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Wandlungsfähige Produktionssysteme für die Industrie

21.03.2011
Forschung und Industrie stellen sich gemeinsam der Herausforderung

Bei zunehmenden Absatzschwankungen, Produktindividualisierung und einem hohen Preisdruck wird die wirtschaftliche Wandlungsfähigkeit der Auftragsabwicklung zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor auf den globalen Märkten. Ein sozio-technisches Produktionssystem (WPSlive) soll Unternehmen wandlungsfähig machen.

Das produzierende Gewerbe ist nach wie vor Taktgeber der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Dabei kann es nur bleiben, wenn Unternehmen in der Lage sind, sich schnell an die ändernden Marktbedingungen anzupassen. Das aber bedeutet, mit so genannten Wandlungstreibern wie kürzeren Produktlebenszyklen, zunehmender Individualisierung der Produkte, neuen Anforderungen der Produkttechnologie oder Auftrags - änderung (z. B. durch den Kunden) fertig zu werden.

Ein Produktionssystem auf alle möglichen Änderungen vorzubereiten, ist schon aus wirtschaftlicher Sicht keine Antwort auf diese Herausforderungen. Eine Option stellt vielmehr ein wandlungsfähiges sozio-technisches Produktionssystem dar, in dem Mensch und Technik so zusammenwirken, dass Unternehmen mit geringem Investitionsaufwand durch Organisation, Methoden und Prozesse proaktiv (re)agieren können.

Ende 2010 startete das durch das BMBF geförderte Forschungsprojekt »WPS-Live – ein wandlungsfähiges sozio-technisches Produktionssystem«. Unter der Koordination des Fraunhofer IPA arbeiten in den nächsten drei Jahren die IPRI gGmbH, Daimler AG, MAN Diesel & Tubo SE, Homag GmbH, LF Consult GmbH, Infoman GmbH und Camos GmbH daran, ein Referenzmodell für eine wandlungsfähige Produktion aufzustellen.

Das sozio-technische Produktionssystem WPSlive wird innerhalb dreier Industrieanwendungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten am Auftragsabwicklungsprozess entlang entwickelt, validiert und als industrieorientiertes Referenzmodell in einem Demon strator im Auftragsmanagement-Labor des Fraunhofer IPA dargestellt. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Berücksichtigung des abgestimmten Taktgedankens entlang des Auftragsabwicklungsprozesses. Das dynamische Taktprinzip von WPS-Live umfasst die methodische Ausweitung der Taktsynchronisation auf alle Unternehmensbereiche, die am Auftragsabwicklungsprozess beteiligt sind, von der Produktkonfiguration bis hin zur Auslieferung des Endprodukts.

Wandlungsfähigkeit soll aber nicht um jeden Preis erreicht werden! Deshalb lassen sich über ein Simulationstool auch betriebswirtschaftliche Fragen untersuchen:

Welche Kosten verursachen Maßnahmen zur Erhöhung der Wandlungsfähigkeit? Wie wirkt sich die er zielte Wandlungsfähigkeit hinsichtlich der Ertragslage des Unternehmens aus?

Um die Ergebnisse sicherzustellen, stehen entscheidungsunterstützende Beschreibungen für Abläufe, Methoden, Regeln und Softwareunterstützung zur Verfügung. Dabei kann es nicht darum gehen, umfangreiche Handbücher zu generieren. Mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken, Simulation sowie Visualisierung sollen für alle betrieblichen Entscheidungsebenen pragmatische und nachvollziehbare Entscheidungshilfen geschaffen werden. Ob - wohl der Einsatz solcher Systeme auf Arbeits-, Bereichs- und Abteilungsebene heute fast überall realisiert ist, fehlt eine durchgängige Umsetzung für den gesamten Auftragsabwicklungsprozess – also von der ersten Kundenanfrage bis zum Zahlungseingang. Ziel des Forschungsprojekts WPSlive ist also die optimale Ausgestaltung des gesamten hoch komplexen Auftragsabwicklungsprozesses hin zu einer erhöhten Wandlungsfähigkeit.

Hubert Grosser | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.ipa.fraunhofer.de

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