Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spannungsarme Alternative

01.11.2009
Bikar liefert Halbzeuge aus NE-Metallen und bietet hoch interessante Aluminium-Legierungen für den Werkzeug-, Formen und Modellbau. SCOPE-Redakteur Michael Stöcker erfuhr vor Ort, welche Vorteile diese thermisch behandelten Leichtmetall-Lösungen bieten.

Konstrukteure und Ingenieure ahnen es, Werkzeug-, Formen- und Modellbauer wissen es: Aluminium gewinnt - insbesondere wenn Endprodukte aus Kunststoff entstehen sollen - im Werkzeug-, Formen- und Modellbau immer mehr an Gewicht. Und jeder Techniker, der dieses Material mechanisch bearbeiten muss, weiß seine Pluspunkte zu schätzen. Dazu gehören neben der hohen Wärmeleitfähigkeit, die gute Zerspanbarkeit, die verlässliche Formstabilität und das geringe Gewicht. Nicht zuletzt bietet die Vielfalt der Legierungen für fast jede gestalterische Aufgabe eine passende Lösung.

Einer der führenden Lieferanten von Aluminium-Halbzeugen ist das Unternehmen Bikar mit Stammsitz in Bad Berleburg. Im Laufe der Jahrzehnte hat es sich insbesondere auf die Anforderungen der Werkzeug-, Formen- und Modellbauer eingestellt. Dabei beinhaltet diese Entwicklung nicht nur die Bereitstellung eines umfangreichen Aluminium-Lieferprogramms, sondern schließt auch ein breit gefächertes Angebot an Halbzeugen aus Kupfer, Messing, Bronzen oder technischen Kunststoffen mit ein. Geordert werden können sowohl Platten, Bleche, Stangen, Rohre oder Profile als auch Ronden und Ringe. Kundenspezifische Zuschnitte stehen heute ebenfalls auf der Tagesordnung von Bikar.

Zudem ist die werkstofftechnische Beratung fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie. "In Zusammenarbeit mit einem führenden Hersteller für Fräs- und Bohrwerkzeuge können wir beispielsweise Probleme bei der Bearbeitung direkt mit dem Kunden klären - telefonisch oder vor Ort", sagt Inhaber und Geschäftsführer Konstantin Bikar, der das Unternehmen mit seinem Bruder Aleksandar führt.

Auf Wachstum programmiert

Seit Jahren befindet sich das Unternehmen auf Wachstumskurs. Unter anderem durch stete Investitionen in moderne Logistik und innovative Bearbeitungsanlagen hat es sich zu einem der Marktführer hoch gearbeitet - weltweit. In drei Werken am Standort Bad Berleburg werden die Produkte gelagert und auf Kundenwunsch zugeschnitten. In Werk I dreht sich alles um Zieh- und Pressprodukte - um runde, flache, vier- und sechskantige Stangen sowie Rohre und Profile. Auf modernen Bandsägen werden maßgenaue Abschnitte gefertigt.

Im Werk II findet die Bearbeitung von Walzprodukten statt. "Herzstück ist hier unser computergesteuertes Hochregallager mit einer Kapazität von 9.000 Tonnen", sagt Bikar. In 1.800 Kassetten liegen Platten und Bleche verschiedener Qualitäten und Dimensionen.

Automatisch werden Aufträge von hier aus ins angegliederte Zuschnittzentrum geliefert. "Dort fertigen wir auf Hochgeschwindigkeits-Kreissägen Kundenaufträge von Briefmarkengröße bis zum Superformat 6.000×2.000 mm. Fast jedes Maß ist möglich. Auch Ronden und Ringe bis zu einem Durchmesser von 1.500 mm sind kein Problem", so der Firmenchef. Auf die Produktion von Gussplatten spezialisiert ist das neue Werk III. Einzigartig im Hinblick auf die Prozessabläufe dürfte das zwei Millionen Euro teure Sägezentrum in dieser Halle sein, auf dem das Unternehmen seine Produktreihe Formodal fertigt.

Dabei handelt es sich um gegossene und thermisch veredelte Aluminiumplatten aus einer spannungsarmen Legierung, deren Festigkeitseigenschaften im Bereich gewalzter Aluplatten liegen. Daraus entstehen zum Beispiel hochpräzise Blasform- und Spritzguss-Werkzeuge. Das Ausgangsformat dieser Aluminiumguss-Platten sind Blöcke mit Abmessungen von 4000x2200x600 oder 3400x1650x1020 Millimeter. Im Sägezentrum macht das Unternehmen daraus kundengerechte Zuschnitte, die dem Werkzeug-, Modell- und Formenbauer eine Reihe von Arbeits- und Verfahrensschritten ersparen. "Gerade Formen- und Modellbauer haben oft das Problem, dass das zu erstellende Werkstück beim Fertigungsprozess aufgrund von Spannungen die Maßhaltigkeit nicht gewährleisten kann. Ursache dafür sind längskristalline Strukturen, die beim Walzprozess auftreten, oder Spannungen, die beim Zerspanen freigesetzt werden", erklärt Konstantin Bikar.

Gegossen statt gewalzt

Hier zeigt diese Werkstoffgruppe ihre Stärken. Formodal 023 ist eine Gusslegierung, die sich durch Spannungsarmut und Formstabilität bei und nach der Bearbeitung auszeichnet. So lassen sich komplizierte Werkzeuge besser als bisher realisieren. Als weiterer Vorteil erweisen sich die lieferbaren Abmessungen. Als Ausgangsmaterial dienen Guss-Walzbarren mit Liefergrößen von 4.000×2.200×600 mm - über 14 Tonnen schwer - und 3.400×1.650×1.050 mm. Daraus werden die gewünschten Maße gesägt. Bei der Variante Formodal 030-plan handelt es sich um den gleichen Werkstoff; allerdings sind diese Platten in den Oberflächen plangefräst und foliert. Die Dickentoleranzen liegen bei ±0,1 mm, die Ebenheit je nach Plattenstärke zwischen 0,13 und 0,80 mm (bezogen auf die gesamte Platte!). Standardmäßig lagert Bikar Platten der Größe 3.000× 1.500 mm von 5 bis 100 mm Dicke.

Derzeit im Entwicklungsstadium befindet sich ein hochfester Aluminium-Werkstoff namens Formodal 360 - eine 7000er-Legierung mit hervorragender Zerspanungsqualität und Zugfestigkeiten von 310 bis 360 N/mm². Auch hier steht der Aspekt Spannungsarmut im Vordergrund.

Weil die gegossenen Alu-Halbzeuge vom Typ Formodal nicht das Prozedere des Walzverfahrens durchlaufen, können sie kostengünstiger hergestellt werden. 2008 hat Bikar rund 5000 Tonnen dieses Materials an Werkzeug-, Formen- und Modellbauer geliefert.

Trotz der überzeugenden Eigenschaften ist Formodal laut Firmenchef Bikar kein voller Ersatz für die gewalzte Platte: "Ausschlaggebend für die Wahl des richtigen Materials ist der Verwendungszweck. Denn bei bestimmten Anforderungen im Werkzeugbau werden gerade die längskristallinen Strukturen einer Knetlegierung benötigt, um deren Elastizität - etwa Biege- und Wechselfestigkeit - zu nutzen", sagt er. Die Gusslegierungen können nicht alle Bereiche der gewalzten Platte abdecken, die gegossenen Alu-Halbzeuge eröffnen für den Werkzeug- und Formenbauer aber neue Einsatzmöglichkeiten und das Potenzial zu Kostensenkungen. Weitere Details darüber erfahren Interessierte auf der Euromold. Dort ist Bikar in Halle 8 auf Stand E58 zu finden.

Michael Stöcker | SCOPE
Weitere Informationen:
http://www.scope-online.de/xist4c/web/Spannungsarme-Alternative_id_161__dId_466370_.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Flüssiger Wasserstoff im freien Fall
05.12.2016 | Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM)

nachricht IPH entwickelt Prüfstand für angetriebene Tragrollen
29.11.2016 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe

06.12.2016 | Geowissenschaften

Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate

06.12.2016 | Materialwissenschaften