Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Belastbarkeit von Kunststoffbauteilen einfach, schnell prüfbar: Software analysiert Faserverteilung

06.03.2014

Ähnlich wie bei guten Immobilien heißt es auch bei Glas- und Kohlefasern: „Auf die Lage kommt es an“, ganz besonders, wenn sie Kunststoffbauteile verstärken. Dank ihrer hervorragenden Eignung für den Leichtbau übernehmen diese Werkstoffe immer häufiger die Rolle von Metallbauteilen. Sie haben nicht nur ein geringeres Gewicht, auch ihre Herstellung im Spritzgussverfahren ist sehr effizient und lässt gestalterisch viele Freiheiten. Allerdings hängen die mechanischen Eigenschaften dieser Materialkombination von Lage, Länge und Ausrichtung der Fasern ab. Das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit hat eine Software zur raschen Beurteilung dieser Fasern entwickelt.

Soll das Material mechanisch hoch beansprucht werden, ist es wichtig, diese Eigenschaften zu kennen, um die Belastungsgrenzen verlässlich vorhersagen zu können. Die Qualität von Simulationsrechnungen des Herstellungsprozesses reicht bei komplexen Bauteilen nicht in allen Bereichen aus, so dass Messungen zur Absicherung notwendig sind.


Visualisierung eines STL-Datensatzes erkannter Fasern.

Grafik: Fraunhofer LBF

Die eigen entwickelte Software des Fraunhofer LBF generiert aus Röntgen-Computertomografien die für eine mechanische Charakterisierung notwendigen Informationen über die Faserverteilung, dazu gehören Lage, Ausrichtung und Länge der Fasern. Neben der Robustheit des Algorithmus kam es den Wissenschaftlern bei der Entwicklung der grafischen Benutzeroberfläche vor allem auf einfache Bedienbarkeit an.

In den meisten Fällen benötigt der Anwender nur drei Angaben direkt aus dem Materialdatenblatt des Herstellers. Alle weiteren Schritte bis hin zum fertigen Bericht erfolgen automatisch. Der Bericht enthält ortsaufgelöste quantitative Informationen über Faserhäufungen, Faserlängenverteilungen und Faserorientierungsverteilungen als Komponenten zwei- und vierstufiger Orientierungstensoren in Form von Diagrammen, Tabellen und als importierbare Dateien.

Zusätzlich liegen die Faserdaten als CAD-Datei vor. Zurzeit verwendet das Fraunhofer LBF die Software für Dienstleistungen und testet darüber hinaus deren Bedienbarkeit. Künftig soll es auch möglich sein, Lizenzen der Software zu erwerben.

Je nach Qualität der Aufnahme lassen sich Proben bis zu einem Fasergewichtsanteil von 50 Prozent analysieren. Werden handelsübliche Tischgeräte wie Mikrocomputer-Tomographen mit Auflösungen im Bereich bis zu drei Mikrometer zur Aufnahme der Tomographiebilder verwendet, so sind Analysen von Proben bis zu einem Fasergewichtsanteil von 30 Prozent möglich.

Über den Forschungsbereich Kunststoffe im Fraunhofer LBF:

Mit dem Forschungsbereich Kunststoffe, hervorgegangen aus dem Deutschen Kunststoffinstitut DKI, begleitet und unterstützt das Fraunhofer LBF seine Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Polymersynthese über den Werkstoff, seine Verarbeitung und das Produktdesign bis hin zur Qualifizierung und Nachweisführung von komplexen sicherheitsrelevanten Leichtbausystemen. Der Forschungsbereich ist spezialisiert auf das Management kompletter Entwicklungsprozesse und berät seine Kunden in allen Entwicklungsstufen. Hochleistungsthermoplaste und Verbunde, Duromere, Duromer-Composites und Duromer-Verbunde sowie Thermoplastische Elastomere spielen eine zentrale Rolle. Der Bereich Kunststoffe ist ein ausgewiesenes Kompetenzzentrum für Additivierungs-, Formulierungs- und Hybrid-Fragestellungen. Umfassendes Know-how besteht in der Analyse und Charakterisierung von Kunststoffen und deren Veränderung während der Verarbeitung sowie in der Methodenentwicklung zeitaufgelöster Vorgänge bei Kunststoffen.

Weitere Informationen:

http://www.lbf.fraunhofer.de/de/kunststoffe.html

Anke Zeidler-Finsel | Fraunhofer-Institut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung
14.12.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Warum Teige an Oberflächen kleben
14.12.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mitochondrien von Krebszellen im Visier

14.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Grazer Forscher stellen Methode zur dreidimensionalen Charakterisierung vulkanischer Wolken vor

14.12.2017 | Geowissenschaften

Leibniz-Preise 2018: DFG zeichnet vier Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftler aus

14.12.2017 | Förderungen Preise