Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bahnbrechende Entdeckung an der TU Hamburg: Die Natur macht das beste Materialdesign

28.11.2012
Auf der Suche nach neuen Materialien haben Forscher der TU Hamburg eine weitreichende Entdeckung gemacht: Ihnen gelang der Nachweis, dass die Steifigkeit kristalliner Metalllegierungen in dem von der Natur vorgegebenen Zustand am höchsten ist. Anders gesagt: Es gibt auf diesem Sektor nichts, was besser ist als die Natur.

Mit diesem Ergebnis wird die weltweite Suche nach neuen steifen Materialien zumindest auf dem Gebiet der kristallinen Metalllegierungen in Frage gestellt. Die am Institut für Keramische Hochleistungswerkstoffe gewonnenen Erkenntnisse sind in der heute erscheinenden Ausgabe der Fachzeitschrift „nature“ Gegenstand eines vierseitigen Berichts.

Der von Professor Stefan Müller sowie den Ko-Autoren Sascha Maisel und Michaela Höfler eingereichte Beitrag „A canonical stability/elasticity relationship verified for one million face-centred-cubic structures“ wurde auf Anhieb publiziert – und sogar kommentiert. Der Kommentator, der US-amerikanische Physiker Gus L. W. Hart von der Brigham Young University, erwähnt in seinem Beitrag „Substitution with vision“ unter anderem die US-amerikanische Forschungsinitiative „Materials Genome Initiative“ von Präsident Obama, in deren Mittelpunkt die Optimierung der Eigenschaften funktionaler Materialien steht. Die Hamburger haben „einen wesentlichen Beitrag geleistet, um diesem Ziel näherzukommen,“ schreibt Hart. „nature“-Kommentare, in denen Experten Beiträge bewerten, gelten in Wissenschaftskreisen als festes Indiz für die große Bedeutung eines Forschungsergebnisses.

Wissenschaftler suchen weltweit händeringend nach neuen Materialien, von denen sie sich neue Funktionen versprechen. Ob Keramik, Kunststoff oder kristalline Metalllegierungen – stets geht es darum, Eigenschaften zu entdecken, die entweder über das hinausgehen, was die Natur liefert oder wo die Natur das Vorbild ist. Auch die TU Hamburg sucht in ihrem Sonderforschungsbereich „Maßgeschneiderte, multiskalige Materialsysteme“ nach neuen Materialien mit bis dato nicht dagewesenen Funktionen. In diesem Rahmen ist auch die Forschergruppe um Professor Müller angesiedelt, die sich speziell mit Zusammenhängen zwischen energetischen (atomare Ebene) und mechanischen Eigenschaften wie der Steifigkeit von Materie beschäftigt.

Die Idee, in einem Material durch eine veränderte Zusammensetzung der Komponenten neue Eigenschaften zu generieren, ist uralt und reicht bis in die Bronzezeit. Seit den 60er-Jahren ergänzen Computersimulationen die klassischen Versuche. Egal, welches Verfahren zum Tragen kam, stets beschränkten sich die Untersuchungen auf einzelne Materialien. Die Hamburger Forscher hingegen haben von vorneherein ihre Studie einer ganzen Materialklasse gewidmet: den kristallinen Metalllegierungen.

In ihrem Fokus waren vier verschiedene Metalllegierungen: Nickel-Aluminium, Kupfer-Aluminium, Nickel-Wolfram und Nickel-Tantal. Über eine Million verschiedener atomarer Anordnungen hatten die Wissenschaftler dabei berechnet. Das Ergebnis war eindeutig und lässt sich auf die wichtigsten kristallinen Metalllegierungen übertragen. Je nach Anordnung der Atome ändert sich die Steifigkeit eines Materials. „Es hat sich gezeigt, je stabiler eine solche atomare Anordnung, desto steifer ist diese,“ sagt Müller. Außerdem wurde festgestellt, dass die Stabilität in einem direktem Verhältnis zur Steifigkeit steht, anders gesagt, wenn das Material halb so stabil ist, ist es auch halb so steif. „Die Anordnung mit der niedrigsten Energie hat die höchste Steifigkeit,“ sagt Maisel. Die Natur versuche stets, den Zustand der minimalsten Energie zu erreichen.

Neun Monate nahmen die numerischen Berechnungen und die systematische Auswertung der riesigen Datenbasis in Anspruch. „Dann lag das Ergebnis klar auf dem Tisch,“ sagt Maisel, der federführend die Berechnungen durchführte. Der studierte Physiker, Erstautor des „nature“-Beitrages, promoviert zum Thema am Institut für Keramische Hochleistungswerkstoffe bei Professor Stefan Müller und wurde in seiner Arbeit von Michaela Höfler unterstützt. Noch mitten im Bachelorstudium hat sich die angehende Schiffbauingenieurin für die Material-Modellierung mittels quantenmechanischer Ansätze interessiert und im Institut engagiert.

Die Ergebnisse werfen eine Vielzahl weiterführender Fragen auf, wie etwa: Wie weit lassen sich die Ergebnisse auch auf andere Materialtypen übertragen? Was passiert bei Systemen, die nicht wie die kristallinen Metalllegierungen aus zwei, sondern aus drei und vier Atomarten bestehen? Nicht zuletzt stellt sich aus technischer Sicht die Frage, ob aufgrund der Ergebnisse die Suche nach synthetischen Materialien mit höherer Steifigkeit für wirklich jedes Material sinnvoll ist.

Die Materialforscher an der TUHH hatten erst vor Kurzem mit einer Entdeckung schon einmal Aufsehen erregt, als das Team um Professor Karl Schulte die Entdeckung des leichtesten Werkstoffs der Welt bekanntgab. Das mit Wissenschaftlern aus Kiel entwickelte Aerographit ist stabil und dennoch verformbar sowie elektrisch leitfähig.

Für Rückfragen:

TU Hamburg
Institut für Keramische Hochleistungswerkstoffe
Prof. Dr. rer. nat. Stefan Müller/Sascha Maisel
Tel.: 040/ 42878-3137/3644
E-Mail: stefan.mueller@tuhh.de
E-Mail: sascha.maisel@tuhh.de
TU Hamburg
Pressesprecherin
Jutta Katharina Werner
Tel.: 040/ 42878-4321
E-Mail: j.werner@tuhh.de

Jutta Katharina Werner | idw
Weitere Informationen:
http://www.tuhh.de/gk/welcome.html
http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature11609.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Forschernachwuchsgruppe am IfBB startet in die zweite Projektphase
28.08.2015 | Hochschule Hannover

nachricht Natriumionenakkumulatoren für intelligente Netze?
28.08.2015 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrofahrzeuge kabellos laden und entladen

Über ein kabelloses Ladesystem können Elektroautos künftig nicht nur tanken, sondern die Energie ins Stromnetz zurückspeisen. Auf diese Weise helfen sie das Netz zu stabilisieren. Das kostengünstige Ladesystem erreicht hohe Wirkungsgrade – über den vollen Leistungsbereich von 400 Watt bis 3,6 Kilowatt. Die Abstände zwischen Auto und Ladespule können bis zu 20 Zentimeter be- tragen. Auf der Internationalen Automobil Ausstellung IAA in Frankfurt stellen Fraunhofer-Forscher den Prototyp vom 15. bis 18. September 2015 vor (Halle 4, Stand D33).

Es regnet in Strömen. Wer jetzt ein dickes unhandliches Kabel zwischen Elektrofahrzeug und Ladesäule einstecken muss, wird patschnass. Doch es nützt nichts,...

Im Focus: Increasingly severe disturbances weaken world's temperate forests

Longer, more severe, and hotter droughts and a myriad of other threats, including diseases and more extensive and severe wildfires, are threatening to transform some of the world's temperate forests, a new study published in Science has found. Without informed management, some forests could convert to shrublands or grasslands within the coming decades.

"While we have been trying to manage for resilience of 20th century conditions, we realize now that we must prepare for transformations and attempt to ease...

Im Focus: Meeresinseln als Heimat einmaliger Pflanzenarten

Warum leben in manchen Ökosystemen auffallend viele, in anderen Ökosystemen nur wenige Pflanzenarten? Wie kommt es, dass einige Arten jeweils nur in einer bestimmten, klar abgrenzbaren Region der Erde zuhause sind? Mit diesen Fragen hat sich Dr. Manuel Steinbauer in einer Reihe wissenschaftlicher Studien an der Universität Bayreuth befasst. Für seine Forschungsarbeiten wird der Bayreuther Ökologe, der zurzeit als Postdoc an der dänischen Universität Aarhus forscht, mit dem diesjährigen Wilhelm Pfeffer-Preis der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) ausgezeichnet. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Wenn es darum geht, den Gründen für die Verbreitung pflanzlicher Arten auf die Spur zu kommen und theoretische Erklärungsansätze zu überprüfen, sind...

Im Focus: OU astrophysicist and collaborators find supermassive black holes in quasar nearest Earth

A University of Oklahoma astrophysicist and his Chinese collaborator have found two supermassive black holes in Markarian 231, the nearest quasar to Earth, using observations from NASA's Hubble Space Telescope.

The discovery of two supermassive black holes--one larger one and a second, smaller one--are evidence of a binary black hole and suggests that supermassive...

Im Focus: Optische Schalter - Lernen mit Licht

Einem deutsch-französischen Team ist es gelungen, einen lichtempfindlichen Schalter für Nervenzellen zu entwickeln. Dies ermöglicht neue Einblicke in die Funktionsweise von Gedächtnis und Lernen, aber auch in die Entstehung von Krankheiten.

Lernen ist nur möglich, weil die Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn fortwährend umgebaut werden: Je häufiger bestimmte Reizübertragungswege...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Frankfurter Hochhausfassadentage 2015: Frankfurt UAS veranstaltet Symposium und Hochhausführung

31.08.2015 | Veranstaltungen

Erreger unter Superlupen – Aufbruch in unsichtbare Welten

31.08.2015 | Veranstaltungen

Fehlermeldungen des Gehirns auf der Spur

31.08.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fehlgeleitete Galileo-Satelliten für Forschungsmission freigegeben

31.08.2015 | Geowissenschaften

Frankfurter Hochhausfassadentage 2015: Frankfurt UAS veranstaltet Symposium und Hochhausführung

31.08.2015 | Veranstaltungsnachrichten

Siemens-Lösungen unterstützen Diagnose und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen

31.08.2015 | Messenachrichten