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Wenn Design und Technik sich verbünden

01.10.2010
Moderne Fertigungstechnologien lassen Designerherzen höher schlagen: So wurde die Herstellung des Stahlrohrstuhls »Hydra« eines jungen Designers erst möglich durch die intensive Zusammenarbeit mit Fraunhofer-Forschern. Der Stuhl ist nicht nur leicht, sondern auch stabil. Er orientiert sich an natürlichen Formen.

An organischen Formen der Natur orientiert sich der Stahlrohrstuhl, den der Designer Jörg Höltje vom Studio Hausen in Berlin entworfen hat.


Der Stahlrohrstuhl Hydra ist leicht und stabil zugleich. Die Beine sowie die Rahmenkonstruktion sind durch ein spezielles Verfahren, die Innenhochdruck-Umformung, entstanden. © Matthias Weingärtner

Das Sitzmöbel ist leicht und dennoch stabil. »Der Stuhl ist ähnlich wie ein Knochen konstruiert – an stark belasteten Stellen ist das Stahlrohr voluminöser«, betont er. Also dimensionierte er es an verschiedenen Stellen unterschiedlich dick, aber überall so dünn wie möglich, und verlieh dem Stuhl damit eine besondere Eleganz. »Die Beine und die Strecken der Seitenteile weisen organisch anmutende Verdickungen auf, die an Beinwaden oder Muskeln denken lassen«, so der Designer. Auf dem Papier lässt sich vieles entwerfen.

Wie aber sollte ein solches Möbelstück in der Praxis hergestellt werden? »Mit konventioneller Technik hätte man seine Einzelteile nur massiv und nicht hohl ausführen können«, erzählt Rico Demuth, der sich am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz der Sache annahm. »Das wäre nicht im Sinne des Designers gewesen.«

Gemeinsam machten sich deshalb die Forscher und Jörg Höltje daran, Herstellungsverfahren für den Stuhl zu erarbeiten. »Wir wählten schließlich die innovative Technologie der Innenhochdruck-Umformung (kurz IHU, englisch Hydroforming) für die Beine und die Rahmenkonstruktion«, berichtet Demuth. Bei diesem Verfahren, das bisher hauptsächlich die Automobilindustrie anwendet, wird ein mit Wasser gefülltes Rohr durch den gesteuerten Aufbau von Innendruck umgeformt. Dabei liegt es in einem Werkzeug, das ihm die vorher nach CAD-Daten ermittelte Außenkontur vorgibt.

Bei dem Vorgang kann das Rohr seinen Durchmesser verändern, ohne dass Risse entstehen. Bei anderen Herstellungsmethoden bleibt der Durchmesser des Stahlrohrs jedoch immer gleich, es lässt sich lediglich biegen. Der Sitz des Stuhls wird mit einem ähnlichen Verfahren hergestellt: der Innenhochdruck-Blechumformung (IHB). Hierbei werden ebene Blechplatinen durch den Druck des Wassers im Inneren eines Werkzeugs in die gewünschte Form gebracht.

Die IHU- und die IHB-Technologien ermöglichten es Höltje, den Elementen seines Stuhls eine elegante Kontur zu geben, Verzweigungen zu bilden und den Aufbau des Objekts wie gewachsen aussehen lassen. Um dies zu erzielen, war eine intensive Entwicklungsarbeit zwischen Designer, Ingenieur Demuth und Abteilungsleiter Markus Werner und seinem Team nötig.

Der entstandene Stuhl, von dem inzwischen einige Prototypen existieren, veranschaulicht sowohl die technischen Möglichkeiten als auch die ästhetische Innovation der IHU-Technologie. Im Dialog zwischen IWU-Forschern und Künstler entstand so ein Projekt, das die Chancen und Potentiale dieser Technologie für vielfältige neue Anwendungen in der Möbelindustrie testet und auslotet. Zu sehen ist der Hydra-Stuhl auf der Messe Euromold in Frankfurt vom 1. bis 4. Dezember (Halle 11, Stand D66).

Rico Demuth | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/10/stahlrohrstuhl-hydra.jsp

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