Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Filter aus Metall

02.08.2006
Mikrofilter verstopfen leicht und müssen dann aufwändig gereinigt werden. Ein neuer Filter aus Metallgewebe schüttelt den störenden Belag einfach ab. Er besitzt eine regelmäßige Porenstruktur in definierter Größe und ist haltbarer als herkömmliche Produkte.

Nicht jeder mag trübes Bier wie Hefe-Weizen, manch einer bevorzugt ein klares Pils. Brauer reinigen den Gerstensaft deshalb vor dem Abfüllen von Schwebstoffen. Filter mit einer Porengröße von einem Mikrometer, also einem Tausendstel Millimeter, fangen die unerwünschten Partikel ab. Mikrofiltration heißt das Verfahren und ist längst etabliert. Milch und Trinkwasser beispielsweise werden damit keimfrei gemacht.


Widerstandsfähig und flexibel: das neue Mikrosieb mit 6,5 Mikrometer Lochdurchmesser. © Fraunhofer UMSICHT

Doch die klassischen Filter haben Nachteile: Die Partikel sammeln sich auf der Filteroberfläche und verringern den Durchfluss. Von Zeit zu Zeit ist eine Reinigung fällig, bei der die Produktion still steht. Ein weiteres Problem: Filter mit exakter Porengröße sind selten. Die Materialien - beispielsweise mit Kunststoffen beschichtete Vliese, Keramiken oder der feinporige Naturstoff Kieselgur - haben Löcher mit unterschiedlichen Durchmessern. Das macht es unmöglich, gezielt Partikel einer bestimmten Dicke aus den Flüssigkeiten zu entfernen.

Forscher vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen entwickeln einen ganz neuen Filtertyp. Dieser lässt sich während des Betriebs kontinuierlich reinigen und mit Poren exakt gleicher Größe ausstatten. Sein Durchfluss, die so genannte Permeatleistung, ist außerdem bis zu zehn mal größer als bei herkömmlichen Schmutzbarrieren.

Der Grund: Der neue Filter besteht aus hauchdünnem Metallgewebe mit sehr glatter Oberfläche, das leicht von den Flüssigkeiten durchströmt wird. Um das wohlgeordnete Metallgitter herzustellen, nutzen die Forscher Mikrostempel, auf denen sie das Metall hauchdünn abscheiden. Je nach Stempel-Struktur lässt sich dieser Metallschicht ein anderes Lochmuster aufprägen. Herkömmliche Filtermaterialien sind deutlich weniger geordnet.

Da der Metallfilter auch sehr viel widerstandsfähiger und flexibler ist als die klassischen Filtersubstanzen, lässt er sich durch mechanische Schwingungen reinigen. Der störende Belag verschwindet von der Filteroberfläche, noch ehe die Permeatleistung absinkt. "Keramiken würden bei einer solchen mechanischen Belastung zerstört werden", sagt Josef Robert, Projektleiter bei UMSICHT. Auch Vliese sind für eine solche Behandlung meist nicht robust genug. Zudem sinkt ihre Permeatleistung im Laufe der Zeit, da sich das Vlies mit Partikeln zusetzt. Derzeit arbeiten Robert und seine Kollegen daran, Trägerstoffe für das Metallgewebe zu testen und das Verfahren an unterschiedliche Anwendungen und Anlagengrößen anzupassen.

Marion Horn | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2006/08/Mediendienst82006Thema6.jsp

Weitere Berichte zu: Filter Metall Metallgewebe Partikel Permeatleistung Vlies

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen
23.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

nachricht Ein Wimpernschlag vom Isolator zum Metall
17.04.2018 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics