Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unternehmen mit durchdachtem PDM-System haben ihre Daten im Griff

08.10.2008
Viele deutsche Unternehmen, auch mittelständische, sind mit ihren Produkten weltweit erfolgreich. Da bleibt es nicht aus, auch standortübergreifend die anfallenden Daten im Griff zu haben, um eine Zusammenarbeit nachhaltig zu unterstützen. So auch beim Unternehmen Argo-Hytos, das jetzt ein einheitliches Produktdaten-Management (PDM) für seine beiden Produktionswerke in Kraichtal (Nordbaden) und Vrchlabi (Tschechien) sowie für alle ausländischen Vertriebsgesellschaften entwickelt hat.

Auf Basis einer gemeinsamen technischen Grunddatenstruktur wird das PDM-System Pro-File von Procad bei Argo-Hytos den unternehmensweiten Austausch von Produktdaten sichern, von der ersten Produktidee über Konstruktion und Fertigung bis zu Vertrieb und Service. Aufgrund des heute für die gesamte Gruppe gültigen Nummernschlüssels und der Beschreibung beziehungsweise Klassifikation der Objekte (Teile, Baugruppen, Dokumente und Projekte) mittels Sachmerkmalleisten in Pro-File wurden die Bennungen von rund 70000 auf 700 reduziert.

Produktionsstandorte weltweit verteilt

Die Argo-Hytos GmbH im badischen Kraichtal ist ein typischer Mittelständler mit verteilten Produktionsstandorten und seit Anfang des Jahres außer in Deutschland und Tschechien auch in Indien aktiv. Die zur Zeit zirka 1200 Mitarbeiter des Inhaber-geführten Unternehmens entwickeln und vertreiben Standard- und kundenspezifische Hydrauliksysteme, die entweder stationär, beispielsweise in Pressen und der Kunststoffspritztechnik, oder mobil in Maschinen der Bau- und Landwirtschaft eingesetzt werden.

Die Gruppe ist in den letzten Jahren stark gewachsen, 2007 mit einem konsolidierten Umsatzplus von 16% auf knapp 103 Mio. Euro. Einer der Gründe ist für Geschäftsführer Christian H. Kienzle, der auch Vorsitzender des Fachverbandes Fluidtechnik im VDMA ist, die hohe Investition in Forschung und Entwicklung. Mit 52% sei der Exportanteil der fluidischen Antriebstechnik nach wie vor hoch. Es sei kein Wunder, dass insbesondere die deutschen Zulieferer im Maschinenbau zu den Gewinnern der Globalisierung gehörten.

Investitionen in ERP- und PDM-System

Argo-Hytos investiert aber nicht nur in Produkte, sondern auch in IT-Systeme und entsprechend innovative Prozessstrukturen. Anfang 2007 wurde mit SAP R3 ein neues ERP-System eingeführt. Das PDM-System Pro-File war bereits seit den neunziger Jahren im Einsatz.

Eingeführt und betreut wurde es von Beginn an bis heute vom Procad-Vertriebspartner Steinhilber-Schwehr aus Rottweil. Unterstützt durch den modularen Aufbau von Pro-File nutzte Argo-Hytos das PDM-System zu Beginn nur als reines Zeichnungsverwaltungssystem.

Mit der Einführung des 3D-CAD-Systems Ideas in Kraichtal wurden dann zusätzlich die 2D- und 3D-Modelle an Pro-File übergeben. Das, was eigentlich den größten Nutzen des PDM-Systems darstellt, das auf Sachmerkmalen und Produktstrukturen aufbauende Datenmanagement, wurde dann ab 2001 umgesetzt.

PDM-System vermeidet Mehrfachkonstruktionen

Damals wurde erstmals begonnen, den Wildwuchs bei den Teilebenennungen zu reduzieren. Mit der Zuordnung von Merkmalen zu den Objekten (Teile, Baugruppen, Dokumente, Projekte) konnten die Bauteile mittels Sachmerkmalleisten (SML) klassifiziert werden. Anhand der Sachmerkmale wurde eine Bereinigung der Teilevielfalt durchgeführt, indem viele alternative oder mehrfach angelegte Bauteilvarianten gestrichen werden konnten.

Dadurch ließen sich im ersten Schritt mehr als 300 Teile allein im Werk Kraichtal einsparen. Zudem ist jetzt mit der Objektsuche über die Merkmale ein schnelles und sicheres Wiederfinden möglich, was Mehrfachkonstruktionen wie bisher vermeidet und die Wiederverwendung von Teilen optimiert.

Mit der Entscheidung für SAP fiel dann 2006 auch die Entscheidung, das PDM-System für die gesamte Gruppe weltweit einzusetzen. Voraussetzung war, die in jedem Land unterschiedlichen Benennungen in eine einheitliche Artikelnummer zu überführen, die aufgrund des angestrebten Datenaustausches mit dem ERP von der Feldgröße und -struktur her auch im SAP-System verwendbar sein musste.

Technische Struktur mit Umstellung des PDM-Systems neu erstellt

Die gesamte technische Struktur (Benennung, Produktstrukturen, Klassifikation, technische Ablaufprozesse) wurde besonders auch in Abstimmung mit dem tschechischen Werk neu erstellt. Das betraf in weiten Teilen auch nochmals das Werk Kraichtal, obwohl dort seit 2001 schon wichtige Grundlagen gelegt worden waren. Mit Unterstützung eines Beraters wurden die neuen Strukturen und Prozesse festgelegt und die Bennungen von ursprünglich rund 70000 auf heute 700 reduziert.

Eine eigens eingerichtete Normungsabteilung (Material-Datenmanagement) sorgt jetzt dafür, dass neue Materialstammdaten inhaltlich richtig angelegt und korrekt organisiert werden. Mittlerweile sind gut 120000 Materialstämme im System. Bei der gesamten technischen Grunddatenstruktur ist Pro-File das führende System.

Um eine einheitliche Struktur zu sichern und eine Mehrfacherfassung der Daten zu vermeiden, wird eine Reihe von Daten an das SAP-System übergeben. Damit diese Schnittstelle zwischen Pro-File und den ERP-Systemen flexibel und transparent wird, setzt Procad sogenannte Middleware ein. Im Fall von Argo-Hytos ist das der Biz-Talk Server von Microsoft.

Änderungen ohne aufwändige Programmierung

Mit dem Biz-Talk Server lässt sich der tatsächlich durchgeführte Datenaustausch protokollieren und künftige Änderungen bei den zu übergebende Daten können relativ einfach selbst eingerichtet werden, ohne eine aufwändige Programmierung. Mittels Biz-Talk werden jetzt weitgehend automatisch die Materialstämme (bei SAP die so genannten Grunddaten 1 und 2), die Klassifikation beziehungsweise die Objekt-/Produktstruktur und die Konstruktionsstückliste an das SAP-System übergeben.

Das Ziel ist es, für die komplette Gruppe sämtliche CAD-Modelle und Dokumente zu verwalten, die in der Konstruktion anfallen. In Vrchlabi und in einer Reihe der internationalen Vertriebsgesellschaften ist das 3D-CAD-System Pro/Engineer Wildfire schon installiert. Die Einführung von Pro-File (und SAP) wird dort in nächster Zeit folgen. Die Nutzung der Produktdaten in Arbeitsvorbereitung und Fertigung, Vertrieb oder Service wird weiter sukzessive ausgebaut.

Der nächste konkrete Schritt hier ist, dass Fertigungszeichnungen in einem neutralen Format (Tiff, PDF) auch auf den SAP-Terminals aufgerufen werden können und somit auch Bereichen zur Verfügung stehen, die über keine Pro-File-Arbeitsplätze verfügen. In Kraichtal arbeiten bereits 90 Mitarbeiter mit Pro-File, in Vrchlabi sind 70 PDM-Installationen geplant.

Stefan Kühner ist Leiter Marketing und Kommunikation bei der Procad GmbH & Co. KG in Karlsruhe.

Stefan Kühner | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/index.cfm?pid=1605&pk=148195

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Das Auto lernt vorauszudenken
28.06.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Stresstest über den Wolken
21.06.2017 | Hochschule Osnabrück

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten