Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biobasierte Hochleistungsverbundwerkstoffe aus Bingen am Rhein

25.09.2014

Biobasierte Hochleistungsverbundwerkstoffe, die auch den Vergleich mit Kohlenstofffaser-verstärkten Materialien nicht scheuen müssen, dürften schon bald keine Zukunftsmusik mehr sein. Die Biogene Werkstatt, das Labor für nachwachsende Rohstoffe der Fachhochschule Bingen, verfolgt auf diesem Gebiet eine intensive Entwicklung im Hinblick auf eine nachhaltigere Werkstoffwelt.

Aktuell stehen zwei Materialentwicklungen im Fokus der Untersuchungen:


Prof. Türk und sein Team forschen für eine nachhaltigere Werkstoffwelt: v.l.: Björn Helsper, Franziska Beringer, Prof. Dr. Oliver Türk und Lukasz Derwich

Christian Fleischmann, FH Bingen

Zum einen Prototypen eines naturfaserverstärkten, biogenen Kantinentabletts, anhand dessen die Feuchtigkeitsbeständigkeit der wasserliebenden natürlichen Materialien verbessert werden soll. Dies ist nicht nur für Tabletts wichtig, sondern auch für den Fahrzeugbau, weil die Formteile in Fahrzeugen permanent der Umgebungsfeuchte ausgesetzt sind. Am Ende des Projekts werden die prototypischen Tabletts in der Mensa der FH Bingen einem Praxistest unterzogen, bei dem sie auch industriellen Spülprozessen standhalten sollen.

Weiterhin beschäftigt sich das Team der Biogenen Werkstatt mit dem Einsatz schädigungsarm isolierter Bastrindenstreifen von Hanfpflanzen, die so ihre natürlichen mechanischen Eigenschaften voll im Verbundwerkstoff entfalten können. Dadurch werden mechanische Leistungsbereiche zugänglich, die bislang nur von Carbonfasern bekannt sind. Auch dies ist für den Bau neuer, effizienter Fahrzeuge von großer Bedeutung, denn nur mit ökologischen Werkstoffen kann eine ökologische Mobilität realisiert werden.

„Wie immer bei Verbundwerkstoffen ist die Feinabstimmung der komplexen Rezepturen von großer Bedeutung“ weiß Projektleiter Professor Oliver Türk. Dies gilt bei den neuartigen biobasierten Materialien noch mehr, da hier keine jahrzehntelangen Erfahrungen existieren. Die bisherigen Laborergebnisse der neuen Entwicklungen sind jedoch bereits überzeugend.

Beide Projekte gehören zu einer ganzen Reihe von Forschungsvorhaben, die in jüngster Zeit genehmigt worden sind und die zusammen mit der Transferstelle Bingen (TSB) und einem Team begeisterter Ingenieure bearbeitet werden. Der Fokus richtet sich immer auf neue biogene Werkstoffe aus Naturfasern und biogenen Kunststoffen, um so möglichst weitgehend biogene Verbundwerkstoffe entwickeln zu können.

Denn nicht nur die Energiewelt werde immer differenzierter und komplizierter, so der Experte für Biokunststoffe und stellvertretender Leiter der TSB. „Ressourcenschonung und Rohstoffverknappung erzwingt ein Umdenken, insbesondere durch steigende Nachfrage aus den Schwellenländern. Aktuell geht der Trend weg von der Petrochemie und Kohlefasern, hin zu biobasierten Kunststoffen, die mit Naturfasern verstärkt sind. Ausgangsmaterialien möglichst aus heimischer Produktion zur Schaffung regionaler Stoffkreisläufe und lokaler Arbeitsplätze sind der Schlüssel“, weiß der Professor.

Ebenso bedeutend wie die Materialkomposition aus heimischen Pflanzeninhaltsstoffen seien dabei niedrige Emissionen, auch in der Herstellung, energieeffiziente Herstellungsverfahren und umweltschonendes Recycling. Biogene Pflanzenöle beispielsweise zeichnen sich nach der Vernetzung besonders durch niedrige organische Emissionen aus.

Aktuell präsentieren die Binger Ingenieure auf der IAA für Nutzfahrzeuge vom 25. September bis 2. Oktober 2014 in Hannover am Gemeinschaftstand rheinland-pfälzischer Hochschulen eine der Innovationen, die in der nationalen und internationalen Fachwelt Beachtung finden dürfte: Die TSB informiert über die biogenen Hochleistungsverbundwerkstoffe mit unidirektional angeordneten Bastfasern, die schädigungsarm gewonnen werden. Der Werkstoff imponiert durch deutlich bessere mechanische Werte als bislang bekannte biogene duroplastische Verbundwerkstoffe, niedrigste organische Emissionen und eine beeindruckende neuartige Optik.

Umwelt- und Klimaschutz, nachhaltiges Wirtschaften und die Suche nach intelligenten, umweltverträglichen Lösungen prägen die Forschung an der technisch-naturwissenschaftlichen FH Bingen. Vor allem mit Blick auf die Automobilindustrie wollen die Forscher belegen, dass mit naturfaserverstärkten Bauteilen das Fahrzeuggewicht reduziert und ein Beitrag zur Kraftstoffeinsparung geleistet werden kann. Eine möglichst lange werkstoffliche Nutzung vor der anschließenden thermischen Nutzung nachwachsender Rohstoffe (Kaskadennutzung), heißt deshalb die klare Devise im Labor von Dr. Türk.

Kontakt und weitere Informationen:
Fachhochschule Bingen
Professor Dr. Oliver Türk
tuerk@fh-bingen.de

Lehrgebiete:
- Nachwachsender Rohstoffe, biobasierte Werkstoffe
- Energetische Nutzung nachwachsender Rohstoffe
- Verbundwerkstoffe
- Stoffstrommanagement

Vera Hamm | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fh-bingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Wussten Sie, dass Verpackungen durch Flash Systeme intelligent werden?
23.05.2017 | Heraeus Noblelight GmbH

nachricht Bessere Kathodenmaterialien für Lithium-Schwefel-Akkus
17.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften