Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biopolymere auf dem Vormarsch

23.01.2013
Am 24. Januar veranstaltet das Potsdamer Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP zum fünften Mal ein Biopolymer-Kolloquium. In diesem Jahr findet die Veranstaltung im Berliner ICC statt. Den Schwerpunkt bilden naturfaserverstärkte Kunststoffe.
Namhafte nationale und internationale Experten aus Industrie und Wissenschaft zeigen zudem die großen Potenziale von Lignin und technischer Stärke auf. Die etwa 80 erwarteten Teilnehmer besuchen im Anschluss den Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft auf der Internationalen Grünen Woche in Halle 5.2a. IAP-Forscher stellen hier neueste innovative Anwendungen aus nachwachsenden Rohstoffen vor.

Natürliche Ressourcen werden immer knapper. Zukünftig wird daher kaum ein Lebensbereich auf die Nutzung nachwachsender Rohstoffe verzichten können. »Die Natur ist effektiver als jede Chemiefabrik. Cellulose, Stärke und Lignin sind faszinierende Biopolymere mit hervorragenden Eigenschaften. Gleichzeitig sind es die am häufigsten vorkommenden nachwachsenden Rohstoffe, gerade auch in unserer Region. Die Herausforderungen und vor allem Chancen für Wissenschaft und Industrie liegen auf der Hand«, so Prof. Dr. Hans-Peter Fink, Institutsleiter des Fraunhofer IAP. In diesem Jahr wird der Physiker für seine Verdienste um die Celluloseforschung mit dem »Anselme Payen Award« der American Chemical Society ACS ausgezeichnet.

Mit Natur- oder Cellulosefasern verstärkte Kunststoffe sind ein Thema des diesjährigen Kolloquiums. Solche Materialien können zum Beispiel für Autoinnenverkleidungen eingesetzt werden. Bisher werden Glasfasern zur Verstärkung verwendet. Jedoch sind diese schwerer als Naturfasern, aufwändig zu verarbeiten und erzeugen Abrieb an den Maschinen. Mit zunehmendem Naturfaseranteil werden die Autos der Zukunft daher in mehrfacher Hinsicht umweltverträglicher.
Zudem spielen aktuelle Produkte und Perspektiven von Materialien auf Ligninbasis eine wesentliche Rolle im Vortragsprogramm. Weitere Vorträge geben neue Einsichten in die Struktur und Eigenschaften stärkebasierter Materialien oder illustrieren, wie neuartige Pilzenzyme zum effizienten Aufschluss von Naturrohstoffen beitragen können.

Die Vortragenden kommen aus den USA (Prof. Wolfgang G. Glasser, Virginia Tech), Frankreich (Dr. Alain Buléon, Groupement de Recherches INRA/CNRS) und Deutschland (Hochschule Lausitz, Johnson Controls Inc., FKuR Kunststoff GmbH, Tecnaro GmbH, Fraunhofer IAP).
Fachlicher Hintergrund:

Lignocellulose und Stärke bilden die wichtigsten nachwachsenden Ausgangsstoffe für die stoffliche Nutzung insbesondere im Kunststoffbereich. Lignocellulose ist dabei ein in Pflanzenzellwänden natürlich vorkommendes Komposit aus Cellulose, Hemicellulosen und Lignin. Letzteres wird durch aufwändige mechanische, thermische und chemische oder biotechnologische Prozesse zunächst aufgetrennt. Es findet z. B. in duromeren Verbundwerkstoffen oder als preiswerter Precursor für Carbonfasern Anwendung.

Cellulosespinnfasern verstärken die Innenverkleidung einer Autotür. © Fraunhofer IAP

Aus Cellulose werden insbesondere Kunstfasern hergestellt. Hemicellulosen können in Bioraffinerien zu niedermolekularen Ausgangsstoffen für biobasierte Kunststoffe zerlegt werden.

Chemisch modifizierte Stärke wird in großem Umfang als Hilfsstoff in der Papierindustrie eingesetzt, kann aber auch zu Thermoplasten verarbeitet werden. Die verstärkte stoffliche Nutzung der genannten Biopolymere ist ein wichtiger Bestandteil der Bioökonomiestrategie der Bundesregierung.

Das Fraunhofer IAP

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam-Golm ist spezialisiert auf Forschung und Entwicklung für das gesamte Spektrum der Polymeranwendungen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Peter Fink unterstützt das Institut Unternehmen und Partner bei der maßgeschneiderten Entwicklung und Optimierung von innovativen und nachhaltigen Materialien, Prozesshilfsmitteln und Verfahren. Neben der umweltschonenden, wirtschaftlichen Herstellung und Verarbeitung von Polymeren im Labor- und Pilotanlagenmaßstab bietet das Institut auch die Charakterisierung von Polymeren an. Synthetische Polymere auf Erdölbasis stehen ebenso im Fokus der Arbeiten wie Biopolymere und biobasierte Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Anwendungsfelder sind vielfältig: Sie reichen von Biotechnologie, Medizin, Pharmazie und Kosmetik über Elektronik und Optik bis hin zu Anwendungen in Verpackungs-, Umwelt- und Abwassertechnik oder der Automobil-, Papier-, Bau-, und Lackindustrie.

Dr. Sandra Mehlhase | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.iap.fraunhofer.de
http://www.iap.fraunhofer.de/de/Veranstaltungen/archiv2013/5_biopolymerkolloquium.html
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2013/Januar/biofliesen-und-waermebestaendige-biopolymere.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Ein Wimpernschlag vom Isolator zum Metall
17.04.2018 | Forschungsverbund Berlin e.V.

nachricht Neues Material macht Kältemaschinen energieeffizienter
10.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics