Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Brandstifter auf der Spur

24.10.2012
Über 23.000 Straftaten im Bereich Brandstiftungen wurden 2011 in Deutschland laut der offiziellen Polizeistatistik des Bundesinnenministeriums gezählt.
Jedoch nur rund die Hälfte aller Brandstiftungen kann auch aufgeklärt werden. Liegt Vorsatz vor, sinkt die Aufklärungsquote sogar auf 35 Prozent. Im Nachhinein ist es oftmals sehr schwierig festzustellen, ob es sich um eine Brandstiftung handelt. Zeitnahe Untersuchungen sind notwendig, um mögliche Brandbeschleuniger wie zum Beispiel Benzin auch aufspüren zu können. Dafür müssen am Brandort Proben genommen werden.

Die Methoden zur Probenahme und Analytik wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes in der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung untersucht. Dabei stand das Landeskriminalamt (LKA) Berlin beratend zur Seite.

Für die Brandspurenaufklärung wurden sowohl feste und flüssige als auch gasförmige Brandprodukte chemisch-analytisch untersucht, um so Rückschlüsse auf das Brandszenario zu ziehen.

Durch Labor-Brandversuche, aber auch durch fünf Zimmerbrandversuche, konnten sowohl im Brandrückstand als auch in den Wischproben von den Wänden Brandbeschleuniger nachgewiesen werden. „Die Entnahme von Wischproben von den Wänden ist ein einfach durchzuführendes Anwendungsfeld in der Brandursachenermittlung vor Ort“, sagt die BAM-Brandexpertin Simone Krüger. Um den Brandbeschleuniger zu finden, kam dabei eine kombinierte Methode aus Anreicherung (Headspace Solid-phase Microextraction) und Nachweis (mittels Gaschromatographie und Massenspektrometrie) zum Einsatz.

Um die Nachweisfähigkeit zu erhöhen, nahmen die BAM-Analytiker die Proben in einem bestimmten Vlies auf und überschichteten sie mit Wasser. Wichtig sei es, die Proben zeitnah zu entnehmen: „Die Laboruntersuchungen haben ergeben, dass es bereits nach sechs Stunden schwieriger wird, den Brandbeschleuniger nachzuweisen“, weiß der Chemiker Christian Piechotta zu berichten.

Bei den fünf Zimmerbrandversuchen, die bei der „Gesellschaft für Materialforschung und Prüfungsanstalt für das Bauwesen Leipzig mbH“ (MFPA) in Leipzig durchgeführt wurden, haben die Wissenschaftler verschiedene Szenarien durchgespielt. In den Zimmern, die jeweils mit dem gleichen Mobiliar ausgestattet wurden, kam als Brandbeschleuniger Benzin und Diesel als Gemisch zum Einsatz. Neben dem chemisch-analytischen Nachweis der Brandbeschleuniger wurde bei diesen Bränden auch der Einfluss der Brandbeschleuniger auf den Brandverlauf untersucht.

Zu den ermittelten Kennwerten gehörten die Wärmefreisetzung, die Brandraum- und Rauchgastemperaturen, der Massenverlust und die Zusammensetzung des Rauchgases. Mit den gewonnenen Daten können desweiteren Aussagen über den Temperaturverlauf sowie zur Rauchgastoxizität während eines Zimmerbrandes getroffen werden.

Bei den Versuchen zeigte sich unter anderem, dass der Brandbeschleuniger deutlich die Zeit bis zum „Flashover“ verkürzt. Durch die Hitze des entstehenden Brandes wird das Mobiliar zersetzt. In der Folge entzünden sich die entstehenden Gase schlagartig. Dies ist der sogenannte Flashover, bei dem der Brand von der Entstehungs- in die Vollbrandphase übergeht.

Die Ergebnisse und Daten sollen auch in ein Computermodell einfließen. Denn Computermodelle können einen wesentlichen Beitrag bei der Beurteilung möglicher Brandverläufe leisten. Im Nachhinein ist es oft schwer zu rekonstruieren, wie ein Brand verlaufen ist. Derzeit läuft dazu an der BAM abteilungsübergreifend ein Forschungsprojekt mit dem Ziel, analytische Untersuchungen und numerische Verfahren zur Brandrekonstruktion zu kombinieren. Durch numerische Simulationen kann beurteilt werden, welche Brandverläufe wahrscheinlich sind und welche ausgeschlossen werden können. Hinzugezogen werden für die Computermodelle auch die jüngst bei den Zimmerbrandversuchen gewonnenen Daten, um diese dann mit den Berechnungen zu vergleichen. „Die Arbeiten gehen dabei weit über die gegenwärtig publizierten Ansätze und Ausführungen hinaus und werden im kommenden Frühjahr auf einem gemeinsam mit dem LKA Berlin organisierten Workshop präsentiert“, erklärt Simone Krüger.

Kontakt:
Dr. rer. nat. Simone Krüger
Abteilung 7 Bauwerkssicherheit
E-Mail: simone.krueger@bam.de

Dr. rer. nat. Christian Piechotta
Abteilung 1 Analytische Chemie
E-Mail: christian.piechotta@bam.de

Dr. Ulrike Rockland | idw
Weitere Informationen:
http://www.bam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Ein Wimpernschlag vom Isolator zum Metall
17.04.2018 | Forschungsverbund Berlin e.V.

nachricht Neues Material macht Kältemaschinen energieeffizienter
10.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics