Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trainingswissenschaftler der Universität Jena starten Kooperationsprojekt für intelligente Textilien

14.03.2008
Sensoren zum Anziehen

Für Leistungssportler gehören sie zum Trainingsalltag: unterschiedliche Methoden der Leistungsdiagnostik, die Aufschluss über Kondition und Trainingserfolge der Athleten geben. Und so zieht der Sportler auf einem Laufband seine Bahn, während Sensoren in einem Brustgurt die Herzfrequenz messen, ein Spirometer seine Lungenfunktion beurteilt und ihm alle paar Minuten etwas Blut aus dem Ohrläppchen entnommen wird, um seine Laktatwerte zu bestimmen.

Diese Art der Leistungsdiagnostik könnte jedoch bald schon der Vergangenheit angehören. "Die Analyse solcher Parameter und vieler anderer werden künftig vor allem intelligente Bekleidungsstücke übernehmen, die unterschiedlichste Sensoren in ihre Fasern integriert haben", sagt PD Dr. Sven Michel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Trainingswissenschaftler beobachtet derzeit eine rasante Entwicklung im Bereich der Sensortechnik und der dazu gehörenden Software. Diese in praxistaugliche Produkte umzusetzen, ist Ziel eines Forschungs- und Entwicklungsprojektes, das Dr. Michel und sein Team gerade gemeinsam mit der Jenaer SOMAG AG und der Chemnitzer Admedia-Klinik starten. "Wir wollen Hightechsensoren in verschiedene funktionelle Bekleidungsstücke einsetzen und in unterschiedlichen Einsatzbereichen testen. Zudem können wir die Textilien mit einer neuartigen Technologie ausstatten, damit sie Kälte, Wärme oder beides gleichzeitig an verschiedenen Körperregionen über mehrere Stunden produzieren", so Projektleiter Michel.

Die Trainingswissenschaftler der Jenaer Universität denken dabei nicht nur an einen möglichen Einsatz derartiger Funktionskleidung im Leistungsport. So seien "intelligente Textilien" auch für den Wellness- und Fitnessbereich, vor allem aber beim Monitoring von Säuglingen, Patienten und älteren Menschen geeignet. "Denken Sie zum Beispiel an verschiedene Risikogruppen, Suchtpatienten oder an Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen", macht Dr. Michel deutlich. "Mit Hilfe eines intelligenten Unterhemdes etwa ließen sich kontinuierlich Herz- und Lungenaktivität messen, ausgewählte Bestandteile des Schweißes analysieren und telemetrisch an den zuständigen Arzt oder ein Gesundheitsteam übermitteln." Auf diese Weise würde der Zustand der Betroffenen einerseits permanent überwacht, während diese andererseits ein relativ unabhängiges Leben führen könnten. "Wenn sie so wollen, ist das ein direkter Beitrag, um von der reaktiven, kostenintensiven hin zur prospektiven, individuell ausgerichteten Medizin zu kommen", führt Dr. Michel fort.

Bedingt durch die demografische Entwicklung in Deutschland und in den meisten anderen Industriestaaten gibt es nach Ansicht der Jenaer Forscher in diesem Bereich einen rasch wachsenden Bedarf. In ihrem Projekt wollen sie daher nicht nur intelligente Textilien entwickeln und deren Einsatzfähigkeit testen. "Uns geht es auch um die Alltagstauglichkeit dieser Bekleidung, wobei Mode und Design eine entscheidende Rolle spielen", so Dr. Michel. Letztlich seien es diese Kriterien die entscheiden, ob sich die sensorgespickten Textilien auf dem Markt durchsetzen können.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen e. V. geförderte Vorhaben ermöglicht es den Trainingswissenschaftlern und ihren Kooperationspartnern vorerst in den kommenden zwei Jahren, drei Wissenschaftler und drei Ingenieure einzustellen. Hinzu kommt die vollständige Übernahme der immensen Entwicklungskosten durch die SOMAG AG Jena und ihre Partner. Doch auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs biete das Projekt gute Chancen. "Wir können interessierten Schülern, Studierenden, Diplomanden und Forschungsgruppen eine Vielzahl interessanter Forschungsthemen und Anknüpfungspunkte bieten", so Dr. Michel. Interessenten können sich dazu gern bei ihm melden.

Kontakt:
PD Dr. Sven Michel
Institut für Sportwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Seidelstraße 20, 07749 Jena
Tel.: 03641 / 945673
E-Mail: sven.michel[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Leistungsdiagnostik Trainingswissenschaftler

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen
27.06.2017 | Fraunhofer IFAM

nachricht Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter
23.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Designte Proteine gegen Muskelschwund

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Benzin und Chemikalien aus Pflanzenresten

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hochleitfähige Folien ermöglichen großflächige OLED-Beleuchtung

29.06.2017 | Energie und Elektrotechnik