Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Katalysatoren aus ungewöhnlichen Materialmischungen

09.12.2003


Chemiker der Universität Jena beenden Verbundprojekt erfolgreich und suchen jetzt Praxispartner



Saubere Luft wird immer wichtiger - im Büro ebenso wie in der Fabrikhalle. Nicht zuletzt die Bestimmungen der Europäischen Union verschärfen die Anforderungen an die Abgasreinigung. Als Konsequenz müssen neue Katalysatoren entwickelt und gebaut werden. Diesem Thema widmet sich u. a. das vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderte Programm "Innovative regionale Wachstumskerne - Netzwerk für innovative Oberflächentechnik und Anlagenbau" (NOA). An NOA sind auch Chemiker der Friedrich-Schiller-Universität Jena beteiligt. Den Forschern vom Institut für Technische Chemie und Umweltchemie ist es in ihrem Projekt gemeinsam mit fünf Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft in den letzten zwei Jahren gelungen, neue Katalysatormaterialien mit herausragenden Eigenschaften zu entwickeln. Am Donnerstag (11.12.) werden sie diese gewonnenen Erkenntnisse erstmals den Verantwortlichen vom BMBF präsentieren.



Über 40 Katalysatormaterialien sind in den letzten beiden Jahren im Rahmen des Teilprojekts "Selox" (Selektivoxidation), das mit 230.000 Euro alleine in Jena gefördert wurde, untersucht worden. "Wir haben dabei methodisches Neuland betreten", betont Dr. Peter Scholz. "Bis zu sechs Metallkomponenten werden jetzt in einem Katalysator verwendet", sagt der Jenaer Chemiker. Üblicherweise werden höchstens zwei Metallkomponenten eingesetzt. Die neuen Materialmischungen, die ausgiebig am Jenaer Institut getestet wurden, ermöglichen den Bau von Katalysatoren, die "technische Prozesse der Selektiv- und Totaloxidation mit besseren Umsätzen und Ausbeuten als bisher durchführen", resümiert Projektleiter Prof. Dr. Bernd Ondruschka.

Die Katalysatoren aus faserartigem oder kugelförmigem Material sollen als mobile wie als stationäre Anlagen in vielen Anwendungsbereichen eingesetzt werden können. "Ozonentfernung im Büro ist ebenso denkbar wie die Abgasreinigung in einer Müllverbrennungsanlage oder in einer Fabrikhalle", nennt Dr. Scholz Beispiele.

Produziert werden die neuen Katalysatormaterialien beim Dresdener Projektpartner, dem Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung, in einem eigens entwickelten Schmelzextraktionsprozess. Dieser erlaubt nicht nur die Herstellung von Legierungen, sondern auch von "eingefrorenen" Schmelzen, die mit Hilfe klassischer Verfahren bisher nicht produzierbar sind. All diese neuen Materialien wurden im Jenaer Institut auf ihre Wirksamkeit u. a. bei der Abgasreinigung getestet. Auch Selektivoxidationen - bei denen ein Ausgangsstoff höher veredelt wird - führten mit den neuen Materialien zu hervorragenden Ergebnissen. Dies untersuchten die Jenaer Chemiker für die Umwandlung von Propan zu Propen und von Alkoholen zu Ketonen. "In allen Fällen zeigen diese Katalysatoren gleich gute oder bessere Eigenschaften als eingeführte technische Produkte", fasst Prof. Ondruschka die Ergebnisse zusammen.

Für die Einführung der neuen Materialien in den Katalysatorbau gehen die Chemiker von der Jenaer Universität nun auf Partnersuche. Neben den bisherigen Erkenntnissen können sie in die künftige Partnerschaft auch zwei Patentanmeldungen einbringen. "Unsere weitere Aufgabe ist es", betont Prof. Ondruschka, "über Langzeittests zu ermitteln, ob die Katalysatoren auch für Unternehmen von Interesse sind". Doch der Instituts-Direktor ist "guter Hoffnung. Und wenn unsere Erwartungen in den kommenden Tests untermauert werden, dann könnten durch die neuen Katalysatoren auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden".

Kontakt:
Prof. Dr. Bernd Ondruschka
Institut für Technische Chemie und Umweltchemie der Universität Jena
Lessingstr. 12, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948400, Fax: 03641 / 948402
E-Mail: bernd.ondruschka@uni-jena.de

Axel Burchardt | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Europäisches Exzellenzzentrum für Glasforschung
17.03.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Vollautomatisierte Herstellung von CAD/CAM-Blöcken für kostengünstigen, hochwertigen Zahnersatz
16.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise