Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Effektiver Lichtverstärker

26.04.2012
Physiker aus Münster und Peking entwickeln neuartige Polymerzusammensetzung / Titelgeschichte in "Advanced Materials"
Physikerinnen und Physiker der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) sowie der "Chinese Academy of Sciences" in Peking (China) haben gemeinsam ein neuartiges Komposit-Polymer entwickelt, das herkömmliche Polymere in ihren optischen Eigenschaften weit übertrifft. Die Arbeit ist als Titelgeschichte in der renommierten Fachzeitschrift "Advanced Materials" in der Ausgabe vom 24. April veröffentlicht.

Die neuartige Polymerzusammensetzung zeigt herausragende, sogenannte fotorefraktive Eigenschaften. Das heißt: Licht, das auf das Material fällt, beeinflusst die Materialstruktur. Die so erzeugte Struktur kann dann wiederum Licht verstärken. Das Wissenschaftlerteam nutzte dazu erstmals Diperylenbisimide anstelle der bis dahin verwendeten Fullerene, welche aufgrund ihrer fußballartigen Struktur auch als "Fußballmoleküle" bekannt sind. "Dadurch ist das Material im gesamten sichtbaren Lichtspektrum aktiv und kann Licht wesentlich effektiver verstärken", betont Physikerin Prof. Dr. Cornelia Denz, Leiterin der Arbeitsgruppe Nichtlineare Photonik an der WWU und Mitautorin der Studie.

Solche Polymerkomposite seien höchst vielversprechend für den Einsatz in dreidimensionalen Displays oder holografischen Abbildungen von Gewebe, berichten die Forscher. Das Material sei aber auch einer der attraktivsten Kandidaten für Anwendungen im Solarzellenbereich. "Sowohl Medizin, Energietechnik als auch Entertainment-Industrie sind daher sehr an solchen neuen 'weichen' Materialien für diese Anwendungen interessiert", erklärt die WWU-Forscherin. Zur "weichen Materie" ("soft matter") zählen neben Polymeren beispielsweise auch biologische Zellmembranen, Gele und Flüssigkristalle. Weiche Materie spielt in vielen Forschungsdisziplinen eine wichtige Rolle.

Das Team hat diese Entwicklung im Rahmen des ersten deutsch-chinesischen Forschungsverbunds der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Transregio "Multilevel Molecular Assemblies", hervorgebracht. Dieser Transregio ist eine gemeinsame Einrichtung der Universität Münster sowie der Tsinghua-Universität und der "Chinese Academy of Sciences". Die Forscher haben das neue Material als Patent in Deutschland und China angemeldet – die Entwicklung hat damit zur ersten Patentschrift geführt, die aus einer Kooperation chinesischer und deutscher Universitäten hervorgegangen ist. Die Platzierung auf dem Zeitschriftentitel spiegelt die hohe Bedeutung wider, die die Redaktion von "Advanced Materials" der Publikation beimisst.

Originalpublikation:

Ditte, K., Jiang, W., Schemme, T., Denz, C. and Wang, Z. (2012), Photorefractive Materials: Innovative Sensitizer DiPBI Outperforms PCBM (Adv. Mater. 16/2012). Adv. Mater., 24: 2061. doi: 10.1002/adma.201290089

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/
http://www.uni-muenster.de/Physik.AP/Denz/
http://www.uni-muenster.de/TRR61/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate
06.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Studie InLight: Einblicke in chemische Prozesse mit Licht
22.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016 | Medizintechnik