Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Leinöl bis zum Linoleum - Krefelder Chemiker erforschten die molekulare "Evolution" eines vielseitigen Stoffs

30.03.2007
Wenn von Linoleum die Rede ist, denken die meisten an ihre Schulzeit: Es war dieser typische Duft, der einem im Treppenhaus entgegenschlug.

Aber auch an der Hochschule Niederrhein im Labor für Instrumentelle Analytik riecht es derzeit nach Linoleum, allerdings streng wissenschaftlich. Im Auftrag eines führenden Herstellers von Bodenbelägen in Europa erforscht die Masterstudentin Melissa Erling (26) die molekulare Struktur von Linoleum und seinen Vorstufen. Das Ziel: die Qualität des Rohstoffs und die Produktivität zu verbessern.

Was die einen morgens über ihr Müsli schütten - nämlich Leinsamenkerne -, treten die anderen als Linoleum mit den Füßen. Dazwischen liegen allerdings eine Reihe von Produkten, die beim Leinöl beginnen. Durch Erwärmung und Sauerstoffzufuhr wird es immer konsistenter, bis es die Fließfähigkeit (Viskosität) für die Linoleumherstellung erreicht hat. Von zwölf Zwischenprodukten, als Proben gezogen im Abstand von jeweils einer Stunde, analysierte Melissa Erling nun die molekulare Struktur, wobei sie die Moleküle zur Verfeinerung der Ergebnisse weiter "zertrümmerte". Zur Analyse nutzte sie ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziertes Massenspektrometer im Labor von Prof. Dr. Harald Weber. "Die Erhöhung der Molekülketten und deren Vernetzungen geben Aufschluss über den Grad der Viskosität des Materials", erläutert der Chemiker. Die Produktionstechniker bei Armstrong Floor Products Europe im schwäbischen Bietigheim können ihre Erfahrungswerte nun wissenschaftlich untermauern lassen. Nicht zuletzt kann nach der Masterarbeit die wünschenswerte Qualität des Rohstoffs Leinöl definiert werden.

Zugleich taten sich neue Fragen auf: Wie verändert sich die Viskosität in Abhängigkeit von Temperatur und Produktionszeit? Und warum hat Linoleum bei gleicher Viskosität manchmal andere Eigenschaften? "Mit dieser Masterarbeit haben wir die Tür für 20 weitere aufgestoßen", lächelt Professor Weber. Für Melissa Erling ist die "Reise", die mit dem Studium der Organischen Chemie an der Hochschule und der gleichzeitigen Ausbildung zur Chemielaborantin begann, sich über das Diplom fortsetzte und in Kürze mit dem Master of Science abschließt, vorerst zu Ende. Die Duisburgerin erwartet, dass sie sich mit dem Mastergrad auf dem Arbeitsmarkt erfolgreicher gegen Absolventen von Universitäten durchsetzen kann.

Rudolf Haupt | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-niederrhein.de/

Weitere Berichte zu: Leinöl Linoleum Viskosität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide
20.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Metamaterial: Kettenhemd inspiriert Physiker
19.01.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise