Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Technologie für kanadische Ölprinzen

15.12.2004


Im Zusammenhang mit der Gewinnung von Erdöl aus Ölsanden entsteht in Kanada zur Zeit eine der weltweit größten Rauchgasentschwefelungsanlagen. Ein von ThyssenKrupp entwickelter Hochleistungswerkstoff erwies als der beste Kandidat, um den harschen Betriebsbedingungen Paroli zu bieten.



Wer hätte das vermutet? Die größten Ölvorkommen der Erde befinden sich erstaunlicherweise nicht in Saudi Arabien, sondern in Kanada. Konkret handelt es sich um die Athabasca Oil Sands in Alberta. Hier und in der Umgebung liegen Schätzungen von Experten zufolge 48 Billionen Liter Öl in der Erde. Das ist mehr als alle bekannten Reserven in Saudi Arabien zusammen. Doch während in der Golfregion das schwarze Gold mitunter aus der Erde sprudelt, muß in Kanada hart geschaufelt werden. Denn anders als das herkömmliche reine Öl ist der ölige Sand eine Mischung aus Bitumen, Sand, Wasser und Lehm. Riesige Maschinen holen das wertvolle Gemisch aus der Erde. Aus einer Tonne Ölsand gewinnen die “kanadischen Ölscheichs” etwa 80 Liter Öl.



Nur mit Hilfe innovativer Technologien läßt sich dieses gewaltige Potenzial effizient erschliessen. Ein Projekt der Superlative ist die Rauchgasentschwefelung für das für das Erweiterungsprojekt UE1 der Syncrude Canada Ltd. Das Unternehmen ist der weltweit größte Produzent von Öl aus Ölsanden und wird mit der Erweiterung seine Jahresproduktion von derzeit 90 auf 130 bis 135 Millionen Barrel im Jahr 2005 steigern. Die Rauchgasentschwefelungsanlage, die im Rahmen des Erweiterungsprojekts gebaut wird, zählt zu den weltweit größten ihrer Art.

Das ist aber nicht die einzige Besonderheit dieser Anlage. So kommt in der Anlage ein von ThyssenKrupp VDM patentierter Hochleistungswerkstoff – der Nickelbasis-Werkstoff Nicrofer 5923 hMo, auch Alloy 59 genannt – zum Einsatz. “Für das Material wird es einen stark wachsenden Bedarf geben”, prophezeit Dr. Helena Alves vom technischen Marketing der ThyssenKrupp VDM GmbH. Nach aktuellen Schätzungen werde die Ölgewinnung aus Ölsanden bis 2010 von gegenwärtig rund 600.000 auf etwa 2.2 bis 2.4 Millionen Barrel pro Tag ansteigen.

Ausschlaggebend für die Materialauswahl waren diverse Belastungstests. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden diverse Modelllösungen entwickelt, um die Korrosionsbedingungen in Rauchgasentschwefelungsanlagen zu simulieren. Bei diesen Tests hat sich Alloy 59 als der beständigste Werkstoff erwiesen. Beim Syncrude-Projekt leistet Alloy 59 einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung des nordamerikanischen Kontinents, zum Umweltschutz durch Vermeidung giftiger Schwefeldioxidemissionen und für die Produktion von Düngemitteln für die Landwirtschaft. Aufgrund seiner universellen Korrosionsbeständigkeit bewährt sich der Werkstoff außerdem seit langem in der chemischen Industrie. Typische Einsatzbereiche sind hier Komponenten in organischen Synthesen mit chloridhaltigen Katalysatoren sowie Reaktoren und Wärmetauscher insbesondere in heißen chloridhaltigen Mineralsäuren.

Rolf Froböse | Rolf Froböse
Weitere Informationen:
http://www.thyssenkrupp-steel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Quantenanomalien: Das Universum in einem Kristall
21.07.2017 | Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe

nachricht Projekt »ADIR«: Laser bergen wertvolle Werkstoffe
21.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten