärken Zusammenarbeit

19.01.2011
Die Empa und das Kantonsspital St. Gallen werden künftig auf verschiedenen Forschungsgebieten der medizin(techn)ischen Materialentwicklung verstärkt zusammenarbeiten. Zur bisherigen Kooperation im Bereich der humanen Stammzellen kommen aktuelle Forschungsthemen hinzu wie Nanosicherheit, Immunologie und Implantatentwicklung.

Erste Projekte sind bereits Anfang 2011 angelaufen.

Im Rahmen der intensivierten Zusammenarbeit zwischen der Empa und dem Kantonsspital St. Gallen starteten Anfang des Jahres zwei neue Projekte: Zusammen mit der Frauenklinik und dem Institut für Pathologie wird der genaue Transportmechanismus von Nanopartikeln durch die Plazenta sowie deren Einfluss auf das Plazentagewebe untersucht. Eine neue Perfusionsanlage, die den mütterlichen und fötalen Kreislauf der Plazenta für einige Stunden durchblutet und somit aufrechterhält, ist derzeit an der Empa im Aufbau. Und gemeinsam mit Forschenden des Instituts für Immunbiologie am Medizinischen Forschungszentrum des Spitals wollen Empa-WissenschaftlerInnen zudem mögliche Auswirkungen von Nanomaterialien auf das menschliche Immunsystem untersuchen.

Nanosicherheit als zentrale Frage

Vor kurzem hat das Empa-Team bereits gezeigt, dass Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 200 bis 300 Nanometer via Plazenta vom mütterlichen in den fötalen Blutkreislauf gelangen können. Es stellt sich die Frage, ob dies das Plazentagewebe schädigen oder gar einen Einfluss auf die Entwicklung des Ungeborenen haben kann. Gleichzeitig wäre der Transport von Nano-Vehikeln durch die Plazenta denkbar, um eventuell eine gezielte Behandlung des ungeborenen Kindes bereits im Mutterleib zu ermöglichen.

Die Nanotechnologie revolutioniert viele Bereiche des Alltags. Aber wie bei allen neuen Technologien sind Risiken nie ganz auszuschliessen. Darum beschäftigt sich die Empa schon seit mehreren Jahren mit möglichen negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt vor allem von freien Nanopartikeln.

Auswirkungen noch weit gehend unbekannt

Ebenfalls wird die Empa enger mit dem Institut für Immunbiologie zusammenarbeiten. Das Immunsystem ist ein ausgeklügeltes und komplexes System für die Abwehr von potenziell schädlichen Substanzen und Mikroorganismen. Inwiefern das Immunsystem durch ungewollt eingedrungene Nanomaterialien beeinflusst wird, ist noch völlig unklar. Auch im Hinblick auf neue Therapieformen ist das Verständnis, wie Immunzellen im menschlichen Körper auf «Nano-Container» reagieren, enorm wichtig.

Stammzellenforschung für Hüftimplantate

Auf dem Gebiet der Medizinaltechnik arbeitet die Empa bereits seit einiger Zeit mit dem Kantonsspital St. Gallen zusammen. So stellt die Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie ihren Empa-KollegInnen beispielsweise wöchentlich Knochenmarkproben zur Verfügung, mit deren Hilfe Materialoberflächen optimiert und neue Materialien, etwa für Implantate, getestet werden. Das Knochenmark enthält so genannte mesenchymale Stammzellen. Das sind Zellen, die sich in verschiedenste Zellen und Gewebe differenzieren können. Die Frage dabei ist, wie Oberflächen für Implantate beschaffen sein müssen, damit sich die Stammzellen darauf «richtig» entwickeln – also in den gewünschten Zelltyp differenzieren, zum Beispiel in eine Knochenzelle. Denn nur so kann das Implantat mit dem Knochen stabil verwachsen und seine Funktion übernehmen. «Dank der Zusammenarbeit mit dem Spital sind wir in der Lage, unsere Aktivitäten in der Bio- und Medizinaltechnologie deutlich auszubauen. Dadurch machen wir einen grossen Schritt Richtung klinische Anwendung der von uns entwickelten Materialien und Methoden», so Peter Wick, Co-Leiter der Empa-Abteilung «Materials-Biology Interactions». Weitere Projekte seien bereits in Vorbereitung.

Weitere Informationen
Dr. Peter Wick, Empa, Materials-Biology Interactions, Tel. +41 71 274 76 84, peter.wick@empa.ch
Prof. Dr. Burkhard Ludewig, Kantonsspital St. Gallen, Medizinisches Forschungszentrum,

Tel. +41 71 494 10 78, Burkhard.Ludewig@kssg.ch

Beatrice Huber | idw
Weitere Informationen:
http://www.empa.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Clevere Folien voller Quantenpunkte
27.03.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Europäisches Exzellenzzentrum für Glasforschung
17.03.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Clevere Folien voller Quantenpunkte

27.03.2017 | Materialwissenschaften

In einem Quantenrennen ist jeder Gewinner und Verlierer zugleich

27.03.2017 | Physik Astronomie

Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen

27.03.2017 | Biowissenschaften Chemie