Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schutz vor Markenpiraterie entwickelt

14.05.2013
Manipulationssichere, verdeckte Kennzeichnung in Typenschildern richtet sich insbesondere an den Maschinen- und Anlagenbau.

In einem Forschungsprojekt an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest wurde eine verdeckte Kennzeichnung entwickelt, die in übliche Maschinenbauelemente wie etwa Typenschilder integriert werden kann und so Marken-Piraterie vorbeugen soll.

Der wirksame Plagiatschutz wurde gemeinsam von der Firma SUSIS A.Schröder & Söhne GmbH u. Co. KG in Sundern und dem Institut für Technologie und Wissenstransfer im Kreis Soest (TWS) entwickelt. In dem System wird ein mehrfarbiger Codeaufdruck unter dem Typenschild angebracht, der bei Reklamationen oder Serviceleistungen ausgelesen werden kann.

"Ohne großen technischen Aufwand lassen sich damit auch unter schwierigsten Umgebungsbedingungen eindeutige Identifikationen durchführen", erläutert Projektleiter Dr. Hubert Paulus die Vorteile des Verfahrens. Hier zeigt sich eine wichtige Zielgruppe der Neuentwicklung: Auch der Anlagen- und Maschinenbau kämpft zunehmend mit gefälschten Produkten. Dies führt zu Rufschädigung und kann möglicherweise bei Regressforderungen beträchtliche Folgenkosten mit sich bringen.

Der unsichtbare, im Typenschild integrierte, mehrfarbige Codeaufdruck lässt sich zudem nicht unbemerkt auslesen. Hierdurch werden auch Fälschungen des Schutzsystems selbst wirksam verhindert. Bei dem einfachen Verfahren fallen keine zusätzlichen Anbringungskosten an. Bestehende Anlagen können sehr einfach nachgerüstet werden. Durch die hohe Flexibilität des Systems kann auch der Faktor Zeit wirksam gegen Plagiate eingesetzt werden.

"Dieses Produkt ist ein typisches Beispiel für gelungenen Wissenstransfer", betont der wissenschaftliche Leiter Prof. Dr. Karl-Heinz Müller. Die Projektidee war von vorne herein die Integration des Schutzcodes. Dies erfordert eine Menge Knowhow im Bereich der Oberflächenanalytik, einem Spezialgebiet des Soester Physikers. Im Laufe des Projektes führte das Team zahlreiche Versuche im Bereich modernster Oberflächenanalytik durch, um dieses Verschlüsselungsverfahren zu entwickeln, das sich ohne Beschädigung nicht auslesen lässt.

So waren bei der Umsetzung der Idee eine Fülle von Anforderungen zu berücksichtigen. Diese betrafen insbesondere die Themenfelder Einschränkungen im Anwendungsbereich, Haltbarkeit, Ablösbarkeit der Deckschicht bzw. Resistenz der Kennzeichnung, sichere „lichtdichte“ Verdeckung der Kennzeichnung, Herstellungsverfahren (insbesondere geeignete Beschichtungsverfahren) und Qualitätssicherung. Aufgrund des Innovationspotentials förderte das Bundeministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) das Projekt über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) in Köln.

Hintergrund

Plagiate sind ein großes Problem für die Deutsche Industrie. Neben Sportartikeln und Uhren ist zunehmend auch der klassische Maschinenbau von Nachbauten betroffen: So ergab eine Befragung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), dass viele Firmen mit komplett nachgebauten Maschinen (52%), Komponenten (41%) oder auch Ersatzteilen (32%) Probleme haben.

Allein der direkte Umsatzverlust beträgt laut VDMA fast 8 Milliarden Euro. Hinzu kommen Folgeschäden etwa durch unberechtigte Serviceeinsätze oder auch Regressforderungen durch Fehler der Nachahmerprodukte - beispielsweise, wenn technische Komponenten wie Pumpen in komplexe Anlagen eingebaut sind und bei Versagen die gesamte Anlage zum Stillstand bringen oder zerstören. Handelt es sich hierbei um eine äußerlich nicht unterscheidbare Kopie, wird unter Umständen der nicht verantwortliche Originalhersteller zur Verantwortung gezogen.

Eine fälschungssichere Kenntlichmachung wird weniger die Nachahmungen selbst verhindern, aber durch die Identifikation des Originals sollen Attraktivität und Marktfähigkeit der Kopie wesentlich vermindert werden. Bisher auf dem Markt befindliche Schutzmechanismen sind meist aufwändig, teuer, wenig flexibel oder unzureichend. Hier setzt das an der Fachhochschule Südwestfalen mitentwickelte Verfahren an.

Literatur-Tipp: www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,828725,00.html

Weitere Informationen:
http://www.fh-swf.de/fbeet
http://www.tws-soest.de
http://www.susis-online.de/plagiatschutz/
http://www.aif.de
http://www.bmwi.bund.de

Birgit Geile-Hänßel | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-swf.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht CI-Maschine von EMAG ECM: Hocheffektive Lösung für das Entgraten von komplexen Bauteilen
12.04.2018 | EMAG GmbH & Co. KG

nachricht Kaltmassivumformung: auch komplexe Bauteilherstellung virtuell und kostengünstig designen
29.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics