Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie intelligente Systeme die Arbeitswelt verändern

27.10.2015

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, kurz BMBF, unterstützt den Aufbau einer RWTH-Arbeitsgruppe, die das Zusammenspiel zwischen sozialen und technischen Innovationen untersucht. Das Projekt unter der Leitung von Dr. Yves-Simon Gloy vom Institut für Textiltechnik, kurz ITA, erhält innerhalb von fünf Jahren 2,5 Millionen Euro.

In einer Halle des Instituts für Textiltechnik, kurz ITA genannt, rattern mehrere Webmaschinen. An ihnen werden viele technische Details und Vorgänge getestet, auch die Steuerungen. Dr.-Ing. Yves-Simon Gloy demonstriert an einer Maschine die bisher gängige Bedienung. Hier müssen erst vielfach Tasten gedrückt werden, um die gewünschten Parameter zu erhalten.


Marco Saggiomo, Yves-Simon Gloy und Alexander Weyers (von links) vom ITA der RWTH Aachen richten eine Webmaschine ein.

Peter Winandy

„Das geht einfacher und besser“, sagt Gloy und zeigt eine weitere Maschine mit zwei Studierenden an einem kleinen Bediener-Tablet. Das Menü besteht aus übersichtlichen und leicht verständlichen Symbolen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen nicht mehr selbst die Parameter für den Webprozess auswählen. Ein Assistenzsystem gibt die optimalen Einstellungen vor, die zum Material und der Maschine passen. Sie werden dann nur noch per Knopfdruck bestätigt.

In der Textilbranche führen intelligente Systeme und die zunehmende Automation zu Veränderungen für die Beschäftigten in vielen Bereichen. Unter der Projektleitung von Gloy untersucht eine Arbeitsgruppe das Zusammenspiel zwischen sozialen und technischen Innovationen.

Mit seinem Konzept war der Bereichsleiter am ITA und Adjunct-Professor der Clemson University in South Carolina in einem Förderwettbewerb des Bundesforschungsministeriums erfolgreich. Während der nächsten fünf Jahren wird der Aufbau einer Forschungsgruppe zum Thema „Soziotechnische Systeme in der Textilbranche“ mit 2,5 Millionen Euro gefördert.

Technik schließt Mensch nicht aus

Interdisziplinär und in Kooperation mit Industrie- und Forschungspartnern wird an Hand von Demonstratoren der Einsatz von vorhandenen Lösungen im Rahmen von Industrie 4.0 in die Textiltechnik überprüft. Ein Ziel ist, einer älter werdenden Belegschaft mehr Bedienungsfreundlichkeit zu ermöglichen.

Es gehe aber nicht nur um die Generation, die noch mit analogen Maschinensystemen groß geworden ist, sondern um alle Altersstufen, betont Jacqueline Lemm. Sie arbeitet als Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem Projekt mit: „In der Textilmaschinenbranche ist das Durchschnittsalter der Belegschaften mit über 50 Jahren zwar deutlich höher als in anderen Branchen. Hinzu kommt aber ein hoher Anteil an Leiharbeitern und Migranten, die Sprachbarrieren überwinden müssen.“

An Arbeitsplätzen mit Assistenzsystemen können die individuellen Kompetenzen berücksichtigt und jeder in die Lage versetzt werden, sich in den komplexeren Arbeitsinhalten zurechtzufinden. Lemm kennt die Argumente der Kritiker: „Viele befürchten, dass die zunehmende Automatisierung von Produktionsprozessen Arbeitsplätze vernichtet. Wir wollen zeigen, dass Technik Menschen nicht ausschließt.“

Soziotechnische Systeme

Der Forschungsverbund will Produktionsverfahren als soziotechnische Systeme initiieren, bei denen der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Kompetenzen im Mittelpunkt steht. Dazu gehören Barrierefreiheit und die Standortunabhängigkeit der Maschinen. Sinnvoll sind nach Ansicht der Aachener Forscher auch Details wie eine individuelle Anpassung von Schriftgrößen, Piktogramme oder die Einbindung von Fotos und Videos, die einzelne Arbeitsschritte erklären.

„Von den Textilmaschinenherstellern haben wir bereits viele positive Rückmeldungen erhalten“, berichtet Gloy. Das ist auch begründet im Wettbewerbsdruck der Branche, die international nur über Innovationen konkurrenzfähig bleibt. In Deutschland ist die Textilindustrie mit rund 65.000 Beschäftigten ein wichtiger Arbeitgeber. Deshalb werden die Aachener auch die Kontakte zur Industrie nutzen, um die Alltagstauglichkeit ihrer entwickelten Systeme zu testen.

Text: Helga Hermanns

Kontakt:
Dr.-Ing. Yves-Simon Gloy
Institut für Textiltechnik (ITA)
Telefon: +49 241 80 23470
E-Mail: Yves.Gloy@ita.rwth-aachen.de

Weitere Informationen:

http://www.ita.rwth-aachen.de

Helga Hermanns | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Stresstest über den Wolken
21.06.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht 3D-Druck im Mittelstand etablieren
20.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie