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Strick-Schlauch mit Löchern spart Energie

10.12.2008
Die Luft reinigen und gleichzeitig dabei deutlich Energie einsparen, das ermöglicht eine Erfindung der AWS-Group: Die patentierten gestrickten Schläuche arbeiten beträchtlich energieeffizienter als bisherige Methoden und können die Energiekosten um bis zu 70% reduzieren.

Die Erfindung sieht aus wie eine Mischung aus Strohhalm und Strickstrumpf – doch das unscheinbare biegsame Röhrchen könnte einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung und zum Klimaschutz leisten. Die AWS Group verwendet dünne Strickschläuche zum Ausfiltern von Lösemitteln, Fett, Gerüchen oder Feinstaub. Der wichtigste Neben-effekt dabei ist, dass die löchrigen Schläuche beträchtlich energieeffizienter arbeiten als bisher bekannte Filterverfahren. Der Hersteller gibt eine Reduktion der Energiekosten um bis zu 70% an.

Beim Flugzeughersteller Stork Fokker filtert eine AWS-Anlage in der Größe eines Frachtcontainers organische Lösemittel aus der Produktionshalle, in der Großflugzeuge lackiert werden. Die Anlage besteht aus drei separaten Filtern, die jeweils mehrere Kilometer Schläuche enthalten. Jeder dieser Filter reinigt bis zu 43 000 m³ Luft pro Stunde und holt pro Jahr bis zu 100 t Lösemittel aus der Luft.

Ölmischungen und Polyglycole diene als Absorberflüssigkeiten

Als Absorberflüssigkeiten nutzt AWS Ölmischungen und Polyglycole. Aufgrund des Partialdruckgefälles nimmt der Absorber durch die Poren der Schläuche flüchtige organische Lösemittel, aber auch Fett und Feinstaub auf und transportiert sie im Schlauchinnern ab. Schwebteile in der Größenordnung von 0,3 bis 10 μm können mit dem System herausgefiltert werden. Die Schadstoffe, die in der Reinigungschemikalie gelöst sind, werden in einer Destille abgetrennt und können wieder verwendet werden, etwa als Lösemittel für Farben. Die Reinigungschemikalie gelangt in den geschlossenen Kreislauf zurück und wird bei diesem Prozess nur sehr langsam verbraucht.

Beim Autoteilelackierer Jonas in Heilbronn reinigt die Technik pro Stunde 24 000 m³ Luft, die früher ungefiltert nach draußen geblasen wurden. Die Reinigungswirkung ist so gut, dass 70% der Luft wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können und die Belastung dennoch unter den vorgeschriebenen 50 mg Kohlenstoff pro Kubikmeter bleibt. Das spart Energie, weil weniger Luft klimatisiert werden muss, aber auch weil die heute übliche thermische Nachverbrennung mit Erdgas bei 900 °C entfällt. Dadurch betragen Energieverbrauch und Betriebskosten nur ein Viertel des früheren Werts.

Schläuche von der Wirtschaftsinitiative des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet

Dass die mit einem Sonderpreis der Wirtschaftsinitiative des Landes Baden-Württemberg ausgezeichneten Schläuche sowohl filtern als auch befeuchten können, verdanken sie einem mehrfach patentierten Verfahren, bei dem Polyester- oder Polypropylenfasern wie bei einem Strumpf rundgestrickt und anschließend auf 200 °C erhitzt werden. Das verleiht den Schläuchen trotz der Poren ausreichende Stabilität. Die ist nötig, weil die feuchten Schläuche sonst aneinander kleben würden, wenn die Luft außen vorbeiströmt.

Die Entwicklung ist eigentlich ein Nebenprodukt aus der Automobilindustrie: Die Schläuche, die AWS-Gründer Matthias Enzenhofer in den 1990er Jahren entwickelte, waren ursprünglich für die Automobilproduktion gedacht. Doch die Autobauer entschieden sich damals für ein anderes Produkt.

Wie lukrativ die Märkte für Luftreinigung und Luftbefeuchtung sind, zeigt sich bei der Betrachtung der Marktzahlen: Allein mit der Reinigung von organischen Lösemitteln aus der Luft werden nach Angaben von AWS in diesem Jahr weltweit rund 58 Mrd. Euro umgesetzt. Rund 50 Mrd. Euro umfasst der Markt für Luftbefeuchtung.

Frank Fladerer | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/betriebstechnik/arbeitsschutz/articles/156982/

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