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„Composite Bamboo“ – wie ein Rostocker Leichtbauexperte den Wanderstock der Zukunft erfand

16.08.2010
Wie ein leidenschaftlicher Wissenschaftler durch seine Forschungen zum begeisterten Sportler und nun auch noch zum Unternehmer wird, zeigt der Rostocker Professor Gerhard Scharr vom Lehrstuhl Leichtbau der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik an der Universität Rostock.

Prof. Gerhard Scharr hat einen Trekkingstock entwickelt, der nur die Hälfte der handelsüblichen Produkte wiegt. Er selbst testet die von ihm entwickelten und extrem leichten Stöcke, die fürs Skifahren, Skating und Nordic Walking gedacht und äußerst Kraft sparend sind. Vor einigen Monaten kam der 54-jährige Wissenschaftler so über seinen ultraleichten Trekkingstock zum Nordic Walking. Scharr fand schnell Freude an der Sportart. „Die Muskulatur entspannt gut und mein Herz-Kreislaufsystem wird gestärkt“, sagt er.

Die Idee für seine Erfindung kam dem Wahlrostocker bei einer langen Autofahrt. Als er im Winter 2009 von einer Internationalen Sportmesse von München nach Rostock unterwegs war, dachte der Experte für Leichtbaukonstruktion bereits daran, einen Leichtbaustock in Stabbauweise für sportliche Zwecke zu entwickeln. Das Beispiel lieferte, wie so oft, die Natur. In diesem Fall war es der Bambus. Eine Bambusstange weist eine sehr hohe Stabilität und Elastizität auf und hat dabei ein nur geringes Gewicht. Schnell hatte Scharr, der nach seiner Promotion unter anderem beim Airbus-Vorgänger Messerschmidt Bölkow-Blohm GmbH den Bereich Strukturanalyse leitete und 1994 auf den Lehrstuhl für Konstruktionstechnik und Leichtbau an der Rostocker Universität berufen wurde, auf einem Stück Papier und mit Hilfe einiger Formeln die Maße für Abstände und Querschnitte des Stabes errechnet und skizziert.

„Ich war besessen von der Idee und hatte nach zwei Wochen im Labor oder Zuhause den Prototypen eines Walkingstocks gebaut“, erzählt der Professor. Das Besondere: die Stöcke wiegen mit 40 bis 60 Gramm pro Meter weniger als die Hälfte der handelsüblichen Aluminium-Stöcke und weisen eine filigrane aber äußerst stabile Struktur auf. Die von Scharr gebauten Stäbe bestehen aus Karbonfaser-Kunststoff (CFK). Ein Material, das den Wissenschaftler schon beim Diplom und seiner Doktorarbeit beschäftigte und das zunehmend im Flugzeugbau eingesetzt wird. Bei den Spitzen und Griffen greift der Erfinder, der seine Konstruktion mit dem Markennamen „composite bamboo“ schützen ließ, auf namhafte Hersteller zurück. „Ich hoffe, dass ich im Herbst mit der Vorentwicklung und den Labortests fertig bin“, sagt Scharr.

Inzwischen steht die Frage des Vertriebes an. Scharr denkt an eine Ausgründung, die durch die Produktion der Sportgeräte auch Arbeitsplätze schaffen könnte. Er selbst will sich bei der Produktion zurücknehmen, vielleicht als Mitgesellschafter „ein Wörtchen mitreden“. Schon jetzt gebe es viele Interessierte, die die Stöcke gern kaufen wollen, so Scharr. „Es motiviert mich einfach als Forscher, weitere Produkte zu entwickeln und bis zur Marktreife zu führen“, nennt er ein wesentliches Motiv seiner Arbeit.

Der Lehrstuhl von Prof. Scharr befasst sich unter anderem mit dem Bau von Maschinenelementen wie Zahnräder und Federn aus CFK. Künftig sollen in einem neuen Arbeitsbereich auch leichte Sportgeräte entwickelt werden. Schon jetzt sind die von ihm entwickelten filigranen Trekkingstöcker ein Hingucker und bald vielleicht sogar ein Verkaufsschlager.

Kontakt:
Universität Rostock
Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
Telefon: ++49 (0)381 498 1013
E-Mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de
Prof. Gerhard Scharr
Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik
Lehrstuhl für Konstruktionstechnik und Leichtbau
Telefon: ++49 (0)381 498 9190
++49 (0)175 2737944
Mail: gerhard.scharr@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

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