Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Werkstoff-Forschung für die Zukunft: Neue Fraunhofer-Projektgruppe in Bayreuth

22.06.2006
Die Universität Bayreuth und das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg gründen eine gemeinsame Projektgruppe in Bayreuth, die sich dem Zukunftsthema Hochtemperatur-Leichtbau widmen wird. Am 22. Juni übergibt Hans Angerer, Regierungspräsident von Oberfranken, den Bewilligungsbescheid an Prof. Walter Krenkel, der die Projektgruppe in Bayreuth aufbaut.

Leichtbau spart Energie: Je weniger Gewicht bewegt wird, desto geringer ist der Energieverbrauch. Besonders in der Luft- und Raumfahrt spielt Gewicht eine entscheidende Rolle. Die leichten und extrem belastbaren faserverstärkten Keramiken werden mittlerweile auch von der Automobilindustrie als Material für hochbelastete Bauteile in Kupplungen und als Bremsscheiben in Fahrzeugen der Spitzenklasse eingesetzt. Die Hochtemperaturbeständigkeit dieser Werkstoffe erlaubt eine Fülle weiterer Anwendungen. Doch erst, wenn keramische Verbundwerkstoffe kostengünstig hergestellt werden können, wird sich ein Massenmarkt erschließen: beispielsweise bei der Fertigung hochleistungsfähiger, temperatur- und korrosionsbeständiger Motoren und Turbinen.

Die Herstellung keramischer Verbundstrukturen erfordert enormes technologisches Know-how: Die Materialeigenschaften lassen sich durch Zugabe bestimmter Fasermaterialien verändern – Schadenstoleranz, Lebensdauer, Bruchfestigkeit und Hitzebeständigkeit können auf diese Weise gezielt an die Einsatzbedingungen angepasst werden. Die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung unter der Leitung von Prof. Gerhard Sextl verfügen über langjährige Erfahrung bei der Entwicklung von temperaturbeständigen Fasern. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern der Universität Bayreuth wollen sie jetzt die Entwicklung keramischer Verbundwerkstoffe forcieren und neue Anwendungsfelder erschließen.

Die Leitung der neuen »Fraunhofer-Projektgruppe Keramische Verbundstrukturen« übernimmt Prof. Walter Krenkel, Inhaber des Lehrstuhls für Keramische Werkstoffe der Universität Bayreuth. »Der Hochtemperatur-Leichtbau auf der Basis keramischer Verbundwerkstoffe hat ein enormes Zukunftspotenzial«, so Krenkel. »Die Kompetenzen der Würzburger und Bayreuther Wissenschaftler in unserem Team ergänzen sich hervorragend. Gemeinsam können wir alle Arbeitsschritte in industrienahem Maßstab abbilden und marktfähige und innovative Produkte entwickeln.«

»Die Universität Bayreuth, eine im Bereich Werkstoffwissenschaften renommierte Hochschule, ist ein hervorragender Partner für Fraunhofer«, urteilt Dr. Ulrich Buller, Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft. »Der Hochtemperatur-Leichtbau ist hier ein Forschungsschwerpunkt. Eine Kooperation liegt damit auf der Hand. Gleichzeitig demonstriert die Gründung der Projektgruppe in Bayreuth aber auch das zunehmende Engagement der Fraunhofer-Gesellschaft in Oberfranken – einer für die angewandte Forschung attraktiven Region, da sie über ausgezeichnete Bildungseinrichtungen und eine hohe Industriedichte verfügt.«

Die neue Projektgruppe des ISC ist zusätzlich in den Fraunhofer-Verbund Werkstoffe, Bauteile eingebunden, in dem die Kompetenzen von zwölf Fraunhofer-Instituten zusammenfließen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit bietet zusätzlich der Fraunhofer-Themenverbund Hochleistungskeramik, dem sieben Fraunhofer-Institute mit unterschiedlichen Kompetenzen in keramischen Technologien, Produktionstechnik, Werkstoffmechanik, Betriebsfestigkeit und zerstörungsfreien Prüfverfahren angehören.

Unterstützt wird die Projektgruppe vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, das für die ersten fünf Jahre eine Anschubfinanzierung von 6,4 Millionen Euro bereitstellt. Eine Investition in die Zukunft, davon sind die Technologie-Strategen überzeugt: Allein auf dem Reibbelags- und Bremsscheibenmarkt – für PKW, Schienenfahrzeugenund Förderanlagen – werden mit keramischen Verbundwerkstoffen bereits heute Millionenumsätze erzielt. Das größte Zukunftspotenzial liegt jedoch in neuen Komponenten für die Energie- und Antriebstechnik, beispielsweise für Gasturbinen und in Verbrennungsanlagen.

Prof. Dr.-Ing. Walter Krenkel | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.isc.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Clevere Folien voller Quantenpunkte
27.03.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Europäisches Exzellenzzentrum für Glasforschung
17.03.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE